Stephan Bartels: Vatertage

Simon soll 697,69 Euro Pflegebeteiligung für seinen Vater Michael Petersen bezahlen. Der Haken daran: Mit diesem Mann hat er in 39 Jahren kein einziges Wort gesprochen. Wutentbrannt fährt er zum Amt und erfährt, dass die knapp 700 Euro, die er künftig aufbringen soll, nur die Spitze des Eisberges ist.

Vatertage von Stephan BartelsWas entscheidet eigentlich darüber, wem man sich verwandt fühlt? Wem man sich zugehörig fehlt? Reicht es, dass sich im Stammbaum eine Verbindung herstellen lässt oder muss da mehr passieren?

Vor diesen Fragen steht Simon, als ihm ein offizieller Zahlungsbescheid ins Haus flattert. 697,69 Euro soll er künftig für die Pflege seines Vaters zahlen. Einen Vater, von dem er gerade mal den Namen kennt, den er dreimal im Leben für wenige Minuten gesehen und mit dem er nie ein Wort gewechselt hat.

700 Euro für einen Fremden?

697,69 Euro, die er sich überhaupt nicht leisten kann. Nicht jetzt, wo sich die Familie gerade ein Stadthaus in Hamburg gekauft hat und er sich die Elternzeit für die beiden Töchter mit seiner Frau teilt.

Der Familienrat tagt und Simon beschließt, direkt beim Amt Einspruch zu erheben. Warum muss er für einen Menschen zahlen, der Zeit seines Lebens keinen Cent für ihn bezahlt hat. Doch bei Sachbearbeiter Krusenbaum beißt er auf Granit. Vater ist Vater und bei den Geschwistern ist nun mal nichts zu holen. Geschwister? Welche Geschwister? Simon hat keine Geschwister…

Locker-flockig mit Einladung zum Tiefgang

Auf den ersten Blick kommt Vatertage von Stephan Bartels so locker leicht und flockig daher, doch kaum lässt man sich darauf ein, gerät man ins Grübeln. Wie würde ich selbst in so einem Fall reagieren? Und hätte ich den Mut, mich diesem Menschen, der mein Erzeuger ist, in seinen letzten Tagen oder Wochen zu stellen? Würde ich zähneknirschend zahlen, um mich der Situation nicht stellen zu müssen? Auch wenn ich in genau diese Situation nicht kommen kann, bei mir sind die Familienverhältnisse, zumindest was meinen Vater betrifft, klar, hat mich Stephan Bartels zum Nachdenken gebracht. Ist mein Verhältnis zu älteren Verwandten ok, so wie es ist? Werde ich vielleicht nach ihrem Tod bereuen, es nicht intensiviert zu haben?

Doch stopp, ich möchte ein wirklich unterhaltsames und charmant geschriebenes nicht unnötig tiefsinnig reden. Vatertage ist sehr gelungene Unterhaltung und ein wirklich tolles Buch für den Sommerurlaub oder entspannte Stunden auf dem Balkon oder am See.

Kauft es, lest es und wundert euch, welche Kapriolen das Leben schlagen kann!

Stephan Bartels

Stephan Bartels, geboren 1967, freier Journalist, hat sich mit Texten für Stern, Die Zeit, Brigitte und Barbara einen Namen gemacht. Er ist Vater eines erwachsenen Sohnes und lebt in Hamburg.

Buchinfo: Vatertage von Stephan Bartels, erschienen bei Heyne, 10.04.2018, 368 Seiten, € 12,99, ISBN: 978-3-453-43898-9. Danke für das Leseexemplar.

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Max Zadow: Mordkater plus Gewinnspiel

Ich mag ja Überraschungen. Kürzlich hatte ich wieder eine im Briefkasten. Ein großer, brauner, ganz normaler Umschlag. Kein Absender. Inhalt von außen tastbar: Ziemlich sicher zwei Bücher.

MordskaterAn und für sich keine Seltenheit, aber im Normalfall anders verpackt und mit Absender. Ich war neugierig.

In der Wohnung angekommen, wurde der Umschlag sofort aufgerissen. Immer noch nicht schlauer. Jedes Buch, inzwischen war ich mir selbst da nicht mehr ganz sicher, einzeln in weißes Kopierpapier gewickelt. So kam noch kein Buch vom Verlag.

Vorsicht: Cat Content!

Papier von Paket eins abgerissen. Grinsen im Gesicht. Elvis, der Mordskater, schaut mir entgegen. Letztes Jahr im Herbst bin ich ihm zum Opfer gefallen und habe den “Butzelmann” mit viel Genuss verschlungen. Ein bisschen habe ich mich dafür geschämt. Katzenbücher… so weit ist es mit mir schon gekommen. Trotzdem bin ich heimlich, still und leise immer mal wieder über die Facebookseite von Max Zadow, dem Autor, geschlichen, um zu sehen, wann Nachschub kommt. Jetzt hatte ich ihn in den Händen. Einfach so und gleich in doppelter Ausfertigung. Den doppelten Elvis quasi.

Aber warum gleich zwei Exemplare? Weiß der Autor, dass ich manchmal etwas schusselig bin und Dinge verlege? Wenn ja, wer hat es ihm verraten? Oder hat er gleich Hundert selbst gekauft und weiß nun nicht wohin damit?

Eins für mich, eins für Dich

Alles falsch. Max Zadow dachte sich: Wenn ihr das Buch gefällt, kennt sie vielleicht noch jemanden, dem es gefallen könnte. Also hat er beide Bücher mit einer persönlichen Widmung* versehen. Meines personalisiert, deines neutral. Schließlich weiß er nicht, wer du bist. Und ich weiß es auch noch nicht.

Ehe ich dir verrate, wie du den Mordskater für dich gewinnen kannst, gibt es einen kleinen Einblick in die neuesten Abenteuer des kleinen Glückskaters.

Glücklich aber unfruchtbar

Dreifarbige Katzen, schwarz-weiß-rot, nennt man im Volksmund Glückskatzen. Und meist sind es auch wirklich Katzen. Dreifarbige Kater sind äußerst selten und fast immer unfruchtbar. Ein Wissen, das männliche Besitzer vielleicht nicht so ganz einfach verschmerzen können. Aber so ist es nun mal. Entweder Rarität oder fruchtbar. Was Elvis im Grunde aber völlig egal sein kann. Er soll eh keine Babys…. Aber lassen wir das.

Wie schon in Elvis hat das Gebäude verlassen, spielen Herr und Frau Dr. Hiller, die Balkon-Nazis von nebenan, wieder eine tragende oder vielmehr dramatische Rolle. Ihr Graupapagei Goethe ist in seinem Käfig aufs Brutalste gemeuchelt worden. Klar, dass Dr. Hiller Elvis die Schuld in die Schuhe schieben will. Aber nicht mit Max und seiner Freundin Laura. Wozu ist diese schließlich Staatsanwältin?

Goethe ist tot

Eine spannende und amüsante Jagd nach dem Täter beginnt. Die heimliche Obduktion des Mordopfers bringt schließlich Licht ins Dunkel und wie in jedem guten Krimi, ist am Ende alles ganz anders, als ursprünglich vermutet.

Eines der Highlights auch in diesem wieder: Jupp Boor, der Kölsche Hausmeister, der redet, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Kölsch eben**. Und natürlich Kevin, sein Klingonenkater.

Auch das zweite Buch von Max Zadow habe ich wieder mit sattem Grinsen im Gesicht gelesen. Allerdings fand es ich es nicht ganz so locker flockig wie das Erstlingswerk. Und Kartoffelgabeln werde ich lange Zeit nicht mehr wertfrei betrachten können. Zum Glück verwende ich keine.

Trotzdem bin ich jetzt schon gespannt, wie es mit Elvis, Lisa und Max weitergeht. Ich vermute mal, in der nächsten Folge wird ein Bernhardiner eine nicht unwichtige Rolle spielen. Woher ich das weiß? Lest doch selbst nach!

Und jetzt bist du dran

Wie bereits oben erwähnt, hat mir Max Zadow zwei Exemplare von Mordskater zukommen lassen. Eines davon ist schon für dich signiert.

Und so kommt es zu dir:

  • Hinterlasse ab sofort bis spätestens 17.07.2016 unter diesem Blogpost einen Kommentar.
  • Beantworte darin die folgende Frage: Was war deine spannendste/witzigste/dramatischste Geschichte mit (d)einer Katze? Vielleicht inspirierst du ja Max Zadow damit zu seinem nächsten Buch?!
  • Verlost wird  ein signiertes Exemplar des o.g. Buches. Danke dafür an den Autor.
  • Die Verlosung erfolgt bis spätestens 20.07.2016.
  • Der oder die Gewinnerin wird zur Ermittlung der Versandadresse von mir per E-Mail kontaktiert, also gebt bitte eine E-Mail-Adresse an. E-Mail- und Versandadresse werden von mir ausschließlich zum Versand des Buches verwendet.
  • Gib keine Adressen in den Kommentaren an (Datenschutz!).
  • Versendet wird ausschließlich an Adressen in Deutschland.

Viel Glück und viel Spaß mit Elvis!

* gut, dass der Buchdruck erfunden worden ist und wir auf Manuskripte verzichten können 😉
** keine Sorge, es gibt ein umfassendes Glossar für alle Nichtkölner.

Max Zadow

Max Zadow, geboren 1986, hat Geographie studiert und lebt in der Nähe von Köln. Seit Sommer 2012 ist er eher unfreiwilliger Katzenbesitzer. Trotz aller Meinungsverschiedenheiten zwischen Kater und Autor ist der allabendliche Spaziergang Pflichtprogramm für die beiden Herren.

Buchinfo: Mordskater von Max Zadow, erschienen bei Ullstein, 17.06.2016, 224 Seiten, € 9,99, ISBN-13 978-3-548-28670-9. Vielen Dank für das Leseexemplar.

Abidi/Koeseling: Urlaubstraum(a)

Juhu! Endlich! Urlaub! Entspannen, die Seele baumeln lassen. Ein nettes Häuschen am Meer, eine Wohnung in den Bergen oder ein idyllischer Campingplatz. Darauf freut sich jeder. Um dann festzustellen: Mist, so habe ich mir das aber nicht vorgestellt.

UrlaubstraumKaum kommt die Sonne so richtig heraus, steigt die Lust auf Urlaub. Viel Zeit mit der Familie oder den Freunden verbringen. Oder einfach mal abschalten. Kein Wecker, der genau dann klingelt, wenn der Traum am schönsten ist. Kein Streit mit den Kindern, weil die Hausaufgaben immer noch nicht gemacht sind. Und um Balkon und Garten kümmert sich Oma. Herrlich!

Dummerweise läuft aber dann doch nicht alles so glatt. Dass das die unterschiedlichsten Gründe haben kann, zeigen Heike Abidi und Anja Koeseling in 39 Geschichten vom Ferienwahnsinn.

Das Navi spinnt

Johanna und ihr Freund unterwegs in Spanien. Dank deutschsprachigem Navi im Leihwagen sind der Flexibilität keine Grenzen gesetzt. Eigentlich… Denn plötzlich entwickelt das Ding ein Eigenleben und verbündet sich mit Johannas Freund. Gibt es noch eine Chance für den gemeinsamen Urlaub?

Onkel Jo sitzt auf dem Klo!

Ihr kennt die Geschichte vom Hasen und vom Igel? So ähnlich geht es Familie Steinkamp aus Bonn. Mit dem Hund im Kofferraum und den nörgelnden Kindern auf dem Rücksitz, kämpfen sie sich auf der vollen Autobahn Richtung Norden. Dort wartet ein schnuckeliges Ferienhäuschen mit viel Grün für Kinder und Hund und hoffentlich ausreichend Zeit für die Eltern. Doch endlich angekommen, wartet eine Überraschung: Onkel Jo sitzt auf dem Klo!

Mir fahret jetzt nach Ällis Schprings

Seit mehr als 25 Jahren lebe ich jetzt als Rei’g’schmeckte in Schwaben. Da muss ich natürlich die Story der jungen Dame, die es vom beschaulichen Ländle ins heiße Australien verschlägt, ansprechen. Und dort erlebt sie, was vermutlich jeder Schwabe und jetzt Schwäbin schon erlebt hat: Egal, wie weit du wegfährst, die Schwaben sind schon da.

Murphys Urlaub

Familie Knapp hat im Lotto gewonnen. Zeit für Urlaub, endlich! Und weil sie nichts falsch machen wollen, lassen sie sich im Reisebüro ausführlich beraten. Eine gute Entscheidung, denn ihre Glückssträhne scheint nicht abzureißen. Der Mitarbeiter hat eine super Gelegenheit für sie. El Arenal zum Schnäppchenpreis. Urlaub zum absoluten Sonderpreis. Familie Knapp schlägt zu und erlebt ihr blaues Wunder.

Urlaubstraum1
Wenn die Katze vom Urlaub träumt

So genug gespoilert, ich will ja nicht alles verraten. Lest einfach selbst und amüsiert euch. Oder denkt: Boah, ein Glück ist mir so was noch nie passiert!
Urlaubstraum(a) ist das passende Buch für den Urlaub, egal ob daheim oder irgendwo auf der Welt. Je nach Stimmung findet jede und jeder die passenden Geschichten. Grinsen garantiert. Ob zufrieden oder schadenfroh müsst ihr selbst herausfinden. Denn seit heute ist das Buch im Handel.

Die Autoren und Autorinnen

Heike Abidi, Carolina Baum, Ursi Breidenbach, Kerstin Bätz, Volker Bätz, Susanne Böckle, Julia Dombrowski, Akram El-Bahays, Franziska Fischer, Manon Garcia, Christa Goede, Heike Karen Gürtler, Moritz Hampel, Moritz Hampel, Charlotte Hirsch, Anja Koeseling, Olaf Köhler, Verena Napiontek, Petra Plaum, Dr. Andreas Schaale, Heike Eva Schmidt, Heike Schulz, Andrea Schütze, Tina Schrödl, Sebastian Thiel

Buchinfo: Urlaubstraum(a) herausgegeben von Heike Abidi und Anja Koeseling, erschienen bei Eden Books, 17.05.2016, 336 Seiten, € 9,95, ISBN 978-3-959100-62-5

Mehr von Heike Abidi und Anja Koeseling: Oh Scheck, du Fröhliche

 

Renée Karthee: Fieser die Glocken nie klingen

Annalena hat Weihnachten geliebt. Doch heute kann sie nur noch zusehen, wie andere das Fest der Liebe genießen, denn sie selbst ist allein und kann sich kein noch so kleines Extra gönnen. Als sie zufällig auf ein Grüppchen Frauen trifft, die alle ebenfalls so ihre Probleme mit dem Fest haben, scheint sich alles zum Guten zu wenden. Gemeinsam wollen Sie sich über ihren Frust hinweghelfen und auf Weihnachten pfeifen.  

Fieser die GlockenHeiligabend war früher für Annalena der schönste Tag des Jahres. Sie konnte das Schmücken und Vorbereiten mit allen Fasern genießen. Doch seit ihr Mann weg ist, überwiegt die Trauer. Und weil sie mit jedem Pfennig rechnen muss, streicht sie das Fest der Liebe aus ihrem Leben. Kaum hat sie den Entschluss gefasst, findet sie sich in einem Kreis unterschiedlichster Frauen wieder, die aus unterschiedlichsten Gründen den gleichen Vorsatz haben und unversehens wird Weihnachten doch noch schön.

Keine Weihnachtsbuch!

Renée Karthee nennt ihr Buch ausdrücklich “Kein Weihnachtsbuch”. In der Tat ist es das auch nicht so wirklich. Auch wenn es um die “besinnliche Zeit”, um Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt und um Weihnachtsschmuck satt geht, gibt es in “Fieser die Glocken nie klingen” noch eine ganz andere Seite. Die hoffnungslose Seite, die gerade an solchen Tagen besonders düster daher kommt.

Der Autorin ist es prima gelungen, beide Seiten witzig und humorvoll miteinander zu einem überwiegend amüsanten, machmal auch leicht wehmütigen (nicht nur) Frauenbuch zu verknüpfen. Ich würde wetten, jede und jeder von uns findet darin Sätze, die von ihm oder ihr selbst sein könnten.

Genüsslicher Lesespaß auch oder gerade für blöde Tage im Leben.  

Renée Karthee

Renée Karthee war viele Jahre Redakteurin beim STERN und ist heute Autorin zahlreicher Kinderbücher und erfolgreiche Drehbuchautorin. Sie lebt zusammen mit ihrem Mann und dem gemeinsamen Sohn in Hamburg.

Buchinfo: Fieser die Glocken nie klingen von Renée Karthee, erschienen bei List, 09.10.2015, 272 Seiten, Broschur, 8,00 Euro, ISBN 978-3-548-61302-4. Danke für das Leseexemplar.

 

Anna Stein: Fräulein Kubitschek pfeift auf die Liebe

Die Liebe ist Kokolores, Schnickschnack und grober Unfug zugleich. So denkt Charlotte Kubitschek über die Liebe. Was nicht bedeutet, dass es in ihrem Leben keine Männer gibt. Aber eben keine, die nach einer heißen Nacht zum Frühstück bleiben dürfen. Von der 93-jährigen Nachbarin Elise erntet Charlotte für diese Haltung nur Kopfschütteln und bissige Kommentare. Bis das alte Haus, in dem sie wohnen, luxussaniert werden soll. Denn jetzt haben die Streithennen ein gemeinsames Ziel für ihre Aggressionen: Den Vermieter.

Berlin, Roman, Liebe, HumorCharlotte glaubt nicht an die Liebe. Oder vielmehr nicht mehr. Ihre Männer sucht sie sich jetzt nur noch für eine Nacht. Am Morgen werden sie dann schon mal in Unterwäsche aus dem Haus gejagt. Sehr zum Entsetzen der “fiesen Elise”, der 94-jährigen Nachbarin aus dem Erdgeschoss. Beide sind wie Feuer und Wasser. Wo sie sich treffen, fliegen die Fetzen. Frei Berliner Schnauze quasi. Schlichten kann nur Juri, der seinen Laden ebenfalls im Haus hat.

Luxussanierung ist keine Lösung

Das ändert sich dramatisch, als der Vermieter ihnen die Daumenschrauben anlegt. Er will das Haus endlich sanieren, um die Wohnungen dann zu wesentlichen höheren Preisen wieder zu vermieten. Luxussanierung also. So wie bei den Nachbarhäusern. Die Konsequenz: Die “Ur-Einwohner” werden an den Stadtrand verdrängt, wo sie noch einigermaßen bezahlbaren Wohnraum finden können. Egal, ob sie sechs oder sechzig Jahre in ihrer Wohnung gelebt haben.

Doch nicht mit Charlotte, Elise und Juri. Sie sagen dem Vermieter den Kampf an.

Fräulein Kubitschek pfeift auf die Liebe ist ein erfrischend witziges Buch, auch wenn es um sein sehr reales und wenig schönes Thema geht. Zwei Frauen, die auf den ersten Blick unterschiedlicher nicht sein könnten, aber eines gemeinsam haben: Ordentlich Feuer unterm Hintern. Ein Mann, der sich der Tatkraft der beiden Frauen nicht entziehen kann. Und dann noch ein weiterer, mit dem plötzlich doch die Liebe ins Spiel kommt.

Lesespaß im wahrsten Sinne des Wortes

Ich habe Fräulein Kubitschek pfeift auf die Liebe von Anna Stein mit Begeisterung gelesen. Die Berliner Schnauze der “fiesen” Elise hatte daran nicht wenig Anteil. Wer beim Lesen schmunzeln möchte, sollte Anna Steins Buch lesen.

Anna Stein

Anna Stein, Jahrgang 1975, ist in Hoyerswerda geboren und aufgewachsen. Sie arbeitete einige Jahre in der Werbe- und Medienbrache und ist derzeit für das Fundraising und die Öffentlichkeitsarbeit einer gemeinnützigen Organisation tätig. Immer wieder zog es Anna Stein ins Ausland. So wusch sie in London Teller, arbeitete in Kambodscha in einer Hilfsorganisation und hütete Ziegen in den Bergen Südfrankreichs. Heute lebt und arbeitet sie in Berlin. „Fräulein Kubitschek pfeift auf die Liebe“ ist ihr Debütroman.

Buchinfo: Fräulein Kubitschek pfeift auf die Liebe von Anna Stein, erschienen bei KNAUR, Juli 2015, 272 Seiten, Taschenbuch, 9,99 Euro, ISBN 978-3-426-51658-4. Danke für das Leseexemplar.

 

Hans Scheibner: Alle Jahre Oma

In der Innenstadt duftet es schon nach Glühwein. Die ersten Fenster sind heimelig beleuchtet. Und der Briefkasten quillt über vor Werbung. Spielzeug, Kosmetik, Mode, Schnickschnack, alles was man eben so zum Verschenken braucht. Es ist einfach nicht zu leugnen: Weihnachten steht vor der Tür. Nicht für jeden das Fest der Liebe.

9783471351093_coverAusgerechnet an Weihnachten soll Helene Kreienbohm im Pflegeheim bleiben. Dabei hat sie sich doch nur den Oberschenkelhals gebrochen. Ok, vor Jahren war das noch so richtig gefährlich bei alten Menschen. Aber heute doch nicht mehr. Also kein Grund für die Familie, sie so einfach abzuschieben. Nicht mal zu Besuch wollen sie an Heiligabend kommen. Wenn doch wenigsten Mozart da wäre, ihr treuer Hund. Aber für den will die Familie ja gut sorgen, bis sie selbst wieder mobil ist und sich selbst versorgen kann. Ob sie das wohl wirklich tun? Womöglich haben sie das arme Tier ja längst ins Tierheim abgeschoben. Frau Kreienbohm braucht Klarheit und schmiedet gemeinsam mit Herrn Reimann einen kühnen Plan.

Hänsel und Gretel 2.0

Wie würde eigentlich Leon-Louis und Kaya-Mailin ähm ich meine Hänsel und Gretel heute ablaufen? Quasi Hänsel und Gretel 2.0. 2015, wo das Smartphone mit Allnet-Flat praktisch zur Säuglingsausstattung gehört. Hans Scheibner hat das so eine Idee. Übrigens auch zur Weihnachtsgeschichte an sich. Die gehört nämlich längst sozialkritisch überarbeitet. Kann man doch heute nicht mehr so stehen lassen. Vielleicht ist ja Scheibners Version die Vorlage für das diesjährige Schultheater?

Wir wurden nicht warm

Um es kurz zu machen, Hans Scheibner nimmt – wie zu erwarten – Weihnachten ordentlich auf die Schippe. Mal böse, mal ironisch, mal versaut. Im Grunde also eine Mischung, mit der ich sehr gut kann. Zu schwarz gibt es bei mir in Sachen Humor ja kaum. Trotzdem bin ich mit “Alle Jahre Oma” nicht wirklich warm geworden. Warum kann ich eigentlich nicht so genau sagen. Ich glaube, auf mich hat das Buch etwas zu angestrengt gewirkt. Zu bemüht, in jedem Kapitel einen Klopper zu landen.

Trotzdem ein nettes kleines Buch für alle, die nicht alles so bierernst sehen und auch über derbere Witze mal lachen können.

Hans Scheibner

Hans Scheibner ist Kabarettist, Liedermacher, satirischer Sänger und Poet. Mit seinen Kabarett- und Liederprogrammen begeistert der Altmeister des satirischen Humors ganz Deutschland.

Buchinfo: Alle Jahre Oma von Hans Scheibner, erschienen bei List, 09.10.2015, 256 Seiten, gebunden, 14,99 Euro, ISBN 978-3-471-35109-3. Vielen Dank für die Bereitstellung des Leseexemplares.

Elvis hat das Gebäude verlassen

Ich liebe Katzen. Eine wohnt auch bei mir. Aber bislang ging die Zuneigung nie so weit, dass ich Katzenbücher gelesen habe. Egal wer sie geschrieben hat, egal ob Krimi, Herzschmerz oder einfach nur süß. Jetzt hat mich Kater Elvis ausgetrickst.

Elvis hat das Gebäude verlassen, UllsteinWas mich dazu bewegt hat, für den kleinen Kater Elvis eine Ausnahme zu machen, kann ich nicht genau sagen. Es hat auf jeden Fall mit dem Titel zu tun. Der Satz “The King (Elvis) has left the builing” ist legendär. Zumindest für Presley-Liebhaber. Vermutlich hat auch das dreifarbige Glückskätzchen auf dem Cover dazu beigetragen.

Vögel liebende “Balkon-Nazis”

Egal, was der Auslöser war, ich habe die Entscheidung nicht bereut. “Elvis hat das Gebäude verlassen” hat reichlich Schmunzelpotenzial. Da wird der wenig katzenbegeisterte “Mitbewohner” mal eben um den Finger gewickelt. Wer mit Katzen lebt, weiß, wie das geht. 😉

Über die Vögel liebenden “Balkon-Nazis” von nebenan kann man sich ebenfalls beömmeln.

Und der munter kölnernde Hausmeister schießt dann den Vogel ab.

Et kütt wie et kütt

Mit “Elvis hat das Gebäude verlassen” kommt auf jeden Fall Spaß in die Wohnung. Sogar für StarTreck Fans. Wobei denen zwischendurch mal ein wenig das Herz bluten wird. Warum? Das kann ich nicht verraten. Ich will ja nicht spoilern. Nur so viel sei verraten: Eine geheimnisvolle Klingonen-Katze spielt eine nicht unwesentliche Rolle.

Entspannen mit Elvis

Ob man beim sich beim Lesen auch noch Presley auf die Ohren gibt oder nicht, “Elvis hat das Gebäude verlassen” steht für entspanntes Lesevergnügen und leichte, lustige Unterhaltung.

Deshalb von mir Daumen hoch und Leseempfehlung!

Max Zadow

Max Zadow, geboren 1986, hat Geographie studiert und lebt in der Nähe von Köln. Seit Sommer 2012 ist er eher unfreiwilliger Katzenbesitzer. Trotz aller Meinungsverschiedenheiten zwischen Kater und Autor ist der allabendliche Spaziergang Pflichtprogramm für die beiden Herren.

Buchinfo: “Elvis hat das Gebäude verlassen” von Max Zadow, erschienen bei Ullstein, 11.09.2015, 304 Seiten, Taschenbuch, € 9,99, ISBN 978-3-548-28698-3