Cilla und Rolf Börjlind: Schlaflied

Gemeinsam mit ihrem Schützling, der jungen Folami aus Nigeria, versteckt sich die obdachlose Muriel in einer Hütte im Wald von Smaland. Sie will Folami helfen, ihre Brüder, die sie auf der Flucht verloren hat, wiederzufinden. Aber damit sind nicht alle einverstanden. Ein Wettrennen um Leben und Tod beginnt.

Schlaflied von Cilla BoerjlindIm Wald von Smaland wird die grausam zugerichtete Leiche eines Jungen gefunden. Die Polizei vermutet einen einen Pädophilenring, der die Notlage der zahlreichen jungen Menschen, die aus Syrien, Afghanistan, Nigeria und vielen anderen Ländern nach Schweden geflüchtet sind, ausnutzt und die Jugendlichen anschließend im Wald entsorgt.

Gemeinsam mit dem ehemaligen Polizisten Tom Stilton nimmt Ermittlerin Olivia Rönning die Spur auf. Wichtige Hinweise bekommen sie dabei von Muriel, einer obdachlosen Drogenkranken, die zu Stilton Vertrauen gefasst hat. Sie hat Folami, die aus Nigeria geflohen ist und in Schweden ihre Brüder sucht, unter ihre Fittiche genommen.

Ausgerechnet Folamis Brüder bringen die Polizei auf die richtige Spur. Diese führt nach Rumänien und zu einem perfekt organisierten Organhändlerring.

Wie die Ärmsten der Armen ausgebeutet werden

Mit Schlaflied haben Cilla und Rolf Börjlind einen Krimi abgeliefert, der ans Herz geht. Immer wieder liest man von unbegleiteten Jugendlichen, die auf der Flucht nach Europa verschwinden. Häufig wird dabei über Kinderhändlerringe spekuliert. Aber auch über organisierte Organhändlerringe wird immer wieder berichtet. Für sie sind junge, verzweifelte Menschen leichte Opfer.

Insofern greifen die Autoren ein sehr aktuelles Thema auf, das sie spannend und gleichzeitig bewegend umgesetzt haben. Begeistert haben mich vor allem die kantigen Charaktere. Eine gelungene Abwechslung zu vielen weichgespülten Protagonisten in anderen Büchern. Gewünscht hätte ich mir an manchen Stellen etwas mehr Drive. Vor allem die Entwicklung in Rumänien war mir etwas langatmig. Aber das ist eine Kleinigkeit.

Von mir bekommt Schlaflied von Cilla und Rolf Börjlind eine Leseempfehlung und ich werde mich gerne wieder in neue Abenteuer mit Tom Stilton und Olivia Rönning stürzen.

Cilla und Rolf Börjlind

Cilla und Rolf Börjlind gelten als Schwedens wichtigste und bekannteste Drehbuchautoren. Sie sind unter anderem verantwortlich für zahlreiche Martin-Beck-Folgen sowie für die viel gepriesene Arne-Dahl-Serie. Ihr Markenzeichen sind starke Charaktere und eine stringente Handlung. Die Romane um die junge Polizistin Olivia Rönning und den ehemaligen Kriminalkommissar Tom Stilton wurden in 30 Länder verkauft und erfolgreich verfilmt. Die Serie läuft mit hohen Einschaltquoten auch im deutschen Fernsehen.

Buchinfo: Schlaflied von Cilla und Rolf Börjlind, erschienen bei btb, Februar 2017, 576 Seiten, € 15,00, ISBN: 978-3-442-75716-9

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Der Turm der toten Seelen

Bereits in jungen Jahren hat Polizist Leo Junker eine ansehnliche Karriere gemacht. Ein zwielichtiger Einsatz stoppt seinen Aufstieg abrupt. Hatte jemand die Hände im Spiel? Und wer will ihn jetzt in einen Mordfall hineinziehen?

Thriller, SchwedenPolizist Leo Junker erwacht mitten in der Nacht. Vor dem Fenster blinkt ein zuckendes blaues Licht. Ein Licht, das er kennt. Irgendetwas ist passiert. Vor dem Haus ein Krankenwagen und zwei Polizeiautos. Das übliche Absperrband, das er selbst so oft gespannt hat um einen Tatort zu sichern. Junker zieht sich an. Instinktiv ahnt er, dass das nächtliche Treiben auch etwas mit ihm zu tun hat.

John schießt auf Vögel, einfach so

Salem in der Nähe von Stockholm. Der junge Leo ist auf dem Weg zum Wasserturm, einem beliebten Treffpunkt für die Jugendlichen der Siedlung. Plötzlich knallt es hoch über ihm. Etwas plumpst nicht weit von ihm zu Boden. Ein Vogel. Die weißen Federn blutverschmiert, das eine Auge nur noch ein blutiges Loch. John macht es Spaß, auf Vögel zu schießen. Warum? Weil er es kann. Einfach so.

Es dauert, bis Leo Junker beide Vorfälle in Verbindung bringt. Und es kostet ihn fast das Leben.

Ein spezielles Buch, das sich lohnt

Der Turm der toten Seelen ist ein sehr spezielles Buch. Anfangs verwirrend, bis der Zusammenhang zwischen den Charakteren auflöst wird. Ein Buch, das nie wirklich laut ist und das mich vielleicht genau deshalb gefesselt hat. Und das obwohl ich im ersten Drittel kurz davor war, es zur Seite zu legen. Die Sprünge der Story haben mich genervt.

Ich kann allen Lesern, denen es ebenso geht, nur empfehlen, nicht aus zu steigen. Es lohnt sich. Christoffer Carlsson hat keinen Einheitsthriller geschrieben, sondern ein Buch, auf das man sich einlassen muss. Sicher nicht jedermanns Geschmack, aber Bücher, die jedermanns Geschmack sind, sind auch nicht immer mein Geschmack.

Von mir eine Kaufempfehlung, für alle, die Lust auf besondere Bücher haben.

Christoffer Carlsson

Christoffer Carlsson, geboren 1986, ist der jüngste Star am schwedischen Krimihimmel. Mit 28 Jahren hat er nicht nur bereits vier hoch gelobte, international erfolgreiche Thriller geschrieben, sondern nebenher auch noch sein Kriminologie-Studium mit Promotion abgeschlossen. „Der Turm der toten Seelen“, der erste Band einer neuen Serie mit dem Polizisten Leo Junker, wurde 2013 mit dem Schwedischen Krimipreis ausgezeichnet. Mit dieser Serie wird Christoffer Carlsson erstmals in Deutschland vorgestellt.

Buchinfo: Der Turm der toten Seelen von Christoffer Carlsson, erschienen bei C.Bertelsmann, März 2015, 352 Seiten, Klappenbroschur, € 14,99, ISBN: 978-3-570-10232-9

Stefan Ahnhem: Und morgen Du

Grausam zugerichtet und mit abgesägten Händen wird ein Lehrer tot im Werkraum aufgefunden. Wenig später taucht das nächste Opfer mit zerquetschten Füßen und von Ratten grauenhaft verstümmelt in einem Baustoffhandel auf. Beide waren in der gleichen Klasse und haben gemeinsam über Jahre hinweg einen Mitschüler aufs Übelste misshandelt. Opfer eins mit seinen Fäusten, Opfer zwei durch gezielte Fußtritte.

Krimi, Schweden, Mobbing, Schule, Mord
(Cover: ullsteinbuchverlage.de)

Gerade ist Kommissar Fabian Risk mit seiner Familie in sein idyllisches Heimatstädtchen Helsingborg in Südschweden zurückgekehrt. Es soll ein Neustart für die Liebe werden, die in der Stockholmer Zeit schwer gelitten hat. Doch noch ehe der Umzugswagen ausgeladen ist, holt die gnadenlose Realität seines Berufes Fabian Risk erneut ein. Bei den Mordopfern wird ein Klassenfoto gefunden. Ein Klassenfoto, auf dem auch Fabian Risk in die Kamera lächelt.

Von der Story „eingesaugt“

Und ebenso wie Risk aus dem Urlaub gerissen wird, wird man selbst in die Story “gesaugt”. Schnell ahnt man als Leserin, dass womöglich mehr als nur zwei Namen auf der Liste des Mörders stehen. Des Mörders, der scheinbar das Mobbingopfer aus Schultagen zu sein scheint und der nun grausam Rache übt. An denen, die ihn gequält haben und an denen, die nichts dagegen unternommen haben.

Mir ist es schwer gefallen, das Buch wieder aus der Hand zu legen und ich denke, daran hat die Erinnerung an die eigene Schulzeit ihren Anteil. Auch wenn ich mich nicht an große körperliche Gewalt erinnern kann, Ausgrenzungen und verbale Entgleisungen gehenüber Schülerinnen und Schülern, die nicht “Mainstream” waren, gab es auch in meiner Schulzeit.

Hinzu kamen die zahlreichen Richtungswechsel, die die Story nahm. Ist es Zufall, dass die Mordserie genau dann startet, als Kommissar Risk wieder nach Helsingborg zurückkehrt? Hat er womöglich selbst etwas damit zu tun? Kann die Mordserie rechtzeitig gestoppt werden oder endet sie, ehe alle Mitschüler tot sind?

Von mir bekommt “Und morgen Du” eine klare Leseempfehlung

Ich konnte mich sehr schnell mit der Story identifizieren, der spannende und völlig unvorhersehbare Wandel darin hat mich mit den Ermittlungskräften mitfiebern lassen. Und er hat mich nachdenklich werden lassen. Nachdenklich über den Umgang miteinander und die Konsequenzen, die Misshandlung aber auch Missachtung haben.

Stefan Ahnhem

Stefan Ahnhem, geboren 1966, ist ein bekannter schwedischer Drehbuchautor, unter anderem für die Filme der Wallander-Reihe. Er lebt mit seiner Familie in Stockholm. Und morgen du ist sein erster Roman und der erste Teil einer Krimiserie um den Kommissar Fabian Risk.

Buchinfo: „Und morgen Du“ von Stefan Ahnhem, erschienen bei List, September 2014, 550 Seiten, Hardcover, Klappenbroschur, ISBN 978-3-471-35105-5, € 16,99. Danke für die Bereitstellung des Leseexemplares.