Karen Sander: Wenn ich tot bin

Als Susan McFarlands 9-jährigen Tochter Madelin spurlos verschwindet, bricht für sie eine Welt zusammen. Zehn Jahre später hat sie sich wieder so etwas wie Normalität erarbeitet. Plötzlich steht Madelin vor der Tür. Das Drama geht in die nächste Runde.

Susan McFarland ist verheiratet. Harper, ihre Tochter, ist acht Jahre alt. Wer sie nicht kennt, ahnt nicht, welche schwere Bürde die besonnene Frau mit sich herumträgt. Zehn Jahre ist es her, dass Sie Madelin, ihre erste Tochter, verloren hat. Von einem Tag auf den anderen war sie plötzlich weg. Trotz intensivster Suche wurde nie eine Spur von ihr gefunden. Eine Situation, mit der Eltern vermutlich nie ihren Frieden schließen können. Auch dann nicht, wenn eigentlich keine Chance mehr bestehen kann, dass das Kind noch lebt.

Zehn Jahre später steht Madelin plötzlich wieder vor Susan. Eine junge Frau hat sie orientierungslos auf der Straße gefunden und sie zu der Adresse gebracht, die sie vor sich hin gemurmelt hat. Wieder zieht es Susan den Boden unter den Füßen weg. Ist die junge Frau wirklich ihre kleine Madelin? Kann sie sie in die Arme schließen, ohne ein böses Erwachen? Susan schaltet die Polizei ein.

Wie oft kann eine Mutter innerlich sterben?

Doch bevor abschließend geklärt werden kann, ob es sich wirklich um die verschollene Madelin handelt, ist das Mädchen erneut spurlos verschwunden. Und als wäre das nicht schon genug, liegt Susans Mann schwer verletzt in der Küche. Was ist passiert? Hat Madelin auf ihn eingestochen? Hat er womöglich etwas mit ihrer Entführung zu tun?

Harper, die Einzige, die die Antwort darauf kennen könnte, ist zutiefst verstört und spricht kein Wort mehr. Detective Sergeant Kate Fincher setzt alles daran, Madelin zu finden und den Fall aufzuklären.

Überraschender Showdown

Wenn ich tot bin von Karen Sanders hat mich in seinen Bann gezogen und ziemlich schnell verwirrt. Es dauert, bis der Grund für das Verwirrspiel klar wird, aber die Lektüre ist bis dahin nie langweilig. Im Gegenteil. Ich habe munter spekuliert, mich auf clever ausgelegte Fährten locken lassen und beim Showdown den Atem angehalten.

Ich lege euch Wenn ich tot bin von Karen Sanders definitiv ans Herz. Ein spannender Thriller mit überraschender Wendung.

|| Ich würde mich übrigens freuen, wenn ihr euch – bei Interesse – dieses Buch im regionalen Buchhandel bei euch vor Ort bestellt. Damit steigen die Chancen, dass wir Buchfans auch in Zukunft noch gelegentlich dort bummeln und stöbern können.||

Karen Sander

Karen Sander arbeitete viele Jahre als Übersetzerin und unterrichtete an der Universität, bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete. Sie lebt mit ihrem Mann im Rheinland und hat über die britische Thriller-Autorin Val McDermid promoviert. Unter ihrem wahren Namen Sabine Klewe hat sie bereits zahlreiche Krimis und Thriller geschrieben, bei rororo erscheint außerdem ihre Reihe um Kommissar Georg Stadler und die Psychologin Liz Montario.

Buchinfo: Wenn ich tot bin von Karen Sander, erschienen bei rororo, 18.06.2019, 288 Seiten, € 10,00, ISBN: 978-3-499-29159-3. Vielen Dank für das Leseexemplar.

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Sophie Kendrick: Mein Tod in deinen Augen

Seit einem Überfall ist Kunsttherapeutin Jennifer erblindet. Körperliche Ursachen gibt es dafür nicht, der Schock reichte aus. Trotzdem lässt sie sich auf eine Reise an die Ostsee ein, um einem bekannten Kinderpsychologen bei seinem Fall zu helfen. Für Jennifer wird es eine dramatische Reise in ihre Vergangenheit.

Jennifer ist auf dem Weg an die Ostsee. Wer sie im Zug sieht, Kopfhörer in den Ohren, das Smartphone in der Hand, glaubt nicht, dass sie stark eingeschränkt ist. Denn nach dem Überfall durch einen Stalker hat Jennifer ihr Sehvermögen verloren. Nur langsam kämpft sie sich wieder zurück ins Leben. Deshalb hat sie auch die Einladung des Kinderpsychologen Gideon an die Ostsee angenommen. Vielleicht kann sie ihm ja trotz ihrer Erblindung bei einem besonders brisanten Fall helfen.

Jennifer auf der Fahrt ins Glück?

Und tatsächlich scheint diese Reise für Jennifer eine Fahrt ins Glück zu werden, denn im Zug trifft sie auf den charmanten Computerspezialisten Marc, zu dem sie sich sofort hingezogen fühlt. Da Marc ebenfalls nach Rügen unterwegs ist, beschließen Sie, in Kontakt zu bleiben.

Bei Gideon angekommen, entwickelt sich die Situation völlig anders, als erwartet. Tatsächlich handelt es sich bei dem Fall, zu dem der Kinderpsychologe sie hinzugezogen hat, um ein offensichtlich schwer traumatisiertes Kind. Der Haken daran: Gideon weiß nicht, um wen es sich handelt. Ihre gemeinsamen Recherchen bringen Jennifer in Lebensgefahr. Und näher an ihre eigene Vergangenheit, als sie sich je hätte vorstellen können.

Mein Tod in deinen Augen von Sophie Kendrick hielt mich gefangen. Dabei war es keine Liebe auf den ersten Blick. Anfangs war ich etwas genervt von dieser perfekt funktionierenden blinden Frau, doch das hat sich bald erledigt und am liebsten hätte ich das Buch nicht mehr aus der Hand gelegt.

Bis zur letzten Seite spannend

Ich war mir relativ früh sicher, wer der Bösewicht in Kendricks Story ist. Allerdings konnte ich mir die Zusammenhänge überhaupt nicht erklären und kam deshalb regelmäßig wieder ins Grübeln. Genau das hat die Spannung bei mir hoch gehalten. Und ganz ehrlich, auf die “Auflösung” wäre ich nie gekommen. Die war absolut nicht vorhersehbar. Aber lest am besten selbst!

|| Ich würde mich übrigens freuen, wenn ihr euch – bei Interesse – dieses Buch im regionalen Buchhandel bei euch vor Ort bestellt. Damit steigen die Chancen, dass wir Buchfans auch in Zukunft noch gelegentlich dort bummeln und stöbern können.||

Sophie Kendrick

Sophie Kendrick lebte in verschiedenen europäischen Ländern, unter anderem in Großbritannien, wo sie englische Literatur studierte und über die Schwestern Brontë forschte. Sie arbeitete in einer Agentur für Buchprojekte und als Ghostwriterin, bevor sie ihren ersten eigenen Roman schrieb.

Buchinfo: Mein Tod in deinen Augen von Sophie Kendrick, erschienen bei rororo, 19.02.2019, 336 Seiten, ISBN: 978-3-499-29160-9, € 10,00. Vielen Dank für das Leseexemplar.

Superheldin 21 – Mein Leben mit Down-Syndrom.

Verena Turin möchte mit Vorurteilen aufräumen. Selbstbewusst erzählt sie uns von ihrem Leben mit Down-Syndrom, denn sie fühlt sich ganz normal. Anders ist sie nur für die Anderen. Verena träumt davon, Superheldin zu sein. Oder Sängerin. Oder Schauspielerin. Träume, die wir alle schon mal geträumt haben.

978-3-499-63269-3 (1)Als der Rowohlt-Newsletter mit der Ankündigung von Superheldin 21 – Mein Leben mit Down-Sydrom kam, war für mich sofort klar: Dieses Buch muss ich haben!

Die Gründe dafür sind vielfältig:

  • Bücher über Down-Syndrom gibt es viele, mir war aber bislang bewusst noch keines untergekommen, dass von einem Menschen mit Down-Syndrom geschrieben wurde. Wobei ich nicht abstreiten will, dass es die gibt.
  • Down-Syndrom und Journalistin, wie geht das zusammen?
  • Den Ohrenkuss, ein Magazin für Menschen mit Down-Syndrom, kannte ich nicht, er hat mich neugierig gemacht.
  • Und schließlich gibt es da noch die Tochter von Freunden. Auch sie wurde mit einem zusätzlichen Chromosom geboren und mit sehr starken Auswirkungen auf ihre Selbstständigkeit.

Ich war also neugierig und nach der Einleitung kurz etwas enttäuscht: Verena Turin hat auf Fragen geantwortet, die man ihr gestellt hat! Aber die Enttäuschung hielt nur sehr kurz an, denn erklärt ausführlich, wie die Zusammenarbeit abgelaufen war. Superheldin 21 ist ganz eindeutig IHR Buch.

Schicht und einfach gut

Gewöhnungsbedürftig war anfangs auch der Schreibstil. Als Vielleserin und Medienschaffende musste ich mich an den schlichten Stil gewöhnen. Doch wieder wurde ich nach wenigen Seiten überrascht. Schnell fand ich es sehr entspannend, Superheldin 21 zu lesen. Alles war echt. Keine aufwändige Story mit Tausend mehr oder weniger gelungenen Schlenkern. Kein Egoshooting sondern ein tiefer offener Einblick in Verenas Herz.

Dieser Einblick hat mich tief beeindruckt. Verena Turin nimmt uns mit in ihren Alltag. Erzählt von ihrer Arbeit im Seniorenheim, von den schönen und den weniger schönen Momenten dabei. Von ihrer Freude an Musik, ihre Liebe zu ihrer Familie. Sie nimmt uns mit auf Ausflüge und erzählt von ihrem Freund. Offen, ehrlich und immer freundlich. Selbst dann, wenn sie klare Grenzen setzt, weil ihr ein Thema zu persönlich wird.

LIebe Verena Turin,

Ihr Buch hat mich sehr berührt. Es ist schön, Menschen zu begegnen, die anderen Menschen nichts Böses wollen. Die mit offenem Herz und reiner Seele auf ihre Mitmenschen zugehen, ihnen positiv begegnen, egal wer sie sind und was sie tun. An dieser Unvoreingenommenheit kann ich mir ein Beispiel nehmen.

Und ich kann von Ihnen lernen, weniger streng mit mir selbst und meinen persönlichen Schwächen zu sein, denn sie haben Recht. Wenn man mit einer Sache nicht so gut klar kommt, bei Ihnen sind es die Zahlen, gibt es viele andere, auf die man stolz sein kann. Ich wünsche mir mehr Menschen, die so unvoreingenommen auf andere zugehen, wie Sie das tun.

Danke für dieses Buch! Sie haben mir damit eine große Freude gemacht.

Wer sich jetzt noch fragt, ob das Buch von mir eine Leseempfehlung bekommt, sollte vielleicht einfach nochmal von vorne anfangen zu lesen. 😉

Verena Elisabeth Turin

Verena Elisabeth Turin, geboren 1979 in Tirol, arbeitet in einem Pflegeheim und als Journalistin für den Ohrenkuss, Magazin von Menschen mit Down Syndrom. Turin ist fasziniert von Mischpulten, macht auch selbst Musik in einer Band, liebt Wasser, Schwimmen, Himbeersaft und Filme von Walt Disney. Negative Gedanken und Diskriminierung hingegen kann sie nicht ausstehen. Verena Turin hat zwei Nichten und wohnt bei ihren Eltern.

Daniela Chmelik

Daniela Chmelik, geboren 1980 in Hamburg, studierte Literaturwissenschaften und leitet derzeit bei barner 16 (inklusives Netzwerk von Künstlern mit und ohne Handicaps) das Labor für Literarische Experimente. Seit 2008 arbeitet sie als Schreibassistentin und Koordinatorin der Hamburger Redaktion für den Ohrenkuss.

Buchinfo: Superheldin 21 – Mein Leben mit Down-Syndrom von Verena Turin, Daniela Chmelik, erschienen bei rororo, 21.07.2017, 160 Seiten, € 9,99, ISBN 978-3-499-63269-3

Petra Hammesfahr: Hörig

Für Patrizia war es die erste große Liebe. Daran konnten auch die Gerichtsverhandlung und die Medien nichts ändern, die Heiko Schramm zum Monster hoch stilisiert haben. Als er zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt wird, bricht für die 17-Jährige eine Welt zusammen. Sieben Jahre später steht Heiko erneut vor Patrizia und sie kann nicht anders, als ihm zu folgen.

(Cover: rororo)
(Cover: rororo)

Sie treffen sich in der Disco. Patrizia wird Zeugin eines Gespräches, das der Dealer Heiko Schramm mit einem seiner Kunden führt. Für sie kein Grund, sich seiner Annäherung zu entziehen. Wie verzaubert ist sie von der Aufmerksamkeit, die ihr der deutlich ältere Mann zukommen lässt, ohne sie je wirklich zu berühren.

In kürzester Zeit ist Patrizia abhängig von Schramm abhängig. Gegen den Willen ihres Vaters, der alles versucht, sie von Schramm fern zu halten, findet sie immer wieder Wege, sich heimlich mit Heiko zu treffen. Nächtelang steht der junge Mann an ihrer Straßenecke und schaut zu ihrem Fenster hoch. Längst hat der Vater verboten, den Rolladen hoch zu ziehen und sich am Fenster zu zeigen.

Abhängig von einem Psychopathen

Doch das braucht sie gar nicht. Sie ist Schramm längst mit Haut und Haaren verfallen und schnell überzeugt, als er ihr eine gemeinsame Flucht vorschlägt. Bereitwillig händigt sie ihm den Schlüssel zur Villa ihre Arbeitgebers, eines wohlhabenden Juweliers aus, der seine Werkstatt im Haus hat. Der Überfall läuft aus dem Ruder. Heiko Schramm schlägt den alten Herrn brutal zusammen und wird zu sieben Jahren Haft verurteilt.

Patrizia bricht zusammen. Zwei Jahre dauert es, bis Ed, ihr Therapeut, sie wieder so weit aufgebaut hat, dass sie mit Schramm abschließen kann. Eine Zeit, die zwischen Therapeut und Patientin eines tiefes Vertrauen entstehen lässt, das sich nach und nach in Liebe wandelt. Patrizia und Ed heiraten.

Sieben Jahre später

Sieben Jahre später. Ed ist am Vormittag wie üblich in seiner Praxis, als es an der Tür klingelt. Patrizia öffnet. Vor ihr steht Heiko, der Mann, der fast ihr Leben ruiniert hat. Er beteuert, dass er sie unverändert liebt und mit ihr eine neue Zukunft beginnen will. Und Patrizia geht mit ihm.

Hat sie wirklich nichts gelernt? Glaubt sie immer noch, Heiko Schramm sei an ihr interessiert und nicht nur an der Beute, die nie aufgetaucht ist. Während Ed alles tut, um seine Frau zu finden, erkennt Patrizia die entsetzliche Wahrheit.

Spannung pur!

Petra Hammesfahr ist immer für einen spannenden Thriller gut. Hörig ist faszinierend, weil die extremen Gefühlswelten so eindrücklich geschildert werden. Sehr gut: Über eine sehr weite Strecke lässt sie ihre Leser im Ungewissen, wie es genau in Patrizias Innenleben aussieht. Sehr gut geschrieben und eine überraschend komplexe Story.

Leseempfehlung!

Petra Hammesfahr

Petra Hammesfahr schrieb mit 17 ihren ersten Roman. Mit ihrem Buch „Der stille Herr Genardy“ kam der große Erfolg. Seitdem schreibt sie einen Bestseller nach dem anderen, u.a. „Die Sünderin“, „Die Mutter“ und „Erinnerungen an einen Mörder“. Die Autorin lebt in der Nähe von Köln.

Buchinfo: Hörig von Petra Hammesfahr, erschienen bei rororo, Oktober 2013, 320 Seiten, € 9.99, ISBN 978-3-499-26683-6

Ghostwriter: Kein Bier vor vier und keine Leiche ohne Eis

Alle wollen sie nur das eine von ihm: Geld! Erst die Exfrau und die Kinder, dann der Vermieter und jetzt auch noch der Wirt seiner Stammkneipe. Doch woher nehmen? Schließlich ist Volkmar Vogt, oder Volvo, wie ihn seine Freunde nennen, als Autor bislang kläglich gescheitert. Da kommt seinem Agenten eine grandiose Idee.

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Cover: rororo.de

Irgendwie ist Volkmar Vogt, genannt Volvo, ein Versager auf der ganzen Linie. Genau genommen ist er ja Autor. Aber das weiß keiner so richtig zu schätzen. Nach der Trennung nimmt seine Exfrau ihn aus wie eine Weihnachtsgans. Jetzt soll er sogar noch den Therapeuten bezahlen, den sie aufsuchen muss, weil er, Volvo, sie so mies behandelt habe. Was soll er selbst denn da sagen? Er selbst bezahlt schließlich einen in die Jahre gekommenen Exrocker, damit er ihn jederzeit vollquatschen kann. Ok, als Kneipenwirt macht der das nur semiprofessionell und auch nicht exklusiv. Eher so für das halbe Viertel. Aber immerhin.

Kurt Kalinski ist tot, es lebe Kurt Kalinski!

Im Gegensatz zu Volvo gehört Kurt Kalinski zu den ganz Großen. Er ist ein Starautor, bei dem jedes Buch im Vorfeld schon zum Bestseller deklariert wird. Deklariert wurde. Denn Kurt Kalinski ist tot. Gestorben kurz bevor er seinen überall bereits angepriesenen, neuen Roman beenden konnte. Aber das weiß nur Möller, sein Literaturagent. Der hat ihn nämlich ganz zufällig gefunden. Tot in seinem Sessel saß er. Noch weiß die Öffentlichkeit nichts davon und deshalb hat Möller auch eine hervorragende Idee: Niemand erfährt von Kalinskis Ableben und Volvo schreibt den Roman ganz einfach fertig.

Ghostwriter für einen anderen Autor? Dafür ist sich ein Volkmar Vogt dann doch zu schade. Zumindest so lange, bis der Kneipenwirt sich auch noch weigert, ihm seine Deckel zu stunden. Aus Volvo wird Kurt Kalinski.

Herrlich wirr und liebenswert

“Ghostwriter” ist ein herrliches Verwirrspiel, das zeigt: Man sollte sich nie zu sicher sein, dass der Tote wirklich der Tote ist. Vor allem dann nicht, wenn man ihn in einer Kühltruhe lagert, die auch das Eis für eine coole Fete beherrbergen soll. Und wenn der Tote noch dazu einen dickschädeligen Hund hatte, der ihn überlebt hat, kann man schon mal an Verschwörung glauben. Gut, dass der Weinkeller so üppig gefüllt ist. Nüchtern wäre das mörderische Chaos nicht zu ertragen.

Ein liebenswertes Chaos, hervorragend geeignet für einen Herbsttag auf der Couch. Von mir eine Leseempfehlung.

Jesko Wilke

Jesko Wilke, 1959 in Hamburg geboren, studierte Philosophie, Kunsttherapie und Kunstpädagogik. Danach war er einige Jahre in sozialen Einrichtungen tätig. Anschließend arbeitete er für die Verlagsgruppe Milchstraße. Seit 2002 ist er Sachbuchautor und freier Journalist und schreibt für verschiedene Magazine. Jesko Wilke hat zwei erwachsene Kinder, er lebt mit Frau und Hund südlich von Hamburg.

Buchinfo: Ghostwriter von Jesko Wilke, erschienen bei rororo, Oktober 2012, 288 Seiten, € 8,99, ISBN 978-3-499-25849-7

Mehr skurrile Spannung:

Daniel Suarez: Kill Decision – Sie leben nicht, aber sie töten

Thriller, Drohnen, Schwarmintelligez, unbemannt
(Cover: rowohlt.de)

Ich möchte diese Rezension mal anders anfangen. Denn ich bin begeistert! Und das kann nicht warten bis zum Schluss. Nachdem mich Darknet fasziniert hat, Daemon hingegen eher nicht, habe ich Kill Decision mit gemischten Gefühlen begonnen.

Doch wie bei Darknet hat mich die Vorstellbarkeit der Story und die solide Recherche dahinter sofort in ihren Bann gezogen. Man merkt, dass Suarez Ahnung von den Themen hat, über die er schreibt. Es geht eben einfach nichts über Krimis intelligenter und eloquenter Menschen. Auch wenn diese einem dann verdammt nahe kommen.

Kaufen! Lesen! Darüber nachdenken!

Denn bei diesem Thriller ist es keine Frage, OB so etwas je passieren kann, sondern WANN es passieren wird.

Ein Muss für Drohnenfans.

So und nun zum Inhalt

Die Biologin Linda McKinney ist fasziniert von der Schwarmintelligenz der Weberameise.  Diese gilt als besonders aggressiv und macht auch vor deutlich größeren Lebewesen wie zum Beispiel Menschen nicht halt. Durch Duftstoffe machen die Tiere auf Angreifer aufmerksam. Jede neu hinzu kommende Ameise verstärkt den Duft und stachelt damit den Angriffswillen des gesamten Volkes weiter an.

Nach jahrelanger Forschung über diese – für sie – faszinierenden Tiere glaubt McKinney, den Mechanismus ihrer Schwarmintelligenz durchschaut zu haben. Mit einer von ihr entwickelten Software lässt sich dieser simulieren und weiter erforschen.

Als Angriffe unbemannter Drohnen unzählige Menschen scheinbar wahllos töten, gerät McKinneys Algorithmus in den Fokus des Militärs. Eine Geheimkommando entführt sie aus dem afrikanischen Dschungel, um mit ihrer Hilfe das Töten zu beenden. Und McKinney findet tatsächlich einen Weg. Aber kommt dieser noch rechtzeitig?

Daniel Suarez

Bevor Daniel Suarez seinen ersten Roman begann, machte er als Systemberater Karriere und entwickelte Software für zahlreiche große Firmen der Militär-, Finanz- und die Unterhaltungsindustrie. “Daemon” veröffentlichte er 2006 unter Pseudonym im Eigenverlag. Nachdem der Roman die Internet- und Gaming-Community im Sturm erobert hatte, wurde ein großer Verlag auf das Buch aufmerksam. In der neuen Ausgabe avancierte “Daemon”, genau wie der Nachfolgeband “Darknet” zum Bestseller; eine Verfilmung ist in Vorbereitung. Daniel Suarez lebt und arbeitet in Kalifornien.
Buchinfo: Kill Decision von Daniel Suarez, erschienen bei rororo, April 2013, 496 Seiten, € 12,99, ISBN 978-3-499-25918-0

Mehr spannende Unterhaltung:

Petra Schier: Das Haus in der Löwengasse

Pauline Schmitz ist Waise. Nach dem Tod ihres Onkels muss sie sich schon früh um ihr eigenes Auskommen bemühen. Als Gouvernante bei einer reichen Familie in Bonn wähnt sie sich sicher. Doch der Eindruck täuscht. Der Hausherr stellt der jungen Frau nach. Als sie sich zur Wehr setzt, steht sie mit ihrem Koffer auf der Straße. Alleine, mittellos und ohne Kontakte in der fremden Stadt droht Pauline die Gosse. 

In Textilfabrikant Julius Reuther scheint die erhoffte Rettung zu nahen. Mit dem Tod seiner Gattin haben die beiden Kinder ihren Halt verloren. Paulines weibliche Hand soll die Situation im Haus Reuther wieder in ruhigere Gewässer steuern. Endlich scheint ihr das Glück hold zu sein, bis Julius Reuther ihr seine Liebe zu ihr gesteht.

Petra Schier steht für gute Leseunterhaltung
Petra Schier steht für gute Leseunterhaltung (Bildquelle: rowohlt.de)

Ist dieser Liebe eine Chance vergönnt? Schließlich ist der finanziell angeschlagene Fabrikant dringend auf die Mitgift einer reichen Tochter aus gutem Hause angewiesen, will er sein Unternehmenen retten. Wagen Pauline und Julius ihren Herzen zu folgen?

Petra Schier – anders als gewohnt aber gut wie immer

Petra Schier steht eigentlich immer für gute Unterhaltung. Ihre Reihe um die Kölner Apothertochter Adeline wird den Fans historischer Romane ebenso ein Begriff sein, wie die Reliquienhändlerin Marysa. Mit ihrem neuen Roman „Das Haus in der Löwengasse begibt sich Petra Schier auf neues Terrain: ein großes Frauenschicksal im 19. Jahrhundert.

Mit dem was sie schreibt, trifft Petra Schier meinen Geschmack. Besonders Adeline, die eigensinnige Apothekertochter, hat es mir angetan. Auch wenn die Storys immer nach ähnlichem Muster gestrickt sind. „Das Haus in der Löwengasse“ durchbricht dieses Muster nur bedingt. Wieder steht eine beherzte junge Frau im Mittelpunkt, die eine Rolle lebt, die ihre Zeit so nicht für sie vorgesehen hat. Und diese Rolle meistert Pauline mit Bravour.

Kurzweilige Unterhaltung nicht nur für Petra Schier Fans.

Über die Autorin

Petra Schier, Jahrgang 1978, lebt mit ihrem Mann und einem Schäferhund in einer kleinen Gemeinde in der Eifel. Sie studierte Geschichte und Literatur und arbeitet mittlerweile als freie Lektorin und Autorin. Schon in ihren ersten beiden Romanen «Tod im Beginenhaus» und «Mord im Dirnenhaus» löste die Apothekerin Adelina mit Scharfsinn und Dickköpfigkeit Kriminalfälle im mittelalterlichen Köln.

Buchinfo: „Das Haus in der Löwengasse“, erschienen bei rororo, September 2012, 350 Seiten, € 8,99, ISBN 978-3-49925901-2