Kranzgeld – Historischer Roman aus Oberschwaben

Oberschwaben im späten 19. Jahrhundert. Marie, eine junge Magd, ist hochschwanger. In ihrer Not sieht sie nur einen Ausweg. Sie will ihrem Leben ein Ende setzen. Doch wie so oft kommt alles anders.

Kranzgeld, Historischer RomanMarie liebt Josef und ist von ihm schwanger. Eine Liebe, die im späten 19. Jahrhundert keine Chance hat, denn Josef ist angesehener Hofbesitzer, Marie eine arme Magd. Und Josef wird bald heiraten. Die junge und reiche Fanny. Der Mitgift wegen, die den Hof retten soll..

Selbstmord als einziger Ausweg

Am Hochzeitstag packt Marie klammheimlich ihr Bündel und flieht vom Hof. Als einzige Rettung sieht sie, wie so viele junge Schwangere der damaligen Zeit, den Weg ins Wasser, in den Tod. In letzter Minute zieht Sebastian, ein rebellischer junger Tagelöhner, sie aus dem See. Mehr tot als lebendig. Er nimmt sie bei sich auf und gemeinsam mit seiner Mutter kümmert er sich rührend um Marie und ihr Kind. Doch Marie kann Josef nicht vergessen.

Die Geschichte von Marie ist keine Seltenheit im 19. Jahrhundert. Mägde waren auf den Höfen oft Freiwild für die Hofbesitzer und deren Söhne. Wurden sie schwanger, nachdem ihnen Gewalt angetan worden war, wurden sie in Schimpf und Schande vom Hof gejagt und damit in vielen Fällen in den Freitod.

Eine nicht alltägliche Liebe in Oberschwaben

Nicht alltäglich war die tiefe Liebesbeziehung, die sich zwischen Marie und Josef entwickelt hat. Dass das Kind ein Kind der Liebe war. Und genau hier liegt die Dramatik von Irene Zimmermanns Buch “Kranzgeld”. Nur die Heirat mit Fanny sichert den Fortbestand des Hofes. Eine Situation, die aussichtslos erscheint.

Mir hat die Geschichte von Marie gefallen, auch oder gerade weil sie sich nicht nur um das Beziehungsdrama dreht, sondern viel weitergehende Einblicke in die Geschichte des späten 19. Jahrhunderts gewährt. Gestört hat mich der Schluss des Buches. Für meinen Geschmack wurde hier unnötig verkompliziert um dann sehr abrupt und etwas kitschig zu enden.

Von mir eine klare Leseempfehlung für Freunde und Freundinnen historischer Romane.

Kranzgeld

Wem der Begriff nichts sagt, hier die Erklärung: Hat eine Frau ihre Jungfräulichkeit verloren, weil sie sich einem Mann nach dessen Eheversprechen hingegeben hat und löst dieser dann die Verlobung wieder, musste er der Frau eine Entschädigung zahlen. Das sogenannte Kranzgeld.

Irene Zimmermann

Irene Zimmermann, 1955 in Ravensburg geboren, arbeitete nach einem Germanistik- und Politikstudium als Lehrerin, zog zwei Kinder groß und verfasste ab Mitte der Neunzigerjahre viele Kinder- und Jugendbücher, die in zahlreiche Sprachen übersetzt wurden. Ihre Inspirationsquelle ist »das Leben an sich und im Besonderen«, und so konnte es nicht ausbleiben, dass sie nun auch mit großem Vergnügen ihren ersten Frauenroman geschrieben hat.

Kranzgeld von Irene Zimmermann, erschienen bei Silberburg Verlag, März 2015, 256 Seiten, € 12,90, ISBN 978-3-8425-1401-0. Danke für die Bereitstellung des Leseexemplares.

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#PlaceToBW: Altdeutscher Weihnachtsmarkt in Bad Wimpfen

Wer einen außergewöhnlichen Weihnachtsmarkt erleben möchte, muss sich beeilen. Noch bis zum 14. Dezember lädt Bad Wimpfen zum Altdeutschen Weihnachtsmarkt in seine malerischen Gassen und Winkel. Einfach wunderschön!

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Blick vom Blauen Turm (Foto: Ulrike Rosina)

An Nikolaus über Weihnachtsmärkte schlendern, eine bessere Beschäftigung kann es für diesen Tag eigentlich nicht geben. Deshalb war ich begeistert dabei, als es auf die #PlaceToBW Weihnachtstour ging. Und prompt habe ich als “Rei’g’schmeckte”, die ursprünglich wegen des Studiums nach Baden-Württemberg kam und inzwischen länger hier lebt, als im Saarland, meiner alten Heimat, wieder ein Kleinod kennengelernt, das ich sicher nicht zum letzten Mal besucht habe: Bad Wimpfen.

Wie Heidelberg wurde das Städtchen von den Bomben des zweiten Weltkrieges verschont. Von Kaiser Friedrich I. Barbarossa (1122-1190) wurde Bad Wimpfen zur wehrhaften Pfalz ausgebaut. Hier wurde Recht gesprochen, getagt, regiert und sich der Minne hingegeben.

Bad Wimpfen lebt seine Geschichte

Diese Bedeutsamkeit spürt man auch heute noch, wenn man das gut erhaltene Stadttor am Roten Turm Richtung Altstadt passiert. Und dann vereint sich Moderne mit Geschichte. Auch wenn die historischen architektonischen Kleinode – wunderschön gepflegte Fachwerkhäuser und -häuschen – einem das Gefühl geben, in eine andere Zeit einzutauchen, spürt man gleichzeitig auch das Junge, das Moderne, was die Altstadt durchweht. Denn hier wird gelebt, geliebt und genossen. Gerade für junge Familien sind die historischen, verkehrsarmen Gassen besonders reizvoll. Sie können ihre Kinder hier unbesorgt spielen, toben und in den schmalen Gassen und Winkeln ständig neue Abenteuer erleben lassen.

Genau diese Gassen und Winkel sind es auch, die den Reiz des Altdeutschen Weihnachtsmarktes ausmachen. Schnurgerade Einkaufsmeilen auf denen sich Stand an Stand reiht, sucht men in Bad Wimpfen vergeblich. Dafür überrascht einen hinter jeder Kurve etwas Neues. Ein Karussel, ein Stand, an dem man bei der Weihnachtsbäckerei zusehen kann oder gewandete Stadtführer, der seiner Folgschaft stolz die Stadtgeschichte erklärt.

527 Jahre Weihnachtsmarkt

Bereits im Jahr 1487 verlieh Kaiser Friedrich III. der Stadt das Privileg, vor Weihnachten einen Markt abhalten zu dürfen. Und vermutlich hat es schon damals nicht sehr viel anders ausgesehen als heute, denn die gewohnte Aneinanderreihung von Buden in schnurgeraden Hauptgeschäftsstraßen, bei denen man oft den Eindruck gewinnt, die Läden hätten ihr Angebot einfach nur von innen nach außen verlagert, sucht man hier vergeblich. In Bad Wimpfen bestimmen ausgesuchtes Kunsthandwerk und regionale und winterliche Köstlichkeiten das Stadtbild. Und die geschmückten Fachwerkhäuser bieten die passende Kulisse, um sich so richtig auf Weihnachten einzustimmen.

Wer dieses ganz besondere Weihnachtsambiente genießen will, muss sich beeilen. Vom 12. – 14. Dezember sind die Stände noch aufgebaut. Dann heißt es wieder ein Jahr warten, was aber nicht weiter schlimm ist, denn Bad Wimpfen hat das ganze Jahr über für Groß und Klein viel zu bieten.

Hoch hinaus: Der Blaue Turm

Ein besonderes Highlight der Stadt, im wahrsten Sinne des Wortes, ist der Blaue Turm mit seiner Türmerin Blanca Knodel. Sie ist nicht nur die einzige Frau, die den Job des Türmers ausübt, sie ist auch unbestritten ein sehr herzliches Original. Wir haben sie besucht, ihren Whirlpool in luftiger Höhe bewundert, versucht, ihren Kater Tom-Tom zu becircen und natürlich ihren Geschichten gelauscht. Mit ihren drei Kindern hat sie sich vor 19 Jahren in der 53 Quadratmeter großen Wohnung eingerichtet und genießt ihr Leben hoch über der Stadt in vollen Zügen. Sogar ihr eigenes Sektlabel schenkt sie aus. Und sie will noch sehr sehr lange auf ihrem Blauen Turm bleiben, länger als jeder andere Türmer bisher. Ich halte ihr die Daumen, dass sie dieses Ziel erreicht.

Kinder sind herzlich willkommen
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Herzlich willkommen fühlte ich mich in Bad Wimpfen (Foto: Ulrike Rosina)

Spannend für Kinder: Kinder führen Kinder durch die Stadt. Denn wer weiß schließlich besser, was Kinder interessiert, als Kinder selbst. Überhaupt ist das Angebot für Kinder in Bad Wimpfen beachtlich. Sie werden ins Märchenland entführt, folgen den Spuren von Kaiser, Bürger und Bettelmann, suchen die Schatztruhe der Neckarpiraten oder üben sich ganz modern in Geo-Caching.

Erwachsene kommen natürlich auch nicht zu kurz. Egal ob sie wandern, sich ein Hausboot mieten oder die kulinarische Vielfalt der Stadt genießen wollen. Die Tourist-Information im Herzen der Altstadt hilft hier gerne weiter. Sicher auch, wenn man plant, sein Leben künftig in Bad Wimpfen zu verbringen, weil man z.B. bei Südzucker einen süßen Job ergattert hat.

Ich sage Danke!

Ich war nur gute zwei Stunden in Bad Wimpfen, aber Dank Frau Jung, die Bad Wimpfen nicht nur vertritt sondern lebt, habe ich das Gefühl, tief in die Geschichte der Stadt eingetaucht zu sein. Und ich bin neugierig auf das Frühjahr, wenn es grünt und blüht in den alten Stadtmauern.

Kleine Anmerkung noch zum Schluss: Ich habe bei meinem Besuch meinen Geldbeutel liegen lassen und ihn wiederbekommen. Mit allem drin und dran. Vielen Dank dafür an den ehrlichen Finder, an die evangelische Kirche in Bad Wimpfen und an Frau Jung. Ohne gute, hilfsbereite Menschen wäre die Welt so viel ärmer.

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Bad Wimpfen verabschiedet seine Gäste (Foto: Ulrike Rosina)

Wer mehr über Baden-Württemberg, das Land, die Leute und die Arbeitsmöglichkeiten wissen möchte, findet auf BW-jetzt und beim Urlaubsland Baden-Württemberg reichlich Anregung und ein offenes Ohr für alle Fragen. Und Impressionen gibt es auf #PlaceToBW.

Ralf Günther: Die türkische Mätresse

Dresden, um 1700. August der Starke ist nicht nur für seine Kampfkunst berühmt, sondern auch für seinen Frauenverschleiß. Als er die junge Fatima sieht, setzt er alles daran, sie für sich zu gewinnen. Doch Fatima ist nicht die erwartete leichte Beute.

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(Cover: ullsteinbuchverlage.de)

Als kleines Mädchen wurde Fatima aus der Türkei verschleppt. Nach einigen Umwegen findet sie bei Aurora von Königsmarck ein neues Zuhause. Sie bringt Fatima an den Hof von August dem Starken, der der exotischen Schönheit sofort verfällt. Obwohl sich das Mädchen lange zur Wehr setzt, kann sie sich letztendlich dem Charme des Kurfürsten nicht entziehen.

Als sie seinen Sohn zur Welt bringt, glaubt sie sich Augusts Gunst sicher. Doch es ergeht ihr, wie vielen anderen zuvor: August erkennt das Kind an, wird aber Fatimas bald überdrüssig. Er verheiratet sie mit seinem Kammerherrn, den er auf eine wichtige Mission ins osmanische Reich schickt.

Fatima nimmt Rache

Doch er hat die Rechnung ohne die tief enttäuschte Fatima gemacht. Ohne das Wissen ihres Mannes folgt sie ihm nach Konstantinopel und nutzt ihre Abstammung, ihre Sprachkenntnisse und ihr strategisches Geschick, um auf eigene Faust diplomatische Beziehungen zu knüpfen. Beziehungen, die August den Starken nicht unberührt lassen.

“Die türkische Mätresse” ist solide historische Lektüre, die Einblick in die verworrenen und schnell wechselnden Machtverhältnisse des 18. Jahrhunderts bietet. Für meinen Geschmack leidet das Buch aber immer wieder unter unnötigen Längen. Manchmal ist weniger eben mehr.

Mein Fazit: Interessante Thematik, aber zu sehr in die Länge gezogen.

Ralf Günther

Ralf Günther wurde 1967 in Köln geboren. Er schrieb Krimis, Hörspiele, Sachbücher und Kinderbücher und arbeitet als Drehbuchautor. Sein erster historischer Roman Der Leibarzt wurde sofortein Bestseller. Ralf Günther lebt mit seiner Familie in Dresden.

Buchinfo: Die türkische Mätresse von Ralf Günther, erschienen bei List, Mai 2014, 560 Seiten, TB, € 9,99, ISBN 978-3-548-61211-9. Danke für die Bereitstellung des Rezensionexemplares.

Die Liebe des Kartographen – Petra Durst-Benning

Philip Vogel hat nur eine Leidenschaft: Die Kartographie. Deshalb nimmt er ohne zu Zögern den Auftrag Herzog Ludwigs an, die württembergischen Forste zu erfassen. Auf seiner Reise durchs „Ländle“ träumt Philip von Ruhm und Ehre, schließlich hatte in der Region zuvor noch kein Kartograph ein solch umfassendes Werk erstellt. Dabei trifft er auf die junge Heilerin Xelia, die seinem Leben einen neuen Inhalt gibt.

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Cover: Ullsteinbuchverlage.de

Mit stolzgeschwellter Brust macht sich Philip auf den Weg um sein großes Werk zu erschaffen. Doch nicht alles läuft so glatt, wie er sich das erträumt. Ein schweres Gewitter bringt sein Pferd zum Scheuen, Philipp verliert den Halt, stürzt und bricht sich dabei das Bein. So findet ihn Xelia, eine junge Heilerin und Gerberstochter, und nimmt ihn mit in ihren Unterschlupf im Wald. Hier versteckt sie sich vor den Häschern des Markgrafen, dessen einzigen Sohn sie erschlagen haben soll.

Haben Philip und Xelia eine Chance?

Auf engstem Raum zusammen gepfercht, nähern sich die beiden völlig unterschiedlichen Charaktere nach und nach einander an. In Philip wächst der Respekt vor der starken jungen Frau, die sich so mutig ihrem Schicksal stellt und die äußerst fachkundig sein gebrochenes Bein verarztet hat. Er plant, sie bei einem alten Studienfreund in Blaubeuren in Sicherheit zu bringen. Doch dann entwickelt sich alles ganz anders. Schon bald sind sie zu dritt auf der Flucht.

„Die Liebe des Kartographen“ ist kein neuer „Durst-Benning“ sondern ein Remake aus dem Jahr 2001 (?). Ob das mit den wirtschaftlichen Problemen des Weltbild Verlages zusammenhängt oder ob Petra Durst-Benning die Fortsetzung des ziemlich abrupt endenden Buches plant (falls es die nicht sowieso schon gibt, ich habe dazu nichts gefunden), weiß ich nicht.

Ich persönlich fand das Buch ganz ok aber jetzt nicht herausragend. Die Handlung ist mehr als unwahrscheinlich, aber das ist das Recht der Autoren. Nur so entstehen die wirklich spannende Geschichten. Gestört hat mich aber das sang- und klanglose Ende. Und ich habe schon lange kein Buch mehr mit so vielen Typos gelesen. Vielleicht ist mir ja ein unkorrigiertes Leseexemplar in die Finger gekommen?!

Ein Sonderpunkt für die gute Recherche

Einen Sonderpunkt hat “Die Liebe des Kartographen” von mir bekommen, weil ich lange Jahre im Tübinger Umfeld gewohnt habe und gedanklich die Wege so gut nachgehen konnte.

Petra Durst-Benning

Petra Durst-Benning ist eine der erfolgreichsten und profiliertesten deutschen Autorinnen. Seit über 15 Jahren laden ihre historischen Romane die Leserinnen ein, mit mutigen Frauenfiguren Abenteuer und große Gefühle zu erleben. Auch im Ausland und im TV feiern ihre Romane große Erfolge. Petra Durst-Benning lebt mit ihrem Mann bei Stuttgart.

Mehr erfahren Sie auf Facebook und auf der Homepage der Autorin.

Buchinfo: “Die Liebe des Kartographen” von Petra Durst-Benning, erschienen bei Ullstein, 2008, Neuauflage 2014, € 9,95, ISBN 978-3-548-26787-6

Mehr von Petra Durst-Benning auf Leselustich:
Die Champagnerkönigin

Die Champagnerkönigin von Petra Durst-Benning

1898: Isabelle, Industriellentochter aus Berlin, verliebt sich in den attraktiven Leon Feininger und heiratet ihn gegen den Willen ihrer Eltern. Als Leon unerwartet ein Weingut in der Champagne erbt, scheinen sich Isabelles Träume zu erfüllen. Doch der schöne Schein trügt.

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Cover: ullsteinbuchverlage.de

Isabelles Eltern haben große Pläne mit ihr. Besonders dem Vater, einem Großindustriellen, ist es wichtig, seine Tochter standesgemäß und “gewinnbringend” zu verheiraten. Doch Isabelle verliebt sich unsterblich in den gutaussehenden Leon Feininger, einen Radrennfahrer und Winzersohn. Eine Verbindung, die ihr ehrgeiziger Vater niemals tolerieren würde. Heimlich brennen beide durch, heiraten und finden auf dem Hof von Leons Eltern Unterschlupf. Für Isabelle ein neue Welt, die sie sehr schnell aus dem siebten Himmel auf den Boden der Realität zurück holt.

Verliebt in die Champagne

Erst als ihr Mann unverhofft Erbe eines Weingutes in der Champagne wird, scheint sich alles zum Guten zu wenden. Voller Energie und Hoffnung reist das junge Paar nach Frankreich und verliebt sich auf Anhieb in die einzigartige Landschaft und das Anwesen. Doch während Isabelle die Ärmel hoch krempelt, die Zähne zusammenbeißt und anpackt, wo es nötig ist, überwiegt bei Leon schnell wieder die Leidenschaft für den Radsport. Mit verhängnisvollen Konsequenzen.

Gut situierte junge Frau verliebt sich, wird von den Eltern verstoßen und muss sehen, wie sie sich durchschlägt. Wie es der Zufall so will, bekommt sie die Chance, ein Unternehmen zu leiten und zeigt nun wirklich, was in ihr steckt. Das alles klappt natürlich nicht ohne Schicksalsschläge und Widersacher. Aber am Ende sieht die Liebe dann doch.

Genussvoll schmökern

So kann man viele (historische) “Frauenschmöker” und auch “Die Champagnerkönigin” beschreiben. Doch das tut dem Buch keinen Abbruch. Isabelle ist ein sympathischer Charakter, mit dem man gerne mitfiebert. Auch wenn so manche Entwicklung vorhersehbar ist, tut dies der Leselust keinen Abbruch. Ganz nebenbei lernt man noch etwas über die Geschichte des Champagners und bekommt – natürlich – Lust auf ein Gläschen.

“Die Champagnerkönigin” ist keine große Herausforderung aber ein prima Schmöker für regnerische Wochenenden, die man mit einem guten Glas Wein lesend auf der Couch verbringt. Von mir eine klare Leseempfehlung für alle Fans historischer Romane.

Petra Durst-Benning

Petra Durst-Benning ist eine der erfolgreichsten und profiliertesten deutschen Autorinnen. Seit über 15 Jahren laden ihre historischen Romane die Leserinnen ein, mit mutigen Frauenfiguren Abenteuer und große Gefühle zu erleben. Auch im Ausland und im TV feiern ihre Romane große Erfolge. Petra Durst-Benning lebt mit ihrem Mann bei Stuttgart.

Buchinfo: Die Champagnerkönigin von Petra Durst-Benning, erschienen bei List, September 2013, 528 Seiten, gebunden, € 19,99, ISBN-13 978-3-471-35058-4

Weitere historische Romanempfehlungen von mir: Wie wäre es damit?

Sakrisch guad: Mord und Totschlag in Landshut

Kaum zu glauben: Im idyllischen Landshut treibt ein Geiselnehmer sein Unwesen. Sehr zum Ärger von Kommissar Peter Bernward, der sowieso schon genug am Hals hat. Sein Vater geht im mit seinem Ahnenforschungstick auf die Nerven. Die attraktive Flora Sander gibt ihm einen Korb nach dem anderen. Und jetzt mischen sich die überheblichen Schnösel aus München auch noch in seine Arbeit. Aber nicht mit ihm!

Ein junges, halbnacktes Pärchen wird geknebelt und aneinander gefesselt im Kirchengarten aufgefunden. Wasser auf die Mühlen von Stiftsprobst Tiodoro, missfällt ihm doch das unsittliche Treiben rund um seine Kirche schon seit langem.

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Cover: ullsteinbuchverlage.de

Knapp Hundert Kilometer südlich. Eine Geiselnahme nimmt eine dramatisch Wendung. Die Polizei ist dem Gangster in die Falle getappt und hat statt seiner eine der Geiseln erschossen. Der Schütze setzt alles daran, seine Tat zu vertuschen.

Was zu diesem Zeitpunkt noch niemand ahnt: Beide Fälle stehen miteinander in Verbindung. Und der verzweifelte Versuch des Todesschützen, den Geiselnehmer auf eigene Faust unschädlich zu machen, bringt alle in Lebensgefahr, die Kommissar Bernward in seinem Leben wichtig sind.

Guad ja, sakrisch guad nein

Krimis mit regionalem Anstrich – besonders der bayrischen Couleur – sind seit einiger Zeit das große Trendthema. Wenig erstaunlich, dass sich hier auch Richard Dübell einreihen möchte. “Allerheiligen” startet auch erfolgversprechend spannend und temperamentvoll, “hängt” dann aber für mein Empfinden etwas durch. Mir war die durchaus gut gemachte Story einfach etwas zu langatmig und stellenweise zu gewollt urig-komisch.

Ich vermute aber, dass das vor allem Leser aus der Region Landshut ganz anderes sehen werden. Denn für sie gibt es reichlich Lokalkolorit, das es zu entdecken und bestätigen gilt.

Fazit: Wirklich guter Krimispaß, wenn auch nicht sakrisch guad.

Richard Dübell

Richard Dübell, geboren 1962, lebt mit seiner Frau und zwei Söhnen bei Landshut. Als Autor von historischen Romanen stürmt er seit Jahren die Bestsellerlisten. Mit „Allerheiligen“ legte er den ersten Band einer neuen Krimiserie vor. Mehr über Richard Dübell unter: www.duebell.de

Buchinfo: Allerheiligen von Richard Dübell, erschienen bei ullstein, Mai 2013, 416 Seiten, ISBN-13: 978-3-548-28486-6, € 9,99

Iny Lorentz: Das goldene Ufer

In der Schlacht von Waterloo rettet der Waisenjunge Walther seinem Kommandanten, dem Grafen Renitz, das Leben. Als Dank nimmt dieser den heimatlosen Knaben unter seie Fittiche und lässt ihn gemeinsam mit Diebold, seinem Sohn, auf seinem Schloss ausbilden. Eine Situation, die der junge Graf nicht ungestraft hinnehmen will.

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(Cover: droemer-knaur.de)

Walther hat schon früh seine Familie im Krieg verloren. Fortan ist das Heer seine Heimat. Als Trommlerjunge zieht er mit in die Schlacht von Waterloo. Dort trifft er die kleine Gisela. Auch ihre Eltern begleiten den Tross.

Die beiden Kinder freunden sich an. Walther wird Gisela zum großen Bruder. Mutig setzt er sich für sie bei dem Grafen ein, als ihr Vater in der Schlacht fällt und die Mutter von Leichenfledderern skrupellos niedergemetzelt wird. Mit Erfolg. Auch Gisela darf künftig auf dem Anwesen des Schlossherrn leben.

Nimmt das Schicksal eine gute Wendung?

Alles sieht so aus, als würde das tragische Schicksal der Waisenkinder doch noch ein gutes Ende nehmen. Wären da nicht Diebold und seine Mutter, die Gräfin Renitz. Beide wollen nicht dulden, dass Walther gemeinsam mit dem Grafensohn ausgebildet wird. Doch Graf Renitz steht zu seinem Wort.

Schnell wird klar, wer der intelligentere der beiden Jungen ist. Obwohl Diebold zwei Jahre älter ist als Walther, hinkt er ihm in allem hinterher. Als ihm Walther auch noch als “Aufpasser” zum Studium nach Göttingen begleiten soll, wird aus der jugendlichen Abneigung tiefer Hass.

Walther ahnt, dass er und auch Gisela, die zwischenzeitlich zu einer schönen jungen Frau erblüht ist, nur zur Ruhe kommen werden, wenn sie das gräfliche Anwesen verlassen. Der Plan, nach Amerika auszuwandern, nimmt zunehmend mehr Gestalt in seinem Kopf an.

Aufbruch zum „goldenen Ufer“

Als sich die Situation zuspitzt und Diebold ganz unverhohlen Gisela nachstellt, setzen beiden den Plan in die Tat um. Sie brechen auf zum “goldenen Ufer”.

Mit “Das goldene Ufer” startet das Autorenpaar Iny Lorentz eine neue Roman-Reihe über Amerika-Auswanderer Anfang des 19. Jahrhunderts. Detailliert und gut recherchiert schildern sie die aufwändigen Vorbereitungen, die für eine solche Reise damals nötig waren.

Dabei bleiben die emotionalen Entwicklungen der Story, zum Beispiel die aufkeimende Liebe zwischen Walther und Gisela und der ständig wachsende Hass und die Bösartigkeit Diebolds nicht auf der Strecke. Beim Lesen kann man den Zwiespalt, in dem sich Walther häufig befindet, mitfühlen.

Wie wird es für Walther und Gisela weiter gehen?

Umso erschreckender ist es dann auch für die Leser, als der Plan zu scheitern droht und sie an eine ganz andere Ecke des “Goldenen Ufers” gespült werden, als geplant.Doch wie so oft im Leben führen die Wege des Schicksals in eine gute Richtung, auch wenn man dies zu Beginn nicht wahrhaben mag.

“Das goldene Ufer” ist solide, historische Unterhaltung. Gut Recherchiert, nachvollziehbar, solide. Mir war es stellenweise etwas langatmig, zum Beispiel die Studienzeit. Aber das wäre auch der einzige Kritikpunkt. Ich bin gespannt, wie die Geschichte um Walther und Gisela weiter geht.

Iny Lorentz

Hinter dem Namen Iny Lorentz verbirgt sich ein Münchner Autorenpaar, dessen erster historischer Roman „Die Kastratin“ die Leser auf Anhieb begeisterte. Mit „Die Wanderhure“ gelang ihnen der Durchbruch; der Roman erreichte ein Millionenpublikum. Seither folgt Bestseller auf Bestseller. Die Romane von Iny Lorentz wurden in zahlreiche Länder verkauft. Besuchen Sie auch die Homepage der Autoren: www.inys-und-elmars-romane.de

Buchinfo: Das golden Ufer von Iny Lorentz, erschienen bei Knaur, Mai 2013, 640 Seiten, € 9,99, ISBN: 978-3-426-51169-5

Mehr spannende Einblicke in die Vergangenheit:

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