Ghostwriter: Kein Bier vor vier und keine Leiche ohne Eis

Alle wollen sie nur das eine von ihm: Geld! Erst die Exfrau und die Kinder, dann der Vermieter und jetzt auch noch der Wirt seiner Stammkneipe. Doch woher nehmen? Schließlich ist Volkmar Vogt, oder Volvo, wie ihn seine Freunde nennen, als Autor bislang kläglich gescheitert. Da kommt seinem Agenten eine grandiose Idee.

Ghostwriter, Schriftsteller, Krimi, witzig, rororo
Cover: rororo.de

Irgendwie ist Volkmar Vogt, genannt Volvo, ein Versager auf der ganzen Linie. Genau genommen ist er ja Autor. Aber das weiß keiner so richtig zu schätzen. Nach der Trennung nimmt seine Exfrau ihn aus wie eine Weihnachtsgans. Jetzt soll er sogar noch den Therapeuten bezahlen, den sie aufsuchen muss, weil er, Volvo, sie so mies behandelt habe. Was soll er selbst denn da sagen? Er selbst bezahlt schließlich einen in die Jahre gekommenen Exrocker, damit er ihn jederzeit vollquatschen kann. Ok, als Kneipenwirt macht der das nur semiprofessionell und auch nicht exklusiv. Eher so für das halbe Viertel. Aber immerhin.

Kurt Kalinski ist tot, es lebe Kurt Kalinski!

Im Gegensatz zu Volvo gehört Kurt Kalinski zu den ganz Großen. Er ist ein Starautor, bei dem jedes Buch im Vorfeld schon zum Bestseller deklariert wird. Deklariert wurde. Denn Kurt Kalinski ist tot. Gestorben kurz bevor er seinen überall bereits angepriesenen, neuen Roman beenden konnte. Aber das weiß nur Möller, sein Literaturagent. Der hat ihn nämlich ganz zufällig gefunden. Tot in seinem Sessel saß er. Noch weiß die Öffentlichkeit nichts davon und deshalb hat Möller auch eine hervorragende Idee: Niemand erfährt von Kalinskis Ableben und Volvo schreibt den Roman ganz einfach fertig.

Ghostwriter für einen anderen Autor? Dafür ist sich ein Volkmar Vogt dann doch zu schade. Zumindest so lange, bis der Kneipenwirt sich auch noch weigert, ihm seine Deckel zu stunden. Aus Volvo wird Kurt Kalinski.

Herrlich wirr und liebenswert

“Ghostwriter” ist ein herrliches Verwirrspiel, das zeigt: Man sollte sich nie zu sicher sein, dass der Tote wirklich der Tote ist. Vor allem dann nicht, wenn man ihn in einer Kühltruhe lagert, die auch das Eis für eine coole Fete beherrbergen soll. Und wenn der Tote noch dazu einen dickschädeligen Hund hatte, der ihn überlebt hat, kann man schon mal an Verschwörung glauben. Gut, dass der Weinkeller so üppig gefüllt ist. Nüchtern wäre das mörderische Chaos nicht zu ertragen.

Ein liebenswertes Chaos, hervorragend geeignet für einen Herbsttag auf der Couch. Von mir eine Leseempfehlung.

Jesko Wilke

Jesko Wilke, 1959 in Hamburg geboren, studierte Philosophie, Kunsttherapie und Kunstpädagogik. Danach war er einige Jahre in sozialen Einrichtungen tätig. Anschließend arbeitete er für die Verlagsgruppe Milchstraße. Seit 2002 ist er Sachbuchautor und freier Journalist und schreibt für verschiedene Magazine. Jesko Wilke hat zwei erwachsene Kinder, er lebt mit Frau und Hund südlich von Hamburg.

Buchinfo: Ghostwriter von Jesko Wilke, erschienen bei rororo, Oktober 2012, 288 Seiten, € 8,99, ISBN 978-3-499-25849-7

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Veröffentlicht von

Ulrike

Ich verstehe analoge Bedenken und kann digitalen Mut machen. Und ich übersetze zwischen beiden Welten. In Unternehmen, bei MitarbeiterInnen, im Dienstleistungsumfeld, im Privatleben, auf meinen Blogs. Das ist meine Leidenschaft.

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