Die perfekte Pizza aus der Tiefkühltruhe

Vor Kurzem habe ich mich an Pizzateig nach dem Rezept von perfekte-pizza.de versucht und war begeistert. Zu Testzwecken wanderte eine Portion Teig gleich in die Gefriertruhe. Ergebnis: Es tut der Qualität keinen Abbruch.

Ich habe begeistert berichtet: Die Pizza, wie von perfekte-pizza.de beschrieben, ist wirklich der Hammer. Da es relativ schwierig ist, ihn auf eine einzige Pizza herunter zu dosieren, habe ich den Restteig gleich für Experimente genutzt.

Die erste kam gleich nach der Zubereitung, also ohne die 24 Stunden „Gehzeit“ im Kühlschrank, unter das Nudelholz. Das Ergebnis: Extrem lecker! Nummer zwei wanderte nach ca. 24 Stunden in den Backofen. Das Ergebnis: Extrem lecker! Nummer drei ging zum Kälteschlaf in die Gefriertruhe.

Die Hefegeister wurden aus dem Kälteschlaf geweckt

Jetzt wurde „Schneepizzchen“ wach geküsst. Schonend im Kühlschrank auftauen lassen, dann bei Raumtemperatur die Hefegeister reaktivieren, auf etwas Mehl ausrollen. Geplant war dieses Mal keine Pizza sondern ein Flammkuchen.

Auch für Flammkuchen eignet sich der Teig von perfekte-pizza.de
Auch für Flammkuchen eignet sich der Teig von perfekte-pizza.de

Der Belag:

  • 2 Esslöffel Crème fraîche
  • eine mittelgroße Zwiebel
  • eine kleine Packung magere Schinkenwürfelchen (roh)
  • ca. 2 Esslöffel Gratinkäse (war noch übrig und musste weg)
  • Salz, Pfeffer, frisch geriebener Muskat

Backofen auf höchste Stufe vorheizen.

Zwiebelringe und Schinken in wenig Öl anschwitzen, nicht braun werden lassen.

Crème fraîche auf den Teig streichen, Würzen ( Vorsicht mit dem Salz, der Schinken kommt noch), Käse darüberstreuen, Zwiebel-Schinken-Mischung darauf verteilen und ab in den Ofen. Wie lange sie backen muss, kann ich nicht sagen. Ich mache das immer nach Augenkontrolle.

Der perfekte Pizzateig ist auch aufgetaut perfekt

Und was soll ich sagen: Das Ergebnis war perfekt. Vielleicht nicht mehr ganz so fluffig wie die „frischen“ Exemplare, ich bin aber überzeugt, wenn der Teig noch eine Stunde länger bei Raumtemperatur gestanden hätte, wäre der Unterschied nicht mehr zu merken gewesen.

Bei der nächsten Runde werde ich versuchen, fertig belegte Pizza einzufrieren. Noch habe ich zwar keine Ahnung, wie ich das bei meinem kleinen Gefrierschrank machen kann, aber Versuch macht bekanntlich klug. Ich halte euch auf dem Laufenden.

So fing alles an: Die perfekte Pizza

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So lecker: Die perfekte Pizza

Sie besteht überwiegend aus Kohlenhydraten und Fett. Sie braucht eine gewisse Vorlaufzeit, bis man sie essen kann und liegt anschließend vergleichsweise schwer im Magen. Und sie ist einfach lecker: Die perfekte, selbst gemachte Pizza.

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Einfach lecker. Selbst dann, wenn der Teig – wie in diesem Fall – drei Tage im Kühlschrank gelagert war.

Ich gebe es zu, in Zeiten von Low Carb gehört eine leckere, handgemachte Pizza vermutlich auf den Index. Dort stand sie auch schon zu Zeiten, wo Fett noch böse und Kohlenhydrate gut waren. Auch auf dem Veganer-Index ist sie zu finden. Käse, Salami, Schinken – alles böse. Und überhaupt, Salami und Käse bei hoher Temperatur im Backofen, ist das nicht krebserregend? Doch wie heißt es so schön: Ist der Ruf erst ruiniert, lebt’s sich gänzlich ungeniert. Vielleicht erklärt das ja den Siegeszug der Pizza rund um die Welt. Aller Diät- und Gesundheitshypes zum Trotz.

Vor einigen Tagen habe ich sie auch wieder für mich entdeckt. Und zwar so richtig von Hand gemacht mit allem Schnick und Schnack. Mir war einfach danach. Aber weder nach diesen fettigen „Teigbrettern mit Einheitsgeschmack“ der überall vertretenen Multi-Kulti-Lieferdienste, noch nach einem Schock gefrosteten Modell aus der Discounterkühltheke. Und auf die ortsansässige Pizzeria hatte ich auch keine Lust. Dazu war es daheim gerade viel zu gemütlich. Also ab ins Netz und nach dem ultimativen Rezept suchen. Mehl, Hefe, Salz und Wasser war ja da.

Gestoßen bin ich auf perfekte-pizza.de. Ganz schön mutig, dachte ich mir. Das eigene Produkt nicht nur als gut oder lecker anzupreisen, sondern gleich als perfekt. Dazu gehört viel Selbstüberzeugung. Auf der anderen Seite haben mich aber die Rezepte – sowohl für den Teig, als auch für die Soße – durch ihre Beschränkung auf das Notwendige begeistert.

Der Teig

Mehl, Wasser, Salz, etwas Hefe und reichlich Zeit, das sind die Zutaten für den „perfekten“ Pizzateig. Ok, soweit war ich bei meinen bisherigen Pizzateigen auch schon, aber die waren dann immer so schwer und so kompakt. Irgendwie deutsch halt. Nicht italienisch fluffig.

perfekte-pizza.de hat mich eines Besseren belehrt. Auch wenn man den Teig eigentlich mindestens 24 Stunden im Kühlschrank gehen lassen soll, hat mich bereits meine erste Testpizza – gleich nach der Fertigstellung – begeistert. Außen knusprig, innen leicht und luftig. Einfach ein Gedicht.

Während perfekte-pizza.de gleich mit einem Kilo Mehl für sechs Pizzen loslegt, habe ich es in der Testversion langsamer angehen lassen.

Die Zutaten
  • ca. 500 g Mehl
  • 20 g Salz
  • ca. 300 ml kaltes Wasser
  • ca. 1/8 Würfel frische Hefe
Die Zubereitung
  • Zirka 300 g Mehl mit dem Salz, dem Wasser und den Hefekrümeln verrühren. Die Hefe braucht vorher nicht aufgelöst, das Wasser nicht erwärmt werden.
  • Alles mit einem Mixer (Rührbesen) gut durchrühren bis keine Klümpchen zu sehen sind. Der Teig ist dann noch recht flüssig, wie für Pfannkuchen oder Waffeln etwa.
  • Schüssel abdecken und gut 20 Minuten ruhen lassen.
  • Danach einige Minuten mit den Rührbesen gut aufschlagen.
  • Anschließend portionsweise das restliche Mehl unterrühren (Knethaken).
  • Erneut abdecken und 20 Minuten ruhen lassen.
  • Ein Backbrett bzw. die Arbeitsfläche gut mit Mehl bestreuen und den recht weichen Teig darauf kippen.
  • Etwas Mehl darauf streuen und in drei gleichgroße Stücke teilen. Die Stücke zu Kugeln formen. Der Teig fühlt sich jetzt superzart und seidig an.
  • Jede Kugel in eine eigene kleine, verschließbare Schüssel geben. Achtung: Platz einrechnen. Der Teig geht auf.
  • Die Schüsseln 24 Stunden in den Kühlschrank stellen.

Man kann natürlich auch den kompletten Teig unzerteilt in den Kühlschrank geben. Ich fand aber die Anregung von perfekte-pizza.de, gleich zu portionieren, sehr gut. Zum Backen muss der Teig dann nur noch auf wenig Mehl ausgerollt oder mit den Händen in Form gezogen und belegt werden.

Die Soße

Während beim ersten Test noch meine eigene Soße mit Möhren- und Selleriewürfelchen unter den Tomaten zum Einsatz kam, habe ich mich bei der zweiten Runde für die Variante von perfekte-pizza.de entschieden. Statt frischer Tomaten, die mir im Winter einfach zu saft- und kraftlos sind, habe ich eine Mischung aus gehackten und passierten Tomaten (Konserve) verwendet. Dazu eine Zwiebel, reichlich Knoblauch, Basilikum, Oregano, Lorbeer, Salz und Pfeffer. Das Ergebnis: sehr lecker und auch gut als Pastasoße zu verwenden.

Knoblauch in Olivenöl anschwitzen. Nicht braun werden lassen. Frische Tomatenwürfel oder Dosentomaten dazu. Mit einer geschälten und halbierten Zwiebel (kommt später wieder raus), frischem Basilikum, Oregano und Lorbeer ca. 30 Minuten köcheln. Lorbeer und Zwiebel dann entfernen und Soße pürieren (muss nicht sein). Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Fertig.

Genauere Angaben zur Zubereitung und viele Hintergrundinformationen gibt es auf perfekte-pizza.de

Der Käse

Zwischenzeitlich habe ich die Pizza sowohl mit reinem Emmentaler – anderer Käse war gerade nicht im Haus – als auch mit gemischtem geriebenem Käse plus Mozzarella gebacken. Die Emmentaler-Variante war lecker, die Misch-Variante hervorragend.

Und wie das so ist, wenn man ein neues Spielzeug hat, mussten auch gleich die Freunde daran glauben. Mit absolutem Erfolg. Die Pizza sieht nicht nur aus, als käme sie direkt aus der Spitzenpizzeria, sie schmeckt auch so. Knusprig, locker, saftig, herzhaft, frisch. Einfach perfekt eben!

Testet es selbst. Hier geht es zur perfekten Pizza: www.perfekte-pizza.de

Edit: Zwischenzeitlich habe ich das eingefrorene Drittel aufgetaut und verarbeitet. Und was soll ich sagen? Immer noch perfekt! Auch als Flammkuchen https://leselustich.com/2014/01/23/die-perfekte-pizza-aus-der-tiefkuhltruhe/

Perfektes Sauerteigbrot gibt es in meinem Blog übrigens auch: Roggenmischbrot mit Sauerteig

Ganz einfach alles Gute zu Weihnachten

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Fanta4 live und unplugged – Danke dm!

Eine Drogeriekette feiert runden Geburtstag und lässt es rund ein halbes Jahr lang so richtig krachen. So geschehen bei dm, die ihr 40-jähriges Firmenjubiläum mit viel Getöse und Riesenaufwand zelebriert haben. Nutznießer waren die Kunden und Fans. Über sie ging ein wahrer Geschenkeregen herunter, der in acht live-Konzerten gipfelte. Beim Finale mit den Fantastischen Vier in Karlsruhe war ich dabei.

Fanta4, unplugged, Konzert, dm, GeburtstagDas Telefon klingelt. Eine 0800-Nummer. Bestimmt wieder die Telekom, die alle paar Wochen zum Telefonterroristen mutiert. Aber halt. Die Durchwahl ist eine andere. Ob ich doch mal rangehen sollte?! Ok, ich mach es einfach.

Hier ist der dm-Drogeriemarkt. Sie haben gewonnen

dm-Drogeriemarkt hier, mein Name ist „weißichnichtmehr“. Können Sie sich daran erinnern, dass Sie an einem Gewinnspiel mitgemacht haben?“ Klar, kann ich. Hab ja nicht nur einmal mein Glück versucht. Immerhin hat das Unternehmen seinen Geburtstag ausgiebig zelebriert und rund ein halbes Jahr lang ein Füllhorn an Geschenken über seinen Kunden und Fans ausgeschüttet. Allerdings waren zwischenzeitlich doch alle Gewinne eingegangen. Was konnte die Mitarbeiterin am Telefon also von mir wollen?!

„Dann darf ich Ihnen sagen, dass Sie zwei Tickets für das Konzert der Fantastischen Vier am 17. November im Tollhaus Karlsruhe gewonnen. Herzlichen Glückwunsch! Möchten Sie den Gewinn annehmen?“ Klar wollte ich. Und wie. Sonst hätte ich ja nicht mitgemacht. Dann kam noch die fürsorgliche Frage, ob ich irgendwelche Lebensmittelunverträglichkeiten hätte, es würde nämlich ein Büffet auf uns warten. Hab ich nicht, aber toll, dass gefragt wird.

Am 17. November also Freundin eingepackt und ab nach Karlsruhe. Die erste Überraschung gab es gleich auf der Parkplatzeinfahrt. Junge Menschen in leuchtend gelben dm-Jacken standen im kalten Novemberwind und haben uns strahlend angelächelt. Besser kann man nicht empfangen werden!

Herzlich willkommen!

Das nächste herzliche Lächeln haben wir uns beim Check-in abgeholt. Auch hier wieder Mitarbeiter_innen der Drogeriekette – dieses Mal im grünen Poloshirt -, die sich freiwillig für diese Aktion gemeldet haben. Gleiches an der Garderobe. Offene und lächelnde Gesichter. Wir fühlten uns sofort wirklich willkommen und prompt steuerte auch schon die erste Mitarbeiterin des Tollhaus mit einem vollen Tablett auf uns zu und bot einen Welcome Drink an. Mit dem ging es dann auf die „Partnermeile“, also die Präsentationsfläche für Sponsoren.

Auf dem Rückweg kam uns dann auch gleich das nächste Highlight entgegen: Das Flying Buffet. Eine reiche Auswahl an kleinen, kalten oder warmen Köstlichkeiten, die von Mitarbeiter_innen auf Tabletts durch die Menge balanciert wurden. Meine persönlichen Favoriten: Die beiden Hühnchensalate! Einen Überblick über das Gesamtangebot, sowohl des Buffets als auch der Getränke, konnten wir uns an der langen Theke des Tollhaus machen. Denn auch kleine Speisen- und Getränkekarten waren nicht vergessen worden.

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Apropos Theke: Auch hier war der Service dank der zahlreichen Hände, die mit anpackten, hervorragend. Aufmerksam, freundlich und schnell.

Wir bleiben troy!

19:15 Uhr: Einlass zum Konzert. Erst jetzt wurde  uns bewusst, wie nah wir der Band und den Fanta4 sein würden. Wie privat die Atmosphäre. Ich habe anschließend nachgefragt, es waren wohl rund 900 Menschen vor Ort. Mir kam es viel weniger vor und irgendwie kam man auch ganz schnell mit anderen Gewinnern ins Gespräch.

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Punkt 20:00 Uhr ging es dann los. Als wäre ein Schalter umgelegt worden, war die Stimmung auf Anhieb da. Knapp zwei Stunden ging es dann nonstop: Mitsingen, tanzen, mitklatschen, genießen. Was Fanta4 und Band abgeliefert haben, war großes Kino. Nächstes Jahr feiern sie ihr 25-jähriges Bühnenjubiläum, aber von Müdigkeit keine Spur. Profi hin oder her, da hatten Leute einfach Bock, ihre Musik zu machen. Kein Wunder, war die Stimmung am Kochen.

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Nach dem Konzert ging es auf Wunsch gleich weiter mit Häppchen und Getränken und zum Abschied wurde allen Besuchern noch kleine Abschiedsgeschenke in die Hand gedrückt.

Ich muss gestehen, jetzt wo ich das schreibe, ist wieder dieses gute Gefühl da, das wir den ganzen Abend über hatten.

  • Ja, es war ein super Konzert mit einer sehr speziellen Atmosphäre.
  • Ja, das Flying Buffet war sehr lecker und reichhaltig, das Personal sehr aufmerksam.
  • Ja, die Getränkeauswahl war üppig und der Service im Tollhaus tadellos.
Das waren die wirklich großen dm-Momente

Aber nichts konnte an das herzliche Willkommen in den Gesichtern der dm-Mitarbeiter_innen heranreichen!

  • Danke an die Parkplatzanweiser_innen
  • Danke an die Frauen und Männer beim Check-in
  • Danke an die Frauen und Männer an der Garderobe
  • Danke an alle, die bei Planung und Umsetzung dieses Events mitgewirkt haben. Ihr habt es zu dem gemacht, was es war: Ein Fest, bei dem sich eure Gäste rundum wohl gefühlt haben.

Und danke natürlich auch an dm. Das größte Geschenk, was man diesem Unternehmen zum Geburtstag machen konnte, sind ganz offensichtlich seine Mitarbeiter_innen!

Blogparade: Weihnachten und ich

Ok, ich gestehe: Ich bin ein Neuling im Blogparaden Geschäft! Gerade ein Mal habe ich bislang an einer Blogparade teilgenommen. Etwas länger kenne ich mich hingegen im Weihnachtsgeschäft aus. Ein Fest, was ich über Jahre hinweg einfach nur doof fand, weil es immer mit Stress verbunden war. Und da ja Weihnachten nicht mehr so lange hin ist, möchte ich eine Weihnachts-Blogparade starten. Für Weihnachtshasser_innen und Weihnachtsliebhaber_innen.

Blogparade, Blog, WeihnachtenSchreibt euch euer Verhältnis -egal ob gut oder schlecht – zu Weihnachten vom Herzen.

Rezensiert eure liebsten Weihnachtsbücher. Für Weihnachtshasser gibt es übrigens das  Weihnachtshasser-Buch von Dietmar Bittrich. Herrlich schwarzer Humor und sehr zu empfehlen.

Gibt es ein altes Familienrezept, das an Weihnachten nicht fehlen darf? Her damit!

Ihr zieht um und überlegt, wie das erste Fest im neuen Heim wird? Auch eine schöne Idee.

Und wer noch keine gute Lösung gefunden hat, wie er/sie äußerst dezent auf seinen/ihren Wunschzettel aufmerksam machen kann, einfach mal bloggen und schauen was passiert.

Lust auf gebloggte Weihnachten?

Dann macht mit:

  • verlinkt in euren Blogposts auf diesen Blogpost hie
  • hinterlasst einen Kommentar mit Link zu eurem Blogbeitrag oder
  • schickt mir den Link per Facebook, Twitter, G+ oder Brieftaube

Start: 10.11.2013
Ende: 10.12.2013

Abhängig von der Anzahl der Teilnehmenden plane ich in meinem Blog einen “Adventskalender”, der jeden Tag einen eurer Beiträge aufgreift.

Ach ja, fast vergessen: Unter allen, die teilnehmen und in Deutschland wohnen, verlose ich ein Beutelchen meiner weiter unten zitierten Plätzchen.

Weihnachten und ich

Damals, als ich noch bei meiner Familie lebte, gab es Weihnachten Jahr für Jahr unreflektierte Rituale, auf die keiner Lust hatte, die aber trotzdem eingehalten wurden. Weil man “es” eben schon immer so gemacht hat. Die Geschenke haben sowieso nie gepasst und spätestens beim Aufstellen des Weihnachtsbaumes gab es Streit. Wer sich ein Bild machen möchte, wie das bei uns ungefähr aussah: Familie Heinz Becker hilft gerne weiter.

Nachdem ich dann ausgezogen war, wurde mein Antrittsbesuch regelmäßig zu den Feiertagen erwartet, was treffsicher Stau und Hektik schon auf dem Hinweg bedeutete. Und – oh Wunder – über die Feiertage war an Abschalten nicht zu denken.

Die Post, mein Retter in der Not

Besser wurde es erst, als ich anfing, bei der Post zu jobben. Weihnachten war für Studierende nämlich damals sehr lukrativ. Wer am 23.12. und am 26.12. gearbeitet hat, bekam den 24. und 25. als Arbeitstag bezahlt. Und am 26. gab es natürlich Feiertagszulage. Für Studierende einfach perfekt. Und zwar in doppelter Hinsicht:

  • viel Geld für wenig Arbeit
  • die perfekte Ausrede, der Familienidylle fern zu bleiben

Und prompt führte ich mein eigenes Ritual ein. Lecker kochen an Heiligabend, meist ganz klassisch Wild mit Klößen und Rotkohl und um 18:00 Uhr “Familie Heinz Becker: Alle Jahre wieder” schauen. Hach was war es entspannend. Und kaum war der Stress weg, fing der Spaß an Weihnachten an.

Kleine, persönliche Geschenke

Inzwischen backe ich mit Begeisterung zig Sorten Plätzchen und verschenke sie als kleine Aufmerksamkeit an Freunde und Bekannte. Mit so viel Erfolg, dass meine Mutter gleich mal überhaupt keine mehr macht und sich voll und ganz auf die DHL-Lieferung aus Baden-Württemberg verlässt.

Über das Jahr verteilt koche ich Marmeladen, die – nicht nur – an Weihnachten ihren Besitzer wechseln. Die ist übrigens von meiner Mutter automatisch in ihr Lieferprogramm integriert worden.

Kurzum, ich mag inzwischen Weihnachten. Den Duft der Lebkuchen ab Oktober, das Warten auf Holzis Adventskalender, die Plätzchen Bäckerei, Zeit zum ausgiebigen Lesen, gemütliche Schwätzchen mit Freunden, Wildschwein oder Hirsch aus regionaler Jagd, guten Wein, Kerzenschein. Eben alles, was zu ein paar entspannten Tagen beiträgt. Und wenn mir danach ist, ein oder zwei spontane Tage bei der Familie im Saarland.

So und jetzt freue ich mich auf eure Storys rund um Weihnachten. Offen gestanden bin ich auf die Weihnachtshasserstory am neugierigsten. 😀

Aus aktuellem Anlass: Mordsgouda!

Aus aktuellem Anlass krame ich eine alte Rezension wieder aus der Kiste, die ich vor fast genau zwei Jahren veröffentlicht habe. Damals noch in völliger Unkenntnis der holländischen Besonderheiten.

Geschäftliche Gründe haben mich Anfang Oktober nach Bloemendaal geführt. Bloemendaal liegt in der Nähe von Amsterdam und ist auf den ersten Blick – wenn man mit der Bahn ankommt – ein architektonisch sehr schönes, leider aber auch völlig verschlafenes Kaff. So man denn ankommt. Denn auch wenn Bloemendaal nicht weit von Amsterdam entfernt liegt, ganz so einfach ist es nicht, dahin zu kommen. Zumindest nicht abends zwischen sieben und acht, wenn die Züge beim Flughafen schon brechend voll sind.

„Is this your husband?“ – Nein, aber das sage ich ihm nicht!

Da kann es einem passieren, dass der Schaffner direkt neben einem steht und einem eiskalt die Tür direkt vor der Nase zu macht. Blöd halt, wenn der Chef schon drin ist und ich noch draußen. Wie praktisch, wenn man in dem Fall schlagfertig ist und die Frage des Schaffners, ob das mein Mann sei, der da drin winkt, flugs mit JA! beantwortet. Und siehe da, der Schaffner hat Sinn für Romantik und mich über seine Führerkabine in den proppenvollen Wagen gemogelt. Festhalten konnte ich mich zwar nirgends, umfallen aber auch nicht. War kuschelig. Zum Glück hatte niemand Knoblauch gegessen!

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In Bloemendaal dann eine schicke Altbauvilla im Grünen nach der nächsten. Und was soll ich sagen?! Die haben wirklich keine Vorhänge vor den Fenstern. Alles hell erleuchtet, geschmackvolles Interieur und weit und breit niemand zu sehen. Ich vermute ja, dass die irgendwo ganz im Innern der Häuser fensterlose Räume haben, in denen sie sich so richtig ausleben. Für mich wäre das nichts, so durchgehend geöffnet. Wenn man da mal richtig rumgammeln will…

Aber zurück zur Rezension. Das habe ich „damals“ geschrieben:

Warum hassen Holländer Gardinen? Schmecken Bitterballen wirklich bitter? Und warum muss im Oranje-Land alles lekker, leuk und makkelijk sein? Diese Fragen und viele mehr über unsere holländischen Nachbarn beantwortet Annette Birschel in “Mordsgouda”. Aber Vorsicht, nicht alles ist bierernst gemeint.

Auf Frittiertes fahren sie voll ab. Ihre Tulpenzüchtungen sind unübertroffen schön und ihre Tomaten unübertroffen wässrig. Und Urlaub ohne Wohnwagen kommt nicht in die Tüte. Das weiß doch jeder, oder etwa nicht? Doch nicht alle Fragen sind so einfach zu beantworten. Da bedarf es schon eines tieferen Einblicks in das Wesen unserer sympathischen Nachbarn im Westen.

Das Land hinter den Deichen hat seine besonderen Tücken

Annette Birschel liefert diesen Einblick. Seit über zehn Jahren lebt die deutsche Autorin und Journalistin im Land der Kaufleute und Pfarrer. Sie hat gelernt: Das Land hinter den Deichen hat seine ganz besonderen Tücken. Bei Geburtstagsfeiern sollte jeder Gast nur ein Stück Kuchen essen und der holländische Nikolaus, der Sinterklaas, landet schon Mitte November in den Niederlanden.

Die Niederländer sind anders, als wir Deutschen denken. Gleichzeitig sind sie uns aber auch ähnlicher, als wir denken. Annette Birschel muss es wissen. Für sie war ihr Umzug nach Holland Liebe auf den zweiten Blick.

Mordsgouda ist ein amüsanter Ausflug in die Geschichte der Oranjes, der trotz der gehörigen Portion Humor viel Wissenswertes vermittelt. So macht “Erdkunde” richtig Spaß.

Mordsgouda ist ein schönes Weihnachtsgeschenk für alle Hollandfans.

Autorenporträt

Annette Birschel, geboren 1960, aufgewachsen in Bremen, arbeitet seit vierzehn Jahren in den Niederlanden als freie Korrespondentin für deutsche Medien, u.a. für den WDR Hörfunk. Sie lebt in Amsterdam.
Buchinfo: Mordsgouda von Annette Birschel, erschienen bei Ullstein, Juli 2011, 256 Seiten, € 8,99, ISBN 978-3-548-28201-5

Ok, das mit den Vorhängen kann ich aus persönlicher Erfahrung abhaken.

Kommen wir zum Frittierten. Das kann ich auch abhaken, aber dafür hatte ich in Haarlem auch die besten Fritten seit langer Zeit zu meinem perfekt gebratenen Entrecôte. Und das in einer alten Kirche mitten in Haarlem mit der besten Bierauswahl überhaupt. Sehr groß und sehr voll aber auch sehr lecker.

Lekker Erdbeeren und unkomplizierte Menschen

Weiter geht es mit den Tomaten. Sofern es noch wässrige aus Holland gibt, verfrachten sie die wohl auf direktem Weg nach Deutschland. Denn die Tomaten, die ich in Bloemendaal gegessen habe, waren lekker! Und noch besser waren – Anfang Oktober! – die frischen Erdbeeren. Die besten, die ich dieses Jahr gegessen habe. Und das waren einige, schließlich gibt es zig Erdbeerfelder um mich herum.

Besonders positiv und in Mordgouda tot geschwiegen: Die unkomplizierte hilfsbereite Art der Menschen, denen ich begegnet bin. Eine wirkliche Empfehlung für die Holländer und ein Grund, mal wieder hinzufahren. Ehe der Meeresspiegel noch weiter steigt.

Hamster, Hedgefonds und die Weltrevolution

Serge ist noch keine 30 Jahre alt und verdient bereits neunzigtausend im Jahr. Davon dürfen aber seine Eltern nichts wissen. Die meinen nämlich, er arbeite immer noch an seiner Promotion in Cambridge. Dabei gehört er zu den besten Analysten einer Londoner Investmentfirma und macht dort das große Geld.

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(Cover: dtv.de)

Immer wieder schiebt Serge seine Beichte hinaus. Wie soll er ausgerechnet Doro und Marcus, seinen Hippie-Eltern, erklären, dass er in der Investmentbranche, dem Erzfeind der 68er-Bewegung, arbeitet und das Geld derjenigen vermehrt, die sowieso schon genug haben. Und dass er selbst in einem luxuriösen Londoner Appartement statt in einer Studentenbude in Cambridge wohnt.

Leben in der 68-er Hippiekommune

Seine Schwester ist das genaue Gegenteil. Sie unterrichtet an einer Schule und engagiert sich dort besonders für die benachteiligten und lernschwachen Kinder. Ein Überbleibsel aus der Kommunenzeit, wo sie gleich mehrere Väter und Mütter hatte, die ihr ihre Sicht der Dinge erklären wollten. Gleichzeitig war sie als Älteste auch für die jüngeren Kinder verantwortlich. Und sie weiß selbst noch, wie es ist, von den anderen gehänselt zu werden, weil man nicht der Norm entspricht.

Als Marcus und Doro nach Jahrzehnten ohne Trauschein plötzlich heiraten wollen, gerät Serges Lügengeschichte ins Wanken. Und sein Job steht plötzlich auf der Kippe.

Amüsante und nachdenkliche machende Einblicke

Spannend, wie unterschiedlich sich die gleichen Erfahrungen lesen, wenn sie von unterschiedlichen Mitgliedern einer Familie geschildert werden. Während Doro immer noch in ihrer Hippie-Ära schwebt, sich für ihre Interessen bedingungslos einsetzt und auch im fortgeschrittenen Alter einem heißen Flirt nicht abgeneigt ist, blickt Serge, ihr Sohn mit sehr gemischten Gefühlen auf seine Jugend zurück. Der morgendliche Kampf um die Klamotten jagt ihm immer noch heiße Schauer über den Rücken. In der Kommune, in der alles allen gehörte – auch die Sexualpartner – kam es schon mal vor, dass man als Junge im rosa Rock gehen musste, weil alles andere bereits weg war. Für Serge ist klar: Das will er nie wieder erleben. Umso mehr genießt er den Luxus, den er sich in kürzester Zeit in London erarbeitet hat.

Ein witziges Buch, dass einen trotzdem nachdenklich zurück lässt. Marina Lewycka beschreibt sehr anschaulich die gut gemeinten Ansätze von Eltern, die bei den Kindern genau das Gegenteil auslösen. Und sie zeigt, wie Kinder geprägt werden, wenn man ihnen zu früh zu viel Verantwortung überträgt.

Von mir eine klare Leseempfehlung.

Marina Lewycka

Marina Lewycka wurde nach dem Zweiten Weltkrieg als Kind ukrainischer Eltern in einem Flüchtlingslager in Kiel geboren und wuchs in England auf. Sie lebt in Sheffield und unterrichtet an der Sheffield Hallam University. Ihr erster Roman “Kurze Geschichte des Traktors auf Ukrainisch” wurde zu einer beispiellosen Erfolgsgeschichte, eroberte die internationalen Bestsellerlisten, wurde in 33 Sprachen übersetzt und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Marina Lewycka gilt als eine der wichtigsten und populärsten englischen Autorinnen der Gegenwart.

Buchinfo: Die Werte der modernen Welt unter Berücksichtigung diverser Kleintiere von Marina Lewycka, erschienen bei dtv, Februar 2013, 464 Seiten, gebunden, ISBN 978-3-423-28006-8, € 19,90