Max Zadow: Mordkater plus Gewinnspiel

Ich mag ja Überraschungen. Kürzlich hatte ich wieder eine im Briefkasten. Ein großer, brauner, ganz normaler Umschlag. Kein Absender. Inhalt von außen tastbar: Ziemlich sicher zwei Bücher.

MordskaterAn und für sich keine Seltenheit, aber im Normalfall anders verpackt und mit Absender. Ich war neugierig.

In der Wohnung angekommen, wurde der Umschlag sofort aufgerissen. Immer noch nicht schlauer. Jedes Buch, inzwischen war ich mir selbst da nicht mehr ganz sicher, einzeln in weißes Kopierpapier gewickelt. So kam noch kein Buch vom Verlag.

Vorsicht: Cat Content!

Papier von Paket eins abgerissen. Grinsen im Gesicht. Elvis, der Mordskater, schaut mir entgegen. Letztes Jahr im Herbst bin ich ihm zum Opfer gefallen und habe den “Butzelmann” mit viel Genuss verschlungen. Ein bisschen habe ich mich dafür geschämt. Katzenbücher… so weit ist es mit mir schon gekommen. Trotzdem bin ich heimlich, still und leise immer mal wieder über die Facebookseite von Max Zadow, dem Autor, geschlichen, um zu sehen, wann Nachschub kommt. Jetzt hatte ich ihn in den Händen. Einfach so und gleich in doppelter Ausfertigung. Den doppelten Elvis quasi.

Aber warum gleich zwei Exemplare? Weiß der Autor, dass ich manchmal etwas schusselig bin und Dinge verlege? Wenn ja, wer hat es ihm verraten? Oder hat er gleich Hundert selbst gekauft und weiß nun nicht wohin damit?

Eins für mich, eins für Dich

Alles falsch. Max Zadow dachte sich: Wenn ihr das Buch gefällt, kennt sie vielleicht noch jemanden, dem es gefallen könnte. Also hat er beide Bücher mit einer persönlichen Widmung* versehen. Meines personalisiert, deines neutral. Schließlich weiß er nicht, wer du bist. Und ich weiß es auch noch nicht.

Ehe ich dir verrate, wie du den Mordskater für dich gewinnen kannst, gibt es einen kleinen Einblick in die neuesten Abenteuer des kleinen Glückskaters.

Glücklich aber unfruchtbar

Dreifarbige Katzen, schwarz-weiß-rot, nennt man im Volksmund Glückskatzen. Und meist sind es auch wirklich Katzen. Dreifarbige Kater sind äußerst selten und fast immer unfruchtbar. Ein Wissen, das männliche Besitzer vielleicht nicht so ganz einfach verschmerzen können. Aber so ist es nun mal. Entweder Rarität oder fruchtbar. Was Elvis im Grunde aber völlig egal sein kann. Er soll eh keine Babys…. Aber lassen wir das.

Wie schon in Elvis hat das Gebäude verlassen, spielen Herr und Frau Dr. Hiller, die Balkon-Nazis von nebenan, wieder eine tragende oder vielmehr dramatische Rolle. Ihr Graupapagei Goethe ist in seinem Käfig aufs Brutalste gemeuchelt worden. Klar, dass Dr. Hiller Elvis die Schuld in die Schuhe schieben will. Aber nicht mit Max und seiner Freundin Laura. Wozu ist diese schließlich Staatsanwältin?

Goethe ist tot

Eine spannende und amüsante Jagd nach dem Täter beginnt. Die heimliche Obduktion des Mordopfers bringt schließlich Licht ins Dunkel und wie in jedem guten Krimi, ist am Ende alles ganz anders, als ursprünglich vermutet.

Eines der Highlights auch in diesem wieder: Jupp Boor, der Kölsche Hausmeister, der redet, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Kölsch eben**. Und natürlich Kevin, sein Klingonenkater.

Auch das zweite Buch von Max Zadow habe ich wieder mit sattem Grinsen im Gesicht gelesen. Allerdings fand es ich es nicht ganz so locker flockig wie das Erstlingswerk. Und Kartoffelgabeln werde ich lange Zeit nicht mehr wertfrei betrachten können. Zum Glück verwende ich keine.

Trotzdem bin ich jetzt schon gespannt, wie es mit Elvis, Lisa und Max weitergeht. Ich vermute mal, in der nächsten Folge wird ein Bernhardiner eine nicht unwichtige Rolle spielen. Woher ich das weiß? Lest doch selbst nach!

Und jetzt bist du dran

Wie bereits oben erwähnt, hat mir Max Zadow zwei Exemplare von Mordskater zukommen lassen. Eines davon ist schon für dich signiert.

Und so kommt es zu dir:

  • Hinterlasse ab sofort bis spätestens 17.07.2016 unter diesem Blogpost einen Kommentar.
  • Beantworte darin die folgende Frage: Was war deine spannendste/witzigste/dramatischste Geschichte mit (d)einer Katze? Vielleicht inspirierst du ja Max Zadow damit zu seinem nächsten Buch?!
  • Verlost wird  ein signiertes Exemplar des o.g. Buches. Danke dafür an den Autor.
  • Die Verlosung erfolgt bis spätestens 20.07.2016.
  • Der oder die Gewinnerin wird zur Ermittlung der Versandadresse von mir per E-Mail kontaktiert, also gebt bitte eine E-Mail-Adresse an. E-Mail- und Versandadresse werden von mir ausschließlich zum Versand des Buches verwendet.
  • Gib keine Adressen in den Kommentaren an (Datenschutz!).
  • Versendet wird ausschließlich an Adressen in Deutschland.

Viel Glück und viel Spaß mit Elvis!

* gut, dass der Buchdruck erfunden worden ist und wir auf Manuskripte verzichten können 😉
** keine Sorge, es gibt ein umfassendes Glossar für alle Nichtkölner.

Max Zadow

Max Zadow, geboren 1986, hat Geographie studiert und lebt in der Nähe von Köln. Seit Sommer 2012 ist er eher unfreiwilliger Katzenbesitzer. Trotz aller Meinungsverschiedenheiten zwischen Kater und Autor ist der allabendliche Spaziergang Pflichtprogramm für die beiden Herren.

Buchinfo: Mordskater von Max Zadow, erschienen bei Ullstein, 17.06.2016, 224 Seiten, € 9,99, ISBN-13 978-3-548-28670-9. Vielen Dank für das Leseexemplar.

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Herbert Feuerstein: Die neun Leben des Herrn F.

“Wenn ich die Wahl zwischen zwei Übeln habe, wähle ich immer beide.” So fasst Herbert Feuerstein seine Autobiographie zusammen. Und tatsächlich scheint er ein Talent dafür zu haben, sich in schwierige Situationen zu bringen. “Die neun Leben des Herrn F.” – einfach erfrischend offen.

Herbert FeuersteinIch glaube, so richtig bewusst wurde mir Herbert Feuerstein als intelligenter und schlagfertiger Gegenspieler von Harald Schmidt. Ehrlich gesagt, habe ich die Sendung damals wegen Feuerstein geschaut. Ich mag einfach wortgewandten schwarzen Humor. Beeindruckt hat mich außerdem, dass sich “der kleine Mann” für keinen Scherz zu schade war. Selbst als lebende Kanonenkugel: Feuerstein war nie peinlich.

Autobiographie statt Schlammschlacht

Umso spannender liest sich seine Biografie, in der er überraschend offen über seine persönlichen Probleme schreibt. Und sich über seine Lebenspartnerinnen erfreulich bedeckt hält. Das kennen wir zur Genüge anders.

Doch zurück zu Feuerstein. 1937 wird er in Österreich geboren. Für Kinder keine gute Zeit. Sie müssen viel entbehren und leiden oft unter schwierigen Familiensituationen. Der Krieg fordert auch von ihnen ihren Tribut.

Feuerstein lernt früh, dass man sich im Leben behaupten muss und dieses Wissen verhilft ihm letztendlich zum Durchbruch. Geschickt und im passenden Augenblick nutzt er seine Chancen und entwickelt sich mit seinen Aufgaben.

Vom “Theaterdirektor” zum Mozarteum Studenten.
Vom Wiener Kaffeehausliterat und Musikkritiker zum New Yorker Redakteur.
Vom Buchverlagsleiter in Frankfurt zum MAD Macher.

Und ganz nebenbei Film, Fernsehen uns sonstige Trallala wie Theater und Oper.

Ein großartiger “kleiner Mann”

Herbert Feuersteins Autobiographie ist beeindruckend und das ist nicht nur dem abwechslungsreichen Werdegang geschuldet. Ohne sein ausgeprägtes Gefühl für Sprache und seinen manchmal feinen, machmal bissigen Humor und seiner herrlichen Selbstironie würde das Lesen nur den halben Spaß bereiten.

Mich hat “Die neun Leben des Herrn F.” berührt. Manchmal fast zu Tränen, öfter zum Grinsen. Ich habe hinter viele Fassaden blicken und einen Herbert F. fernab von Scheinwerfern und Perfektionismus kennenlernen dürfen. Ein Mensch mit vielen Ängsten und Unsicherheiten und gleichzeitig so viel Mut.

Herr F., ich bin beeindruckt. Meine Hochachtung!

Herbert Feuerstein

Herbert Feuerstein, geboren 1937 in Zell am See (Österreich), ist Journalist, Schauspieler und Entertainer. Für seine Mitgestaltung der TV-Reihe „Schmidteinander“ wurde er 1994 mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet. Er lebt in Erftstadt und in Berlin.

Buchinfo: Die neun Leben des Herrn F. von Herbert Feuerstein, erschienen bei Ullstein, Oktober 2014, 384 Seiten, gebunden, ISBN 978-3-550-08087-6, € 19,99

Gewinnspiel: Lust auf ein Buch?

Am 23. April war Welttag des Buches. Und wie jedes Jahr gibt es deshalb im Rahmen der Aktion Blogger schenken Lesefreude tolle Bücher zu gewinnen. Bis zum 30. April einschließlich hast du noch Zeit, dir eines davon zu sichern.

Zur Auswahl stehen:

Meine Kur hat einen Schatten von Oliver Pötzsch

Ich bin gleich da von Anne Köhler

Dement, aber nicht bescheuert von Michael Schmieder

Krisen-PR von Hartwin Möhrle (3. Auflage, Februat 2016)

Social Media Manager von Vivian Pein (2. Auflage, Oktober 2015)

Alle Bücher kommen druckfrisch und ungelesen zu dir.

Und so geht es
  • Geh auf den Blogpost zum jeweiligen Buch. Die Beiträge sind entsprechend verlinkt.
  • Lies dir die Teilnahmebedingungen durch.
  • Beantworte die jeweilige Frage zum Buch.
  • Lehn dich zurück und warte, ob dir das Glück hold ist.

Viel Spaß und viel Erfolg!

Renée Karthee: Fieser die Glocken nie klingen

Annalena hat Weihnachten geliebt. Doch heute kann sie nur noch zusehen, wie andere das Fest der Liebe genießen, denn sie selbst ist allein und kann sich kein noch so kleines Extra gönnen. Als sie zufällig auf ein Grüppchen Frauen trifft, die alle ebenfalls so ihre Probleme mit dem Fest haben, scheint sich alles zum Guten zu wenden. Gemeinsam wollen Sie sich über ihren Frust hinweghelfen und auf Weihnachten pfeifen.  

Fieser die GlockenHeiligabend war früher für Annalena der schönste Tag des Jahres. Sie konnte das Schmücken und Vorbereiten mit allen Fasern genießen. Doch seit ihr Mann weg ist, überwiegt die Trauer. Und weil sie mit jedem Pfennig rechnen muss, streicht sie das Fest der Liebe aus ihrem Leben. Kaum hat sie den Entschluss gefasst, findet sie sich in einem Kreis unterschiedlichster Frauen wieder, die aus unterschiedlichsten Gründen den gleichen Vorsatz haben und unversehens wird Weihnachten doch noch schön.

Keine Weihnachtsbuch!

Renée Karthee nennt ihr Buch ausdrücklich “Kein Weihnachtsbuch”. In der Tat ist es das auch nicht so wirklich. Auch wenn es um die “besinnliche Zeit”, um Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt und um Weihnachtsschmuck satt geht, gibt es in “Fieser die Glocken nie klingen” noch eine ganz andere Seite. Die hoffnungslose Seite, die gerade an solchen Tagen besonders düster daher kommt.

Der Autorin ist es prima gelungen, beide Seiten witzig und humorvoll miteinander zu einem überwiegend amüsanten, machmal auch leicht wehmütigen (nicht nur) Frauenbuch zu verknüpfen. Ich würde wetten, jede und jeder von uns findet darin Sätze, die von ihm oder ihr selbst sein könnten.

Genüsslicher Lesespaß auch oder gerade für blöde Tage im Leben.  

Renée Karthee

Renée Karthee war viele Jahre Redakteurin beim STERN und ist heute Autorin zahlreicher Kinderbücher und erfolgreiche Drehbuchautorin. Sie lebt zusammen mit ihrem Mann und dem gemeinsamen Sohn in Hamburg.

Buchinfo: Fieser die Glocken nie klingen von Renée Karthee, erschienen bei List, 09.10.2015, 272 Seiten, Broschur, 8,00 Euro, ISBN 978-3-548-61302-4. Danke für das Leseexemplar.

 

Judith Arendt: Sündenbock

Seit einem Jahr setzt sich Ruth Holländer mit mehr oder weniger unschönen Lebensgeschichten auseinander. Dennoch berührt sie der Fall des Rentners Jürgen Dombroschke auf ganz besondere Weise. Er soll seine Frau vergiftet haben doch Ruth ahnt, dass sich nicht alles so abgespielt hat, wie es sich auf den ersten Blick darstellt.

Judith Arendt, SündenbockFür die Schöffin Ruth Holländer beginnt das zweite Jahr ihrer Amtszeit. Als ehrenamtliche Richterin wird sie willkürlich unterschiedlichen Prozessen zugelost. Den Auftakt macht der Fall Jürgen Dombroschke. Der Rentner soll seine an Parkinson erkrankte Frau Margit mit Rattengift getötet haben. Ein Vorwurf, den der alte Herr weder bestätigt noch dementiert. Er gibt nur zu Protokoll, dass er seine Frau auf keinen Fall vorsätzlich getötet habe, dass er aber nicht ausschließen könne, dass das Gift durch eine Verkettung unglücklicher Umstände in ihr Essen gelangt sein könnte. Sein Anwalt plädiert auf Freispruch, schließlich kann seinem Mandanten die Tat nicht nachgewiesen werden. Und niemand anderes scheint ein Motiv zu haben. Ruth Holländer stürzt sich in die Ermittlungen.

Eine Story zum Mitgrübeln

Was eher unspektakulär daher kommt, entwickelt sich zur spannenden Story, die mich hat mitgrübeln lassen. Wollte Herr Dombroschke seiner schwer kranken Frau die Leiden verkürzen? Kaum vorstellbar, denn ganz offensichtlich hat er nie aufgehört, sie zu lieben. So sehr, dass er vermutlich dazu nicht in der Lage wäre, vermutet Ruth Holländer.

Aber ist es wirklich vorstellbar, dass eine Verkettung unglücklicher Zufälle zum Tod der alten Dame geführt hat? Als Leserin bin ich hin und her gerissen, fiebere mit und bin am Ende doch total überrascht über die Lösung.

Ein durchaus spannendes Buch von Judith Arendt.

Judith Arendt

Judith Arendt ist das Pseudonym einer erfolgreichen Krimi-Autorin. Sie schreibt gelegentlich Drehbücher für deutsche Fernsehserien und sieht umso lieber amerikanische. Ihre Leidenschaft gilt dem Kriminalroman, insbesondere dem skandinavischen und britischen. Judith Arendt lebt mit ihrer Familie seit einigen Jahren in der Nähe von München.

Buchinfo: Sündenbock von Judith Arendt, erschienen bei Ullstein, März 2015, 304 Seiten, 9,99 Euro, ISBN 978-3-548-28565-8

Claire Kendal: Du bist mein Tod

Er hat nur Augen für Clarissa. Wohin sie auch geht, immer ist er in ihrer Nähe, macht ihr Geschenke, kümmert sich um sie. Ob sie es will oder nicht. Notfalls mit Gewalt. In “Ich bin dein Tod” schildert Claire Kendal Clarissas Leben mit einem Stalker.

Claire Kendal, Du bist mein TodEin netter Abend, man trinkt gemeinsam etwas, kommt sich näher. Und am nächsten Morgen wacht man auf, kann sich an nichts mehr erinnern und hat Schmerzen. So geht es Clarissa nach einer gemeinsamen Nacht mit ihrem Kollegen Rafe. Ein Ausrutscher, von dem sie weiß, dass er sich nie wiederholen wird. Doch Rafe sieht das ganz anders.

Ein kleiner Fehler und du wirst ihn nicht mehr los

Clarissa wird ab sofort überschwemmt mit Anrufen, Briefen und Geschenken. Ob sie es will oder nicht. Morgens steht Rafe vor der Tür, wenn sie das Haus verlässt. In der Mittagspause lauert er ihr auf, am Abend will er sie nach Hause bringen. Egal wie abweisend Clarissa sich auch verhält, Rafe wird immer aufdringlicher. Er schreckt nicht mal davor zurück, eine alte Freundin Clarissas für seine Zwecke zu instrumentalisieren.

Erleichtert nutzt sie ihre Berufung zur Geschworenen um der Situation zu entkommen. Doch nicht lange, dann hat Rafe sie auch hier aufgespürt. Empört über ihren Versuch, sich ihm zu entziehen, werden Rafes Übergriffe immer zudringlicher und hinterhältiger. Doch wem könnte sich Clarissa offenbaren? Für Außenstehende scheint Rafe ein bis über beide Ohren verliebter junger Mann zu sein. Als Clarissa glaubt, seinem dunklen Geheimnis auf die Spur gekommen zu sein, spitzt sich die Situation für sie dramatisch zu.

Stalking – der wahr gewordene Albtraum

Jemanden zu haben, der oder die einen auf Schritt und Tritt verfolgt, die Nase in alles steckt, was ihn oder sie nichts angeht, der womöglich heimlich in die Wohnung eindringt, ist wohl für jeden Menschen eine Horrorvorstellung. Für Clarissa ist dieser Albtraum wahr geworden. Je entschiedener sie sich gegen ihren Verfolger auflehnt, umso zudringlicher und besitzergreifender wird er. Bis die Situation letztendlich eskaliert.

Was Claire Kendal geschrieben hat, ist in meinen Augen kein Thriller und auch kein Krimi. Aber es ist eine sehr realistische Schilderung dessen, was Stalking-Opfer erleben. Wie sie zusehends das Vertrauen in ihren Alltag verlieren und sich selbst beschränken.

Durch die Tatsache, dass man quasi mitten in Clarissas Leben geworfen wird und tagebuchartig die Zeit mit ihr verbringt, rückt ihr Stalker einem selbst sehr dicht auf die Pelle. Ein Grund, weshalb ich das Buch nur ungern zur Seite gelegt habe. Ich bin froh, dass die Gesetzgebung hier inzwischen rigoroser vorgeht und die Opfer ernst nimmt.

Ein gutes Buch für alle, die sich auf spannende Art und Weise mit dem Thema Stalking befassen wollen!

Claire Kendal

Claire Kendal wurde in den USA geboren und ist in England aufgewachsen. Du bist mein Tod ist ihr erster Roman und erscheint in zweiundzwanzig Ländern. Sie unterrichtet Literaturwissenschaft und Kreatives Schreiben und lebt mit ihrer Familie im Südwesten Englands. Sie arbeitet bereits an ihrem nächsten Roman.

Aus dem Englischen übersetzt von Sophie Zeitz.

Du bist meine Tod von Claire Kendal, erschienen bei List, März 2015, 368 Seiten, Klappenbroschur, € 14,95, ISBN 978-3-47135-104-8. Vielen Dank für die Bereitstellung des Leseexemplares.

Johanna Holmström: Asphaltengel

Leila lebt in Finnland. Sarah, Ihre Mutter ist Finnland-Schwedin. Ihr Vater kommt aus dem Maghreb, ist Muslim. Das Verrückte daran: Nach der Heirat ist ihre Mutter zum Islam konvertiert und lebt ihr Leben extrem orthodox. Dass sie damit das Leben ihrer Familie gefährdet, versteht sie erst, als das Leben von Samira, ihrer ältesten Tochter auf dem Spiel steht.

Johanna Holmström, AsphaltengelSamiras und Leilas Leben ist kompliziert. Das liegt nicht nur daran, dass das Leben für Jugendlich generell kompliziert ist. Es liegt auch nicht daran, dass sie nicht gerade in der besten Gegend wohnen. Es liegt an ihrer Familie.

Der Vater, ein Moslem aus dem Maghreb, der seinen Glauben eher entspannt sieht, ist als Busfahrer viel unterwegs. Samira, die älteste Tochter, hat ihr Heil in der Flucht gesucht. Sie lebt seit kurzer Zeit in einer eigenen Wohnung. Nur Leila, die jüngste Tochter lebt noch daheim und ist damit dem Fanatismus ihrer Mutter gnadenlos ausgeliefert. Denn die ist zum Islam konvertiert und lebt diesen in der strengstmöglich Form aus. Dabei hat es Leila sowieso schon nicht leicht. Sie hat die falsche Hautfarbe, wohnt in der falschen Gegend und mit der Flucht ihrer Schwester ins Frauenhaus hat sie auch nicht ihre letzte Ansprechpartnerin verloren.

Ein tragisches Unglück verhindert, dass die Familie vollends zerbricht.

Eine Generation im Zwiespalt

Asphaltengel, so bezeichnet man die Mädchen, die in Europa in streng muslimischen Elternhäuser aufwachsen und dem Druck, der auf sie ausgeübt wird, nicht standhalten können oder wollen. Man findet sie morgens tot auf dem Asphalt. Der letzte Ausweg vor der Zwangsverheiratung in einem fremden Land. Nicht immer ist der Sprung in den Tod dabei freiwillig. Manche der Mädchen haben auch gebrochene Knöchel dort, wo sie sich am Balkongeländer festhalten wollten…

Johanna Holmström hat sich mit “Asphaltengel” keine leichte Kost vorgenommen. Aber vielleicht ist gerade deshalb ein so bewegendes Buch geworden. Die Mischung aus Schwermut und Lebensfreude, aus Mobbing, Fremdenhass und Auflehnung, aus Verzweiflung und Mut macht “Asphaltengel” so anders. Und noch nie habe ich so tiefe Einblicke in den Zwiespalt junger Mädchen bekommen, die zwischen unterschiedlichen Kulturen aufwachsen. Die sich öffnen wollen, damit aber in ihrem Innern doch nicht so einfach klar kommen. Auch die Schwierigkeiten und Missverständniss, mit denen Menschen im fortgeschrittenen Alter kämpfen müssen, die – aus welchen Gründen auch immer – konvertieren, waren mir nur sehr oberflächlich bewusst.

Keine leichte Kost

Ich danke Johanna Holmström für diese Einblicke und kann “Asphaltengel” nur empfehlen. Kein leichtes Buch aber eines das sich definitiv lohnt!

Johanna Holmström

Johanna Holmström wurde 1981 in Sibbo geboren. Sie gehört der schwedischsprachigen Minderheit in Finnland an. Seit einigen Jahren lebt sie mit ihren zwei Töchtern in Helsinki. Sie ist Journalistin und studiert arabische Literaturwissenschaft. Für ihre Erzählungen erhielt sie unter anderem den Literaturpreis des Svenska Dagbladet. Asphaltengel wurde von der Presse hymnisch besprochen.

Buchinfo: Asphaltengel von Johanna Holmström, erschienen bei Ullstein, 400 Seiten, Klappenbroschur, erschienen September 2014, € 14,99, ISBN 978-3-550-08057-9