Melanie Metzenthin: Die Hafenschwester – Als wir wieder Hoffnung hatten

Frühjahr 1913. Martha ist glücklich. Verheiratet mit ihrer großen Liebe, drei gesunde Kinder, eine schöne Wohnung. Davon hätte sie nie zu träumen gewagt. Aber das Glück ist trügerisch und hält harte Prüfungen für die Hafenschwester bereit.

Die Hafenschwester 1 von Melanie Metzenthin

Martha ist Ende des 19. Jahrhunderts im Hamburger Gängeviertel aufgewachsen. Dort, wo die Ärmsten der Armen unter unwürdigen Bedingungen hausten und kaum eine Chance auf ein besseres Leben hatten. Als ihre kleine Schwester und ihre Mutter kurz nacheinander an der Cholera sterben, ist sie gerade mal 14 Jahre alt. Ihre Zukunft sieht düster aus, zumal der Vater sich in den Alkohol flüchtet und Martha zu allem Überfluss auch noch mit dem kleinen Bruder alleine lässt. Aber das junge Mädchen nimmt sein Leben in die Hand und kämpft. Für sich und für ein besseres Leben für alle Menschen, die nicht das Glück hatten, in einem sicheren und behüteten Umfeld aufgewachsen zu sein. Ein sehr spannender Kampf, den Melanie Metzenthin in Band eins der Hafenschwester-Serie super lebendig beschrieben hat.

Rund zwanzig Jahre später. Martha hat unfassbar viel erreicht. In Paul hat sie die Liebe ihres Lebens gefunden und geheiratet. Gemeinsam mit ihren drei Kindern leben sie in einer schönen, modernen Wohnung. Pauls Ingenieursgehalt sichert ihnen ein gutes Auskommen. Einziger Wermutstropfen: Als verheiratete Frau darf Martha ihren erlernten Beruf als Krankenschwester nicht mehr ausüben. Aber inzwischen hat sie sich in Hamburg längst als Die Hafenschwester einen Namen gemacht. Ehrenamtlich kümmert sie sich um die Armen und Kranken in ihrem Viertel und kämpft als überzeugte Sozialistin, wie schon in Band eins, für die Rechte der Frauen.

Martha nimmt den Kampf auf

Alles scheint perfekt, bis der erste Weltkrieg ausbricht. In den ersten Jahren ist Paul durch sein Alter und seinen Beruf als Ingenieur in einer Werft noch vor der Einberufung geschützt. Doch je auswegloser die Situation an der Front wird, desto mehr Männer werden einberufen. Auch Paul kann sich nicht entziehen. Schweren Herzens fügt sich Martha in ihr Schicksal. Bis sie plötzlich nichts mehr von Paul hört. Niemand weiß, ob ihm etwas passiert ist, ob er noch lebt. Eigentlich ist er ja als Techniker hinter der Front in der Instandsetzung im Einsatz, sein Risiko also eher gering.

Die Wochen vergehen, die Unsicherheit wächst. Bis Martha einen Brief von einem Frontarzt erhält. Paul ist schwer verletzt. Da der Arzt von Paul weiß, dass Martha OP-Schwester ist, macht er keinen Hehl daraus, wie gravierend die Verletzungen sind. Für Martha bricht eine Welt zusammen. Doch sie stellt sich der Situation und nimmt den Kampf auf. Den Kampf um Pauls Rehabilitation und das Überleben ihrer Familie.

Band eins war toll, Band zwei auch!

Ich war von Band eins der Hafenschwester, Als wir an die Zukunft glaubten, restlos begeistert und habe sehnsüchtig auf Band zwei gewartet. Und wieder habe ich die fast 500 Seiten verschlungen. Melanie Metzenthin recherchiert toll, schreibt spannend und lässt ihre Charaktere so lebendig werden, dass ich mich ihnen nicht entziehen kann und will.

Gerade in der aktuellen Zeit, in der sich Menschen über kleine Einschränkungen beschweren, ist es umso beeindruckender, wie positiv Martha sich dem Schicksal stellt und immer wieder kämpft. Das zeigt, wie viel Kraft wir haben, wenn wir dem Leben und seinen Veränderungen gegenüber positiv eingestellt sind. Und so oft musste ich denken: Aha, das ist also die Zeit, die sich einige Verwirrte zurückwünschen. Vielleicht sollte ich ihnen dieses Buch empfehlen.

Doch zurück zur Hafenschwester und Melanie Metzenthin: Danke! Danke! Danke! Wieder ein tolles Buch. Ich warte voller Vorfreude auf Band drei.

Übrigens, ich empfehle, Band eins erst zu lesen. Band zwei setzt da nahtlos an und den ein oder anderen kurzen Rückblick versteht man nicht, ohne Band eins gelesen zu haben.

Melanie Metzenthin

Melanie Metzenthin wurde 1969 in Hamburg geboren, wo sie auch heute noch lebt und als Fachärztin für Psychiatrie arbeitet. Mit der Vergangenheit ihrer Heimatstadt fühlt sie sich ebenso verbunden wie mit der Geschichte der Medizin, was in vielen ihrer Romane zum Ausdruck kommt. »Die Hafenschwester. Als wir zu träumen wagten« ist ihr erster Roman im Diana Verlag und der Auftakt zu einer Serie.

Buchinfo: Die Hafenschwester (2) von Melanie Metzenthin, erschienen bei Diana, 14. September 2020, 496 Seiten, Klappenbroschur, € 15,00, ISBN: 978-3-453-29244-4. Danke für das Leseexemplar.

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