Wulf Dorn: Die Kinder

Ein Unfall. Eine Verletzte. Eine grausam entstellte Tote im Kofferraum. So weit sieht alles nach einem brutalen aber nicht ungewöhnlichen Mord aus. Wären da nicht unzählige weitere Menschen, die plötzlich spurlos verschwinden. Und natürlich die unglaubliche Geschichte der verletzten Frau.

9783453270947_CoverAufgeschreckt durch einen wirren Anruf seiner Exfrau Su, ist Kinderarzt Patrick Landers auf dem Weg in ein abgelegenes Dorf. Dort hofft Su die nötige Ruhe für ihre Tochter Mia zu finden, deren Verhalten in letzter Zeit zunehmend auffällig ist. Stundenlang schaut sie nur vor sich hin, spricht keine Wort und folgt keiner Anweisung. Sind andere Kinder in ihrer Nähe, starren sie sich unverwandt an und scheinen auf eine nur für sie wahrnehmbare Art und Weise zu kommunizieren. Irgendetwas geht in Mia vor. Etwas, das ihrer Mutter Angst macht.

Mehr Respekt. Weltweit!

Mit Die Kinder von Wulf Dorn habe ich wieder einen dieser tollen Thriller deutscher Autorenn in der Hand, die nicht nur Spannung versprechen sondern auch zum Nachdenken anregen. Gleichzeitig ist es sehr schwierig, diese Gedanken niederzuschreiben ohne gleich zu spoilern.

Aber was wäre, wenn sich die Kinder der Welt zusammenschlössen und uns Erwachsenen das zurückgäben, was wir ihnen aus Egoismus, Geldgier oder einfach nur Gedankenlosigkeit Tag für Tag zumuten und antun? Ist so etwas vorstellbar und wenn ja, wie können wir es verhindern?

Macht Platz für die Jugend

Ich denke, wir müssen wieder einen respektvolleren Umgang lernen. Miteinander. Mit unserer näheren Umgebung. Mit der Welt. Uns Gedanken machen, wer für den Luxus in unserem Leben zahlt und ob dieser Luxus einen solchen Preis wert ist. Und wir müssen schnellstens die Jugend in alle Entscheidungen über die Welt von morgen einbinden. Diese Entscheidungen dürfen nicht nur von “uns Alten” getroffen werden, denn vielen von uns fehlt die Weitsicht und das Interesse an den langfristigen Konsequenzen dieser Entscheidungen.

Und wir müssen dringend beginnen, global zu denken. Nicht mehr nur für unsere Region, für unser Land, für unseren Kontinent. Wir haben keine Zeit für alte Rivalitäten, Erbsenzählereien und permanenter Nabelschau.

Genau dabei kann die Jugend uns helfen. Sie haben alte, verhärtete Strukturen nicht erlebt. Ihre Hemmschwelle, mit Menschen anderer Nationalitäten Kontakt aufzunehmen und zusammenzuarbeiten, ist gering. Gemeinsam mit ihnen können wir eine Welt schaffen, die von Respekt und Nachhaltigkeit geprägt ist.

Lesen, gruseln, grübeln

Von mir bekommt Die Kinder von Wulf Dorn eine Leseempfehlung. Wie bereits erwähnt schätze ich die Kombination aus Spannung und Denkanstoß.

Allerdings sehe ich auch Schwächen, vor allem am Ende des Buches. Wenn niemand mehr da ist, der weiß, wie Zuckerstangen produziert werden, kann man auch keine mehr essen. Und dann ist da noch die Sache mit dem Nachwuchs, Herr Dorn. Wie wollen sie die denn lösen? Erfahren wir das womöglich in Band zwei? Ich würde mich freuen.

Wulf Dorn

Wulf Dorn, Jahrgang 1969, arbeitete zwanzig Jahre in einer psychiatrischen Klinik, ehe er sich ganz dem Schreiben widmete. Mit seinem 2009 erschienenen Debütroman »Trigger« gelang ihm ein Sensationserfolg. Seitdem stehen seine Bücher auf internationalen Bestsellerlisten und haben zahlreiche Auszeichnungen erhalten, darunter den französischen »Prix Polar«.

Buchinfo: Die Kinder von Wulf Dorn, erschienen bei Heyne, September 2017, 320 Seiten, € 16,99, ISBN 978-3-453-27094-7

Cody Mcfadyen: Der Menschenmacher

„Mein Name ist David. Wir sind zu dritt. Meine Schwester Allison, mein Bruder Charlie und ich. Wir sind schon lange in diesem Haus, aber wir dürfen es nicht verlassen. Dad hat es verboten. Er ist nicht unser richtiger Vater, aber er will, dass wir ihn so nennen. Es ist besser, wenn wir tun, was er sagt. Sonst wird er böse und dann tut er uns sehr weh. Doch das wird bald aufhören. Denn heute werden wir Dad töten.“

Thriller, McFadyen
Cover: Lübbe Verlag

Jahre später ist David ein gefeierter Krimiautor. Seinen Ruhm nutzt er, um sich für misshandelte und missbrauchte Kinder auf aller Welt stark zu machen. Die Gründe dafür sind sehr persönlicher Natur. Er selbst wurde jahrelang von seinem sadistischen Stiefvater gequält und erniedrigt. Egal, ob Schläge mit dem Gürtel, Verbrennungen mit der Zigarette oder „Einzelhaft nackt in einem unbeleuchteten Raum auf dem heißen Dachboden, sein „Dad“ ist vor keiner noch so harten Maßnahme zurückgeschreckt, um seine Kinder zu „evolvieren“, zu entwickeln. David und seine beiden Stiefgeschwister Charlie und Allison haben nur eine Chance, wenn sie überleben wollen. Sie müssen „Dad“ töten, um sich zu befreien. Doch schon bald müssen sie feststellen, dass sie sich zwar der körperlichen Folter entziehen konnten, nicht aber der psychischen Einflussnahme. Zwanzig Jahre später holt die Vergangenheit sie ein. Ist „Dad“ wirklich tot?

Psychologisch packend trotz aller Brutalität

„Der Menschenmacher ist nichts für zarte Gemüter. Cody Macfadyen nimmt uns mit auf eine beklemmende Reise durch die Köpfe einer Gruppe absolut skrupel- und gewissenloser Menschen, denen jedes Mittel recht ist, ein perverses, langfristig angelegtes, Menschenexperiment durchzuführen. Gekonnt spielt Macfadyen mit den Emotionen der Leser, reizt durch eine teilweise brutal direkte Wortwahl jede Facette aus und lässt die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen. Eine eindeutige Leseempfehlung für alle, die psychologisch packende Thriller lieben.

Cody Mcfadyen

Cody Mcfadyen, geboren 1968, unternahm als junger Mann mehrere Weltreisen und arbeitete danach in den unterschiedlichsten Branchen. Der Autor ist verheiratet, Vater einer Tochter und lebt mit seiner Familie in Kalifornien. „Die Blutlinie“ war sein erster Roman und sorgte weltweit für Aufsehen. In Deutschland war der Thriller wochenlang auf der Spiegel-Bestsellerliste. Mit „Der Todeskünstler“ hat er die außergewöhnliche Thriller-Reihe um Smoky Barrett fortgesetzt. „Das Böse in uns“ ist sein dritter Roman mit der Protagonistin.

Buchinfo: Der Menschenmacher von Cody Mcfadyen, erschienen bei Lübbe, Februar 2011, 605 Seiten, gebunden, € 19,99, ISBN: 978-3-7857-2407-1

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