Linda Graze: Schwarzwälder Morde

Bad Wildbad im Schwarzwald. Die Beschaulichkeit wird jäh getrübt, als ein feiger Anschlag auf einen Makler die Polizei auf den Plan ruft. Als auch noch eine Moorleiche gefunden wird, kommen die Kommissare Scholz und Schmälzle vom örtlichen Polizeiposten gehörig ins Schwitzen.

Nicht viel los im Polizeiposten von Bad Wildbad. Dazu noch die brütende Sommerhitze. Die Kommissare Scholz und Schmälzle drehen Däumchen, bauen Papierflieger, trinken Kaffee. Mit und ohne Reismilch. Bis eine fitte Seniorin, Mitglied einer touristischen Wandergruppe, aufgeregt die angestaubten Büroräume stürmt. Sie meldet einen Leichenfund. Oben am Waldrand, im Moor. Während die Polizisten noch zweifeln, ist sie auch schon wieder raus. Die Wandergruppe wartet.

Während die Kommissare noch diskutieren, wer jetzt eigentlich für die Moorleiche zuständig ist, fliegt die Tür des Postens schon wieder mit Schwung gegen den Anschlag. Ein aufgebrachter Städter, also einer in Schlips und Anzug, steht im Vorzimmer. Hochroter Kopf. Nicht nur von der Sonne. Die Reifen seines SUVs wurden zerstochen. Ein Anschlag, ganz eindeutig. Und er hat auch schon einen Täter parat. Der ortsansässige Schnapsbrenner war es. Weil er verhindern möchte, dass er seinen nagelneuen, exklusiven, gläsernen “Designer-Showroom” abreißen muss, den er über die Grenze des Nachbargrundstücks gebaut hat.

Postenleiter Scholz beschließt: Jetzt müssen Prioritäten gesetzt werden. Die Moorleiche muss warten. Die Lebenden haben Vorrang. Noch ahnen die Ermittelnden nicht, dass sich das eine nicht vom anderen trennen lässt.

Witzigkeit kennt keine Grenzen

Ich mag Krimis mit Lokalkolorit, vor allem, wenn sie in meinem näheren oder weiteren regionalen Umfeld spielen. Insofern müsste Schwarzwälder Morde genau auf meiner Linie liegen. Wäre das nicht das Problem, das ich regelmäßig mit Krimis mit Lokalkolorit habe: Zu oft wird der schmale Grat zwischen fein und gezielt eingestreutem Wortwitz und Klamauk überschritten, worunter Spannung und Tempo erheblich leiden.

Schwarzwälder Morde von Linda Graze war mir persönlich zu klamaukig. Etwas zu gewollt komisch und etwas zu bemüht “divers”. Auf den ein oder anderen Gag hätte ich problemlos verzichten können. Es hätte der einigermaßen komplexen Story keinen Abbruch getan. Aber das ist mein ganz persönlicher Geschmack. Wen das Plus an Witzigkeit nicht stört, den erwartet eine interessant konstruierte Geschichte mit überraschenden Wendungen. Lest einfach selbst.

Linda Graze

Linda Graze verbrachte ihre Kindheit im Nordschwarzwald. Nach einer Ausbildung zur Dolmetscherin beschloss sie: Nicht die Texte anderer übersetzen, lieber selber schreiben! Sie wurde Werbetexterin und arbeitete für die großen Agenturen des Landes, von München über Hamburg bis Frankfurt. Sie schrieb Kampagnen für Kameras und Kosmetik, textete für Sahnebonbons, Schokoriegel und Schrauben. Inzwischen betreibt sie eine Recruiting-Agentur für die Werbebranche in Stuttgart.

Buchinfo: Schwarzwälder Morde von Linda Graze, erschienen bei Rowohlt Taschenbuch, 21. April 2021, 384 Seiten, € 10, ISBN: 978-3-499-00208-3. Danke für das Leseexemplar.

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