Felicitas Gruber: Gschlamperte Verhältnisse

Hochsommer in München. In der Isar schwimmt eine männliche Leiche. Kurz darauf verschwinden drei Frauen spurlos. Während der Polizeiapparat heiß läuft, behält Dr. Sofie Rosenhuth, besser bekannt unter dem Namen “Die kalte Sofie” einen kühlen Kopf und ermittelt.

Gschlamperte Verhaeltnisse von Felicitas GruberFestlich soll es sein am Isarstrand. Schließlich wird die kleine Tochter von Sofies Freunden dort frei getauft. Doch just als die Feierlichkeiten beginnen sollen, treibt auf der Isar eine männliche Leiche und damit Arbeit für Sofie daher. Denn in erster Linie ist Dr. Sofie Rosenhuth Rechtsmedizinerin. Da muss man eben Prioritäten setzen. Gerade an heißen Sommertagen.

Als wäre das nicht genug, tauchen plötzlich auch noch kunstvoll verzierte Schädel unter filigranen Glasstürzen auf. Die Polizei tippt auf Reliquien aus einem Kirchendiebstahl Doch genauere Analysen ergeben, dass die drei Schädel neu sind. Sehr neu. Bleibt die Frage nach den zugehörigen Torsi. Und ob weitere “Reliquien” folgen werden.

Wo ist Dr. Iglu?

Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren, als plötzlich Sofies Chefin, Dr. Elke Falk, wegen ihrer empathischen Art auch Dr. Iglu genannt, spurlos verschwindet. Die letzten Hinweise führen zur Dating-Plattform “Mein Hund & Du”. Hängt ihr Verschwinden womöglich mit den grausigen Funden zusammen?

Meist greife ich mit gemischten Gefühlen nach den in Mode gekommenen Regionalkrimis mit humoristischem Einschlag. Einerseits freue ich mich auf leichte und entspannte Unterhaltung ohne wahnsinnig große Überraschungen, dafür mich einer guten Portion Lokalkolorit. Andererseits hoffe ich, dass der Autor oder die Autorin den schmalen Grad zwischen regional-gesellig und plump klischeehaft nicht überschritten hat.

Ganz schön hot, die kalte Sofie!

Felicitas Gruber, also Brigitte Riebe und Gesine Hirsch ist das mit ihrer Hauptperson Dr. Sofie Rosenhuth gelungen. Bei aller bajuwarischen Herbheit bleibt “Die kalte Sofie” herzerwärmend frisch und immer leicht chaotisch. Auch ihr Verhältnis zu Männern macht da keine Ausnahme.

Gschlamperte Verhältnisse ist schönes Sonntagsnachmittagslesefutter. Das Buch passt genauso gut zum herrlichen Altweitersommer 2018 wie zu tristen Herbst- oder Wintertagen mit Kakao und Decke auf der Couch.

Viel Spaß beim Lesen!

Felicitas Gruber

Felicitas Gruber ist das Pseudonym der Autorinnen Brigitte Riebe und Gesine Hirsch. Brigitte Riebe ist promovierte Historikerin und begeistert seit vielen Jahren mit ihren historischen Romanen ihre zahlreichen Leserinnen und Leser. Gesine Hirsch ist Kunsthistorikerin und entwickelte die erfolgreiche Serie »Dahoam is Dahoam« für das Bayerische Fernsehen mit. Beide Autorinnen leben in München, wo auch ihre Krimireihe mit der sympathischen Rechtsmedizinerin Dr. Sofie Rosenhuth spielt.

Buchinfo: Gschlamperte Verhältnisse von Felicitas Gruber, erschienen bei DIANA, 10.09.2018, 304 Seiten, € 9,99, ISBN: 978-3-453-35957-4. Vielen Dank für das Lesesexemplar.

Advertisements

Vincent Klink: Angerichtet, herzhaft und scharf!

Vincent Klink ist ein Multitalent. Dass er mit viel Hingabe kocht, ist den meisten bekannt. In seinem neuen Buch Angerichtet, herzhaft und scharf! – Aus meinem Tage- und Rezeptebuch zeigt er neben seiner künstlerischen Seite auch seine nicht nur feine, sondern auch scharfe Zunge. Ein köstlicher Genuss!

COV_KLINK_ANGERICHTET_LIm Grunde war es für mich ein Glücksfall, dass Vincent Klink vor einigen Jahren an Silvester auf das Jahr zurück schaute und sich nicht erinnern konnte, was er Positives erlebt hatte.

Zum Glück konnte seine Frau ihm auf die Sprünge helfen und das neue Jahr begann nicht mit Frust. Aber es hat zu diesem herrlichen Buch geführt, das ich derzeit in den Händen halte.

Qualität braucht kein Zertifikat

Alle, die sich für Kochen und gutes Essen interessieren, ist der Name Vincent Klink sicher ein Begriff. Was mir an seiner Küchenphilosophie besonders gefällt: Er setzt auf regionale und saisonale Produkte, die nicht zwingend Bio-Zertifikate aufweisen müssen. Oft sind seine Lieferanten für diesen Aufwand viel zu klein. Beim Fleisch legt er Wert auf artgerechte Haltung und setzt deshalb auf den Metzger seines Vertrauens.

Eine Philosophie, die ich teile. Meine Oma betrieb eine Metzgerei, Salat und Gemüse kamen zum großen Teil aus dem heimischen Garten. Das Obst ebenfalls oder von unseren Feldern. Ich weiß also, was ungefähr wann Saison hat. Und hier im schwäbischen Remstal genieße ich den Luxus zahlreicher Hofläden und Verkaufsstände vor dem Haus, in denen (nicht nur) der “Überhang” verkauft wird. Und seit ich Fleisch und Wurst überwiegend bei der Metzgerei Schnabel in Winterbach kaufe, weiß ich auch, dass ein Kotelett noch immer so schmecken kann, wie es “damals” bei meiner Oma geschmeckt hat. Damals, als der Wahn des absolut fettfreien Fleisches und die Massentierhaltung noch nicht Einzug gehalten hat, die ein Schnitzel zu einem hormongetränkten nassen Lappen haben verkommen lassen, der in der Pfanne auf die Hälfte zusammenschnurzelt, dabei die halbe Küche verspritzt und am Ende nichts schmeckt.

Doch zurück zu Vincent Klink und Angerichtet, herzhaft und scharf!. Das oben erwähnte Silvester-Erlebnis hat den Koch dazu gebracht, regelmäßig unregelmäßig Tagebuch zu führen. Und zwar direkt auf der Webseite seines Restaurants Wielandshöhe in Stuttgart. Das Ergebnis war nicht nur ein lebhafter Austausch mit seinen Gästen und Lesern, sondern eben auch Angerichtet, herzhaft und scharf!.

Vincent Klink, mehr als „nur“ ein guter Koch

Ausgewählte Beiträge aus fast zwölf Jahren haben mir den Menschen Vincent Klink näher gebracht, mich oft schmunzeln lassen und an vielen Stellen zum Nachdenken angeregt:

  • Bereits 2006 nahmen seine Frau und er San-Pellegrino-Wasser von Nestlé aus ihrem Angebot, weil sie deren umstrittene Strategie, Trinkwasser kostenpflichtig zu machen, nicht mittragen wollten.
  • Herrlich, also für mich als Leserin, ist seine Irrfahrt durch Nellingen. Auch 10 Jahre danach kann man seine Wut und seinen Frust in seinen Worten spüren.
  • Um die “völlig verpupsten Sätze” von Restauranttestern zu verdauen, ist manchmal ein Schnaps nötig: “… ausgewogene Rotweinzwiebeln mit zartschmelzigem Rindermark, seidigem Kartoffelschaum und süffiger, eigenaromatischer Trüffelvinaigrette.”
  • Ob man in der Wielandshöhe vom Teller des Gegenübers (also am gleichen Tisch, nicht am Nachbartisch) naschen dürfe, wurde angefragt. Freunden sei in einem anderen Restaurant deswegen mit Rauswurf gedroht worden. Vincent Klinks Antwort 2009: “Bei uns ist es genau umgekehrt, sie fliegen raus, wenn sie nicht schwelgen und sich gegenseitig was vom Teller schnabulieren.”

Kaum ein Thema, zu dem Vincent Klink nicht seinen Senf abgibt. In klarer, deutlicher Sprache, wie man es von einem geborenen Schwaben erwartet. Dabei aber nie böse oder gar diskreditierend. Den Abschluss macht eine Hommage an Paul Bocuse, der im Januar 2018 verstorben ist.

»Eine saftige Sprache kann nur aus einem Mund kommen, der auch zu genießen weiß.« Vincent Klink

Wer jetzt denkt, dass man von klugen oder witzigen Sprüchen alleine nicht satt wird, der darf sich auf zahlreiche Rezepte freuen, zum Beispiel für:

  • Rindergulasch
  • Auberginen gefüllt mit Lammhack
  • gezupften Hecht
  • Lasagne vom Butternut-Kürbis
  • Pasta Fagioli con Cozze
  • Weinbergschneckenragout
  • Zwiebelrostbraten

Einige davon sind handschriftlich und erfordern etwas Mühe beim Entziffern. Aber vor den Genuss hat der Küchengott ja den Fleiß gesetzt. 😉

Vincent Klink, der Künstler

Angerichtet, herzhaft und scharf! zeigt uns aber auch noch einen anderen Vincent Klink. Den Vincent Klink, der gerne Künstler geworden wäre. Der sein Tagebuch mit Zeichnungen abrundet, die sein feinsinniges Gespür perfekt abbilden und wirkliches Talent verraten.

Der seine Freizeit auch der Musik widmet, von der leisen Querflöte zum lauten Flügelhorn gewechselt ist und Jazz-Sessions liebt. Auch über die Musik bekommt er viele neue, inspirierende Impulse, die sicher nicht ohne Folge für seine sonstigen Aktivitäten sind.

Schade, dass ihm der Vater den beruflichen Weg in die Kunst versperrt hat. Eine “brotlose Kunst” wollte er nicht fördern.

Aber vielleicht hat er seinen Sohn genau dadurch zu dem gemacht, was er heute ist. Zu einem Menschen mit sehr feinen Antennen, die ihm Zugang zu unendlich vielen Themen ermöglichen und denen er sich mit seiner ganz eigenen, klaren Meinung mehr oder weniger intensiv widmet.

Angerichtet, herzhaft und scharf! – Genuss für alle Sinne

Ich habe lange kein Buch mehr in den Händen gehabt, das ich so spannend fand und das obwohl es kein Thriller ist. 😉 Längst habe ich noch nicht alle Tagebuchauszüge gelesen, alle Zeichnungen gesehen, alle Rezepte auf Tauglichkeit für mich geprüft, aber ich freue mich über jeden neuen Fund.

Es ist beeindruckend, wie früh sich Vincent Klink mit vielen Themen auseinander gesetzt und in wenigen Sätzen klar Stellung bezogen hat. Damit hat er mich bis jetzt bereits mehrfach zum Nachdenken (und googeln) veranlasst und ich weiß, dass noch einige Inspirationen folgen werden. Für die Küche gibt es bereits Pläne. Passend zum Herbst wird es demnächst eine Apfel-Meerrettich-Suppe und die Lasagne vom Butternut-Kürbis geben.

Angerichtet, herzhaft und scharf! – Kaufen, blättern, mit allen Sinnen genießen!

Vincent Klink
AU_KLINK_C_PRIVAT_L
Vincent Klink (privates Foto)

Geboren 1949 in Gießen, aufgewachsen in Schwäbisch Gmünd, wo er auch das Restaurant »Postillon« betrieb und 1978 seinen ersten Michelin-Stern erkochte. Seit 1991 führt er die Stuttgarter »Wielandshöhe«, deren Namensgeber der oberschwäbische Schriftsteller und Shakespeare-Übersetzer Christoph Martin Wieland ist.

Einem breiten Publikum ist Vincent Klink bekannt durch Fernsehsendungen sowie als Verfasser und Herausgeber von Kochbüchern.

Daneben ist der Sternekoch ein Autor von Rang, er gab Gerd Haffmanns kulinarische Zeitschrift »Rübe« und »Cotta ’s Kulinarischen Almanach« sowie in eigener Regie die Zeitschriften »Journal Culinaire« und »Häuptling eigener Herd« heraus. Seine Bücher wie »Sitting Küchenbull« oder ein »Ein Bauch spaziert durch Paris« wurden zu Bestsellern. Zuletzt erschienen von ihm »Meine Rezepte gegen Liebeskummer« und seine Wiederentdeckung von Grimod de la Reynières »Grundzüge des gastronomischen Anstands«.

Vincent Klink wird am 29. Januar 2019 70 Jahre alt.

Buchinfo: Angerichtet, herzhaft und scharf! von Vincent Klink, erschienen bei Klöpfer-Meyer, 26.09.2018, 276 Seiten, zweifarbig gedruckt, 27 Originalzeichnungen und über 30 Rezepte, davon 11 in faksimilierter Handschrift, Hardcover mit Lesebändchen und farbigem Vorsatz, 28,00 €, ISBN 978-3-86351-471-6. Danke für das Leseexemplar.

Oliver Kern: Eiskalter Hund

Im China-Restaurant hängt ein toter Hund Haken! Grund genug für Hobby-Ermittler Fellinger, hauptberuflich Lebensmittelkontrolleur, eine große Verschwörung zu vermuten. Umgehend nimmt er die Fährte auf und nervt nicht nur die Polizei mit seiner Beharrlichkeit.

Eiskalter Hund von Oliver KernDie Story ist schnell erzählt. Der Fellinger wäre für sein Leben gern Polizist geworden. Ging aber nicht, weil sein Knie kaputt ist. Dafür ist er jetzt Lebensmittelkontrolleur und mischt sich ab und an in die Ermittlungen der Polizei ein. Als er im Kühlhaus eines chinesischen Restaurants einen toten Hund am Haken findet, sieht er seine große Stunde gekommen. Wem Beaver, so heißt beziehungsweise so hieß der Hund, gehört, ist schnell ermittelt. Steht ja auf dem Halsband. Aber wieso war das Tier alleine unterwegs, wo er doch sonst nur gemeinsam mit seinem Frauchen gesehen wurde. Ist ihr etwa auch etwas zugestoßen? Fellinger nimmt die Fährte auf.

Regionale Krimis sind seit einigen Jahren stark im Aufwind. Besonders oft vertreten: Bajuwarische Hauptdarsteller. Entsprechend häufig treffen wir deshalb eher derbe, poltrige Charaktere.

Der schmale Grad zwischen noch witzig und schon peinlich

Und genau hier liegt das Risiko. Überschreitet ein Autor den schmalen Grad zwischen noch witzigem Lokalkolorit und schon peinlichen Klischees, macht mir das Lesen keine rechte Freude mehr. Egal wie witzig oder charmant die Story ist.

Mit Eiskalter Hund von Oliver Kern ist mir genau das passiert. Kein Stereotyp wird ausgelassen. Ob Chinese, Polizist, Tscheche oder Frau, alle bekommen den Klischeestempel aufgedrückt. Mein Lesevergnügen wurde dadurch beträchtlich eingeschränkt.

Da mir auch die vielen Andeutungen, Verwicklungen und Verschwörungstheorien irgendwann den Durchblick genommen habe, war mein Gesamteindruck von Eiskalter Hund eher schwach. Mich persönlich hat das Fellinger-Debüt nicht überzeugt. Ich schließe aber nicht aus, dass andere Leser hier weniger empfindlich sind als ich und sich bereits auf den zweiten Band der Serie freuen, der für 2019 angekündigt ist.

Oliver Kern

Oliver Kern, 1968 in Esslingen am Neckar geboren, wuchs in der beschaulichen Idylle des Bayerischen Waldes auf. Er liebt gutes Essen, hält sich bei schwarzer Soße aber zurück. Kern lebt mit seiner Familie in der Region Stuttgart.

Buchinfo: Eiskalter Hund von Oliver Kern, erschienen bei Heyne, 12.03.2018, 304 Seiten, € 9,99, ISBN: 978-3-453-43869-9

Sascha Berst-Frediani: Reue

Sabine ist mit Dieter verheiratet. Während er Montag bis Freitag als Berufssoldat in der Kaserne lebt, kümmert sich Sabine um ihre berufliche Karriere. Man hat sich arrangiert. Wäre da nicht der attraktive Untermieter.

ReueSabine ist mit ihrem Leben zufrieden. Dass ihr Mann Dieter während der Woche in der Kaserne lebt, gibt ihr den Freiraum, ihre berufliche Karriere voran zu bringen.

Auch sonst kann Sabine tun und lassen was sie will. Dieter vertraut ihr blind.

Im Ehebett läuft nichts mehr

Auch Dieter hat sich mit seinem Leben arrangiert. In der Kaserne ist sein Leben klar geregelt. Die Langeweile der Abende versüßt er sich mit Alkohol und dem nahe gelegenen Bordell. Im heimischen Ehebett läuft sowieso nicht mehr viel. Und überhaupt, was Sabine nicht weiß…

Alles scheint perfekt organisiert, wäre da nicht Thomas, der attraktive Mieter der Einliegerwohnung. Aus zufälligen Treffen im Treppenhaus wird hin und wieder die gemeinsame Tasse Kaffee auf der sonnigen Terrasse. Zufällige Treffen werden zu geplanten. Die lockere Freundschaft wird zum gut gehüteten Verhältnis. Dieters Abwesenheit während der Woche und die Tatsache, dass sonst niemand im Haus wohnt, macht es dem Paar einfach. Bis Thomas mehr will.

Ein voyeuristische Blick durch fremde Schlüssellöcher

Ich gestehe, die ersten Seiten von Reue haben mich irritiert. Die verschiedenen Erzählperspektiven waren nicht selbsterklärend. das “vorweggenommene” Ende nicht intuitiv verständlich. Wer ist der Mann, den die Polizei im Morgengrauen abführt? Doch genau dieser Einstieg sorgt für die Spannung im Buch. Was ist genau passiert? Wer hat wem etwas angetan und aus welchem Anlass?

Durch den nüchternen Erzählstil und die wechselnden, strikt voneinander getrennten Perspektiven hatte ich das Gefühl, voyeuristische Blicke durch fremde Schlüssellöcher zu werfen. Es war klar, dass die Situation eskalieren würde. Von außen betrachtet war es klar. Den Protagonisten selbst fehlt dafür der Blick ins jeweils andere Leben, denn Sabine und Dieter reden schon längst nicht mehr über das, was sie bewegt.

Nach dem nicht ganz so geglückten Start wollte ich Reue von Sascha Berst-Frediani nicht mehr aus der Hand legen. Es war faszinierend, das Unheil kommen zu sehen, durch den distanzierten Schreibstil dabei aber völlig außen vor zu bleiben.

Ein wirklich spannendes Buch!

Einen kleinen Minuspunkt gibt es: Die Art der Bindung ist ziemlich scharfkantig. Ich fand sie unangenehm beim Halten des Buches. Aber das war auch schon alles.

Sascha Berst-Frediani

Sascha Berst-Frediani genoss seine Schulbildung in Deutschland sowie Italien. In Freiburg und Paris studierte er Germanistik und Rechtswissenschaften. Inzwischen ist der promovierte Jurist in Freiburg als Rechtsanwalt niedergelassen. Im Jahr 2013 gewann der Autor den Freiburger Krimipreis und im Mai 2015 die »Herzogenrather Handschelle«, den Krimipreis der Stadt Herzogenrath. “Reue” ist nach “Fehlurteil” sein zweiter Krimi im Gmeiner-Verlag.

Buchinfo: Reue von Sascha Berst-Frediani, erschienen bei Gmeiner, Februar 2018, 247 Seiten, gebunden, € 18,00, ISBN 978-3-8392-2249-2

Ulrich Ritzel: Nadjas Katze

In einem Antiquariat findet die pensionierte Lehrerin Nadja eine Erzählung über das Ende des zweiten Weltkriegs. Ort der Handlung ist ein kleines Dorf auf der Schwäbischen Alb. Als von einer schwarzen Stoffkatze mit rosa Tatzen die Rede ist, nimmt Nadja die Spur auf. Genau so eine Katze hat sie seit ihrer Kindheit.

Nadjas Katze von Ulrich RitzelNadja Schwertfeger hat ein seltsames Hobby. Voller Leidenschaft durchstöbert sie Antiquariate, ständig auf der Suche nach vergessenen Autoren. Bei einem der Streifzüge gerät eine Erzählung über das Kriegsende 1945 in ihre Hände. Sehr lebendig schildert der Verfasser, wie die Bewohner des kleinen Dorfes den Einmarsch der US-Armee erlebt haben. Was in den Stunden davor passiert ist. Ist die Geschichte Fiktion oder hat sich alles wirklich so abgespielt? Gibt es das Dorf wirklich?

Die schwarze Katze mit den rosa Tatzen

Bei ihrer Recherche stößt sie auf einen merkwürdigen Bezug zu ihrer eigenen Vergangenheit. Die schwarze Stoffkatze mit den rosa Tatzen, die der Autor beschreibt, liegt seit Jahren in ihrem Keller. Sie ist das Einzige, was sie von ihrer Mutter hat. Gab es das Stofftier öfter, oder hat die Geschichte wirklich mit ihr zu tun?

Nadja macht sich auf den Weg und stößt anfangs auf eine Mauer des Schweigens. Erst als der ehemalige Kriminalkommissar Hans Berndorf mit ihr auf Zeitreise geht, gelingt es, das Geheimnis Stück für Stück zu lüften. Mit einer überraschenden Erkenntnis.

Nadjas Katze konnte ich kaum wieder aus der Hand legen, nachdem ich die ersten Seiten hinter mich gebracht habe. Denn was etwas zäh begann, war plötzlich total spannend nach dem Motto: Geschichtsunterricht trifft auf kriminalistische Ermittlungsarbeit.

Ein Stück Nachkriegsgeschichte in Romanform

Das Ganze spielt sich noch dazu in meinem weiteren regionalen Umfeld ab, was meine Neugier beträchtlich gesteigert hat. Ich habe viel über Zeit um 45 in Baden-Württemberg gelernt. Und über das Leben der Nachkriegsgeneration. Die Nachkriegszeit war vor allem für Frauen nicht einfach, was nicht selten zu verworrenen Familienkonstellationen geführt hat über die nie gesprochen wurde.

Ein wirklich spannendes Buch!

Ulrich Ritzel

Ulrich Ritzel, geboren 1940, gilt als einer der besten Kriminalautoren Deutschlands. Nach seinem Jurastudium arbeitete er jahrelang für verschiedene Zeitungen, 1981 erhielt er für seine Gerichtsreportagen den renommierten Wächter-Preis. Seine Kommissar-Berndorf-Krimis “Schwemmholz” und “Der Hund des Propheten” waren preisgekrönt, “Beifang” wurde mit dem Deutschen Krimipreis 2010 ausgezeichnet, „Schlangenkopf“ und „Trotzkis Narr“ standen monatelang auf der Krimizeit-Bestenliste. Ulrich Ritzel lebt seit 2008 in der Schweiz.

Buchinfo: Nadjas Katze von Ulrich Ritzel, erschienen bei btb, November 2018, 448 Seiten, ISBN 978-3-442-71581-7, € 10,00

Ben Kindler kocht badisch

Ben Kindler kocht klassisch kreativ. Und was auf den ersten Blick kaum vereinbar scheint, gelingt ihm virtuos. Unbekümmert kombiniert er die solide badische Küche mit überraschenden neuen Einflüssen, ohne dass sie ihren typischen Charakter dabei verliert.

978-3-7630-2783-5_U1_Ben Kindler kocht badisch_nnAls Vorspeise eine kräftige, klare Brühe mit badischen Riebele.

Dann folgt das Hauptgericht:

  • Rindersteak mit Röstzwiebeln und Rotweinschalotten, dazu knusprige Brägele oder
  • Mistkratzerle aus dem Ofen mit Gewürzbutter oder
  • Perlgraupen-Risotto mit gebratenem Gemüse und Kräuterpesto

Und wer dann noch Platz hat, gönnt sich noch ein Stückchen Kirschplotzer.

Riebele? Brägele? Mistkratzerle? Perlgraupen? Kirschplotzer? Was ist das denn für ein Zeug?

Einfach leckeres Zeug

Das ist leckeres Zeug und ganz typisch für die badische Küche. Wie man es zubereitet, erklärt Ben Kindler einfach und ohne großes Tamtam unter anderem im Kapitel Basics.

Nach den Vorspeisen folgen Fleisch-, Fisch- und Gemüsegerichte. Den süßen Abschluss machen die recht gehaltvollen Nachtischideen.

Wer jetzt denkt „Langweilig! Badische Küche kenne ich doch schon“, der unterschätzt Ben Kindlers Kreativität. So sehr er hochwertige heimische Produkte schätzt, so gern experimentiert er mit Einflüssen aus aller Welt.

Ceviche, Grapefruit, asiatische Aromen – also typisch badisch

Aus dem regionalen Hecht wird ein feuriges Ceviche mit Spargel, Avocado und Grapefruit. Die klassische Gutedelrahmsuppe erlebt mit asiatischen Aroment ihr Revival. Im Cordon bleu verbergen sich Garnelen und die Nudeln mit Bröseln bekommen mit Minze Pfiff.

Ben Kindler kocht badisch reizt zum Nachkochen. Dazu braucht man keine aufwändige Ausstattung und auch keine exotische Zutaten. Es sind die kleinen feinen Zugaben, die Kindlers Küche so spannend machen.

Ich werde es in der nächsten Zeit testen. Ihr auch?

Ben Kindler

Unverkrampft, kreativ und erfrischend eigenwillig: Ben Kindler ist leidenschaftlicher Koch aus Berufung. In exklusiven Restaurants und Hotels (z. B. die Eichhalde in Freiburg, der Almhof Schneider in Lech, das Madinat Jumeirah in Dubai oder die Fischerzunft in Schaffhausen) lernte er das Kochen. In der besten Kochschule Thailands absolvierte er eine Zusatzausbildung zum Thai-Chef. Inspiriert durch seine Reisen entwickelte er seinen Stil, der so ist wie er selbst: weltoffen und heimatverbunden. Seit 2010 gibt er ihn in seiner Freiburger Kochschule „bensels“ weiter. Dem Geschmack auf der Spur sucht er für alle Gerichte die besten Produkte von absoluter Spitzenqualität. Für jeden. Etwas anderes kommt ihm nicht in den Topf.

Joss Andres

Wer die Food-Fotos von Joss Andres betrachtet, bekommt unweigerlich Lust aufs Kochen und Genießen. Kein Wunder, denn er fotografiert und filmt mit viel Herzblut und Liebe zum Detail am liebsten mit natürlichem Licht. Joss Andres ist auf Film und Fotografie für zeitgemäße Medienformate spezialisiert und setzt Auftragsarbeiten mit höchstem Anspruch an Professionalität und Präzision um. Nach der Ausbildung bei Fotodesigner Michael Wissing und langjähriger Zusammenarbeit ist er seit 2013 im eigenen Studio selbständig. Produktionen und Publikationen für Verlage und Magazine sowie die gehobene Hotellerie und Gastronomie machen dabei einen besonderen Schwerpunkt aus.

Buchinfo: Ben Kindler kocht badisch von Ben Kindler, erschienen im Belser Verlag, September 2017, 128 Seiten, 84 Abbildungen, ISBN 19,99, ISBN: 978-3-7630-2783-5

Hans-Hennes Hess: Grillwetter – Anwalt Fickel ermittelt

Anwalt Fickel hat die Ruhe weg. Bis es seiner thüringischen Rostbratwurst an die Pelle gehen soll. Plötzlich häufen sich die Leichen im beschaulichen Meiningen. Doch Fickel bleibt dem Mörder auf der Spur.

9783832163761Das Thüringer Traditionsunternehmen Krautwurst Wurstspezialitäten steht vor dem Aus. Dann verschwindet kurz vor der rettenden Aktion, Krautwurst will mit der längsten Bratwurst der Welt von sich reden machen, auch noch der Insolvenzverwalter. Hat er sich mit dem erwirkten Kredit aus dem Staub gemacht? Oder hat ihn Schlachter Menschner mit seinem Schweinespalter erschlagen?

Regionale Krimis sind seit einigen Jahren im Trend. Nach den ersten Erfolgstiteln sprossen sie plötzlich überall wie Pilze aus dem Boden. Und seien wir ehrlich, mancher davon ist so seicht, dass er auch unter der Erde hätte bleiben können.

Es geht um die Wurst

Grillwetter von Hans-Hennes Hess steht hingegen da wie aus dem Ei gepellt. Kaum ein Klischee der ländlichen Region, das nicht bedient wird:

  • Vetternwirtschaft
  • Sich gegenseitig Hörner aufsetzen
  • In Fettnäpfe treten
  • Heimatverbundenheit
  • “Bauernschläue”
  • Torschlusspanik

Und natürlich viel Humor. Freiwillig oder unfreiwillig.

Ohne zu Spoilern würde ich allerdings empfehlen, beim Lesen keine Bratwurst zu essen. Nur vorsichtshalber.

HHH – nichts für Zartbesaitete

Und sehr zart besaitete Charaktere könnten an der ein oder anderen Stelle leicht pikiert sein. Immerhin nimmt uns Hans-Henner Hess (HHH) mit in ein sehr rustikale Milieu.

Ich habe mich amüsiert.

  • Über die Naivität von Anwalt Fickel, seines Zeichens der Mann zwischen Liebe, Mord und Rostbratwurst.
  • Über die amourösen Verwicklungen auf allen Ebenen.
  • Über die teils humorigen Fußnoten.
  • Grillwetter von Hans-Henner Hess liest sich lecker!
Hans-Hennes Hess

Hans-Henner Hess verbrachte seine Jugend im Schatten der Berliner Mauer mit Tagträumen, Nachtwandeln sowie dem Züchten von winterharten Zierkakteen. Als nach Einführung des Westgelds wichtige Absatzmärkte wegbrachen, sah er sich gezwungen, einen ehrlichen Beruf zu erlernen, und entschied sich irrtümlich für die Juristerei. Beim Verfassen seitenlanger Schriftsätze gewann er Gefallen am Fabulieren und schulte kurzerhand um auf TV-Autor. Seine Erfahrungen im Justizalltag sowie eine angeborene Affinität zu Thüringer Klößen verarbeitet er in der bei DuMont erscheinenden Krimireihe um den relaxten Meininger Anwalt Fickel. Bislang erschienen ›Herrentag‹ (2013), ›Der Bobmörder‹ (2014) und ›Das Schlossgespinst‹ (2016).

Buchinfo: Grillwetter von Hans-Hennes Hess, erschienen bei DUMONT, 22.08.2017, 352 Seiten, € 10,00, ISBN 978-3-8321-6376-1, danke für das Leseexemplar.