Daniel Wolf: Die Gabe des Himmels

Varennes im Jahre 1346. Adrien Fleury, Kaufmannssohn aus Varennes, studiert in Montpellier Medizin. Arzt will er werden. Den Menschen helfen. Bei seiner Rückkehr erkennt er seine Heimatstadt kaum wieder. Überall herrscht Aufruhr und Unruhe. Das einfache Volk geht auf die Barrikaden gegen Unterdrückung und Armut. Noch ahnen sie nicht, dass Ihnen das Schlimmste noch bevorsteht.

Die Gabe des Himmels von Daniel WolfAdrien Fleury will Arzt werden und den Menschen helfen. Als erster der Familie hat er es zum Studium gebracht. Doch ist die theoretische und in seinen Augen veraltete Ausbildung an der Universität Montpellier wirklich das, was ihn seinem Ziel näher bringt? Adrien opponiert und wird von der Hochschule verwiesen.

Um seinen Lebensunterhalt zu sichern, verdingt er sich bei einem erfahrenen Wundarzt. Und tatsächlich findet er hier seine Berufung. Im direkten Einsatz am Menschen, nicht im bedeutungsvollen Salbadern aus sicherer Entfernung, wie das bei den Doctores der Universität üblich ist.

Wer wird der Seuche Herr?

Oktober 1346. Adrien ist zurück in Varennes. Fast erkennt er die Stadt nicht wieder. Wut und Unzufriedenheit hat sich breit gemacht. Die Zünfte wehren sich gegen die Ausbeutung durch die Patrizier. Täglich machen neue Berichte über blutige Auseinandersetzungen die Runde.

Als erste Berichte über eine tödliche Seuche namens Pest die Runde machen, suchen die Bewohner von Varennes nach einem Sündenbock. Sie finden ihn – vermeintlich – in der jüdischen Gemeinde der Stadt. Nur durch eine List können sich die Bewohner, darunter auch Léa, Tochter des Apothekers und erfahrene Heilerin, retten.

Gemeinsam mit Adrien und den verbliebenen Wundärzten der Stadt nimmt Léa den Kampf gegen die neue Krankheit auf. Es wird auch ein Kampf um ihre Liebe. Einer Liebe zwischen einer Jüdin und einem Christen.

Wolfs Erzähltalent – Eine Gabe des Himmels!

Eine Gabe des Himmels ist auch Daniel Wolfs neuer Roman. Spannend und packend von der ersten Seite an. 960 Seiten, die mir nie langweilig oder zu langatmig waren.

Aus wechselnden Perspektiven wird das Leben im Mittelalter geschildert:

  • Adrien Fleury nimmt uns mit in seine Vorlesungen in Montpellier, zeigt uns das blasierte Auftreten der Gelehrten und ihr hilfloses Gestammel im medizinischen Alltag. Mit Neugier und Mut begegnet er dem Schrecken der Pest und überschreitet bei der Versorgung der Kranken immer wieder neue Grenzen. Dass er damit Leben rettet, ist nicht für alle ein ausreichendes Argument.
  • Léa übernimmt in der Apotheke ihres Vaters früh Verantwortung. Ihre verstorbene Mutter war eine begnadete Heilerin und hat ihr Wissen früh an sie weitergegeben. Dass sie Jüdin ist, lassen sie vor allem die Reichen der Stadt bei jeder Gelegenheit spüren. Doch Léa lässt sich nicht unterkriegen. Während der Pestepidemie kämpft sie an Adriens Seite um jedes Leben, egal welchen Glaubens es ist. Und sie kämpft um ihre Liebe.
  • César Fleury, Adriens Bruder, ist erfolgreicher Kaufmann. Das Familienunternehmen ist unter seiner Leitung aufgeblüht. Gelitten haben darunter die Weber und Färber der Stadt, die er gnadenlos ausbeutet, bis es zum Aufstand kommt. Als ihm die Pest Frau und Kinder nimmt, besinnt er sich auf die wichtigen Dinge des Lebens: Seine verbleibende Familie und endlich wieder Frieden in Varennes.
  • Bénédicte Marcel ist Bürgermeister in Varennes. Mit aller Kraft versucht er zwischen Zünften und Patriziern zu vermitteln, doch vergebens. Einer der Räte rottet sich mit dem Pöbel zusammen, gemeinsam lynchen sie Bénédicte und geben damit die Stadt zur Plünderung frei.
  • Luc Duchamps ist Zunftmeister der Knochenhauer und Kürschner. Für seine dunklen Machenschaften wird er mit der Acht belegt. Ein Jahr und einen Tag darf er die Stadtmauern nicht betreten. Als die Pest in Varennes wütet, taucht er wieder auf. Angeblich geläutert und als Kopf einer Gruppe von Flagellanten, die ihr weltliches Leben hinter sich gelassen haben. Seine Intrigen kosten die Juden von Varennes fast das Leben.

Das sind nur einige der wichtigsten Charaktere aus fast 1000 Seiten grandiosem Mittelalter-Epos. Damit man beim Lesen immer den Überblick behält, hat Daniel Wolf seinem Buch eine Übersicht der Protagonisten, einen Stadtplan von Varennes, sowie eine Karte des Heiligen Römischen Reiches im 14. Jahrhundert vorangestellt.

An dieses Buch “verschwendet” man gerne ein Wochenende

Ihr könnt es euch schon denken, Die Gabe des Himmels von Daniel Wolf bekommt von mir ein klares Daumen hoch! Ein wirklich toller historischer Roman, den ich jedem nur ans Herz legen kann. Lasst euch nicht vom Umfang abschrecken, das Buch liest sich prima und ist nie langweilig.

Glaubt ihr nicht? Dann schaut euch die Leseprobe an.

Daniel Wolf

Daniel Wolf ist das Pseudonym von Christoph Lode. Der 1977 geborene Schriftsteller arbeitete zunächst u.a. als Musiklehrer, in einer Chemiefabrik und in einer psychiatrischen Klinik, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete. Mit den historischen Romanen “Das Salz der Erde”, “Das Licht der Welt” und “Das Gold des Meeres” gelang ihm der Sprung auf die Bestsellerlisten. Der Autor lebt in Speyer.

Buchinfo: Die Gabe des Himmels von Daniel Wolf, erschienen bei Goldmann, 19.03.2018, 960 Seiten, € 9,99, ISBN: 978-3-442-48319-8. Vielen Dank für das Leseexemplar.

Advertisements

Anita Tesch: Die Kressburg

Hohenlohe im 14. Jahrhundert. Der heimtückische Überfall auf die junge Raghild hat das Leben auf der Kreßburg ziemlich durcheinander gewirbelt. Als es der jungen Burgherrin nach langen Tagen des Bangens besser geht, ahnt noch niemand, wie sehr ihr Unfall das Leben derer von Kreßburg künftig belasten wird.

Die KressburgEs ist ein sonnig warmer Nachmittag im Jahr 1308. Raghild, jüngste Tochter des Schlossherrn der Kreßburg, ist auf dem Rückweg von einem Besuch, als sie auf einer Waldlichtung von einem Mann überrascht wird. Beim Ringen um Raghilds Pferd versetzt er dem Mädchen einen Stoß, sie verliert das Gleichgewicht und stürzt einen Abhang hinunter. Ohne einen weiteren Blick auf sein hilfloses Opfer zu verschwenden, steigt er auf und reitet davon.

Nur durch Zufall wird Raghild schnell gefunden und zur Burg gebracht. Ihr Zustand ist sehr kritisch. Ein tagelanges Ringen um ihr Leben beginnt. Raghild gewinnt es, doch alle Einzelheiten des Überfalls scheinen aus ihrem Gedächtnis gelöscht. Deshalb erkennt sie in Wolfun, dem Sohn eines benachbarten Burgherren ihren Peiniger nicht wieder. Ein verhängnisvoller Fehler, der großes Leid über die Familien bringen wird.

Wer mit wem?

Ich gebe es offen zu: Die verschlungenen Familienverhältnisse der Kreßburger haben mich mehr als ein Mal ins Schwimmen gebracht. Wer gehört jetzt nochmal zu welcher Burg und welche Söhne und Töchter zu welchen Eltern?

Eine Verwirrung, die ich mir locker hätte ersparen können, denn “Die Kreßburg” kommt mit einem übersichtlichen Familienstammbaum daher, der mit bei der Print-Ausgabe sicher auch aufgefallen wäre. Beim eBook aber nicht, obwohl er in der Inhaltsübersicht erwähnt ist. Was den Lesern dieser Rezension ja jetzt nicht passieren kann.

Spannend, flott und irgendwie “modern”

Das war aber auch schon der einzige Punkt, den ich zu bemängeln habe. Raghilds Geschichte hat mich von Anfang an gepackt. Nach ihrem schweren Sturz kann sie sich nicht mehr an die Details des Überfalles erinnern. Trotzdem hat sie bei der Begegnung mit dem Verursacher ein ungutes Gefühl, das sie zwar tief verunsichert, das sie aber nicht zuordnen kann.

Als Leserin wartet man ständig darauf, dass ihr wieder alles einfällt und dass sie so die Familienfehde vermeiden und den Täter seiner Strafe zuführen kann. Doch das Gegenteil ist der Fall. Raghild, ihre Familie und Freunde geraten immer tiefer in einen Strudel aus sinnloser Gewalt und Rache. Ich weiß nicht, wie oft ich den Impuls hatte, einzugreifen und zu warnen. So nah war ich dran am Geschehen.

Anita Tesch

Anita Tesch stammt vom Niederrhein und zog mit 24 Jahren in die Region Hohenlohe. Ein Symposium zur Stadtgeschichte Crailsheims gab den Anstoß zum vorliegenden Roman. Anita Tesch ist Berufsschullehrerin für Pflegeberufe und widmet sich in ihrer Freizeit leidenschaftlich gerne der Schreibfeder. So entstand „Die Kressburg“ als ihr Debütroman über mehrere Jahre. Heute lebt und arbeitet Anita Tesch in Bad Kissingen.

Buchinfo: Die Kressburg von Anita Tesch, erschienen bei Der kleine Buchverlag, 28.09.2015, 268 Seiten, 14,90 Euro, ISBN: 978-3-7650-9107-0. Auch als eBook erhältlich. Danke für das Leseexemplar.

Die Beutelschneiderin

Nürnberg 1522. Die kleine Cressi Nabholz ist mit allen Wassern gewaschen. Als Junge verkleidet stiehlt sie, was nicht niet- und nagelfest ist. Von einem besseren Leben träumt sie. Einem Leben ohne Verfolgung und Sorge um das tägliche Brot. Doch dann wird sie auf frischer Tat ertappt.

Die Beutelschneiderin von Helga Glaesener, UllsteinDas Leben in Nürnberg im Jahr 1522 ist nicht einfach, schon gar nicht für eine obdachlose Waise wie Cressi. Doch sie hat Glück im Unglück. Der gutmütige Gauner Utz hat sich ihrer angenommen, ihr zu essen gegeben und sie in die Kunst des Stehlens eingeweiht.

Eine Kunst, die das schlaue Mädchen bald beherrscht wie keine Zweite. Behende wieselt sie zwischen den Menschen hindurch und bringt sie um ihre Börsen. Kein Wunder, dass da Neid und Missgunst nicht weit sind. Als sie verraten wird, entgeht sie nur knapp dem Henker. Ein junger Geistlicher rettet sie in letzter Minute. Fortan kreuzen sich ihre Wege immer wieder und schon bald schlägt Cressis Herz höher, wenn sie ihren Retter sieht.

Spannende Story, unvorhersehbare Wendungen

Helga Glaesener steht für solide Unterhaltung, wenn es um historische Romane geht. Mit „Die Beutelschneiderin“ hat sie eine spannende Story um eine mutige und außergewöhnliche junge Frau geschrieben, die immer wieder nicht vorhersehbare Wendungen nimmt.

Mir hat „Die Beutelschneiderin“ gut gefallen. Deshalb eine klare Leseempfehlung.

Helga Glaesener

Helga Glaesener wurde in Niedersachsen geboren und studierte in Hannover Mathematik. 1990 begann die Mutter von fünf Kindern mit dem Schreiben historischer Romane, von denen gleich das Debüt, Die Safranhändlerin, zum Besteller avancierte. Sie lebt in Oldenburg.Neben ihrer Tätigkeit als Autorin arbeitet sie als Tutorin bei der Studiengemeinschaft Darmstadt, wo sie angehenden Autoren die Kniffe des Handwerks verrät. Seit 2010 lebt sie in Oldenburg. Weitere Informationen unter http://www.helga-glaesener.de

Buchinfo: Die Beutelschneiderin von Helga Glaesener, erschienen bei List, 27.02.2015, Hardcover, 423 Seiten, 19,99 €, ISBN 978-3-471-35101-7

Ursula Neeb: Die Hurenkönigin

Frankfurt im Jahr 1511. Am Gedenktag von Maria Magdalena zieht man in Frankfurt die Leiche der Hure Roswitha aus dem Main. Der Körper der Toten ist übersät mit übelsten Verletzungen. Ein Fall für Ursel Zimmer, die Vorsteherin der Frankfurter Hurengilde. Sie setzt alles daran, den Mörder zu finden und entkommt dabei nur knapp dem Tod.

Hure, Syphilis, Frankfurt
Daumen hoch für Ursula Neebs Ausflug in die Welt der Huren. (Bild: ullstein.de)

Die Hübscherinnen des Frankfurter Frauenhauses am Dempelbrunnen sind in Aufregung. Ausgerechnet am Gedenktag der Schutzpatronin ihrer Zunft wird eine der ihren grausam entstellt aus dem Main gezogen. Die Obduktion ergibt, dass sie an Syphilis erkrankt ist. Wer war ihr letzter Freier? Der, mit dem sie sich unerlaubterweise außerhalb des Frauenhauses getroffen hat? Hat er etwas mit dem Mord zu tun? Die Stadtbüttel nehmen die Suche auf.

Wer nutzt die „Lustseuche“ für seinen Rachefeldzug?

Hurenkönigin Ursel Zimmer geht ihren eigenen Ermittlungen nach. Steckt womöglich viel mehr hinter der Tat, als es auf den ersten Blick scheint. Wer bedient sich der zunehmenden Verbreitung der “Lustseuche”, um die Huren aus der Stadt zu verbannen. Ursel setzt ihr Leben aufs Spiel, um das Geheimnis zu lüften.

“Die Hurenköngin” ist wieder einmal ein herausragendes Buch von Ursula Neeb. Ich mag historische Romane sehr gern. Aber nur wenigen Autoren gelingt es, mich so “gefühlsecht” in die in die Vergangenheit zu entführen, wie Ursula Neeb.

Daumen hoch für „Die Hurenkönigin“

Ob das an der detaillierten Recherche liegt oder an ihrem Stil, kann ich nicht sagen. Will ich auch gar nicht näher ergründen. Ihr Sittengemälde des frühen 16. Jahrhunderts zeigt die Doppelbödigkeit, mit der Prostituierte damals wie heute behandelt werden. Waren sie im Mittelalter sogar als eigene Zunft anerkannt, wurden sie trotzdem gleichzeitig als ehrlos beschimpft und ausgegrenzt. Ein Zustand, der sich bis heute nicht geändert hat.

“Die Hurenkönigin” von Ursula Neeb: Kaufen, lesen und ins Mittelalter entführen lassen!

Autorenporträt
Ursula Neeb hat Geschichte studiert. Aus der eigentlich geplanten Doktorarbeit entstand später ihr erster Roman Die Siechenmagd. Sie arbeitete beim Deutschen Filmmuseum und bei der FAZ. Heute lebt sie als Autorin mit ihren beiden Hunden in Seelenberg im Taunus.


Buchinfo: Die Hurenkönigin von Ursula Neeb, erschienen bei Ullstein, September 2012, 400 Seiten, € 8,99, ISBN 978-3-548-28376-0

Die Knopfmacherin: Ein historisches Familiendrama

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts. Die Bundschuhbewegung versetzt den Südwesten in Angst und Schrecken. Bauern rebellieren gegen eine Politik, die ihnen trotz harter Arbeit nicht genug zum Leben lässt. Der Aufstand wird brutal niedergeschlagen. Seine Anführer retten sich in letzter Minute unerkannt in das Haus eines angesehenen Handwerkers. Ein grausames Familiendrama nimmt seinen Anfang.

Melisande ist die älteste Tochter des Knopfmachers Bruckner aus Udenheim. Schon als Kind war die Werkstadt ihres Vaters ihr liebster Ort. Sie schaute ihm über die Schulter, führte einfache Aufgaben aus und überzeugte den erfahrenen Handwerker schon früh von ihrem Talent. Da Bruckner der Sohn verwehrt blieb, sollte Melisande, die Werkstatt übernehmen. Alles schien perfekt.

Die Eltern tot, die Schwester verschleppt

Knopfmacher Bruckner hat allen Grund zu feiern. Endlich erlaubt ihm die Innung, auch Knöpfe aus edlen Metallen zu fertigen und damit seiner Familie zu Wohlstand zu verhelfen. Mitten in die Feier platzen zwei Unbekannte, einer davon schwer verletzt. Die Nächstenliebe gebietet es, den vermeintlichen Handwerksburschen zu helfen. Eine Hilfe, die sie teuer bezahlen müssen. Denn kurze Zeit später stürmen die Schergen des Bischofs von Speyer auf der Jagd nach den Rebellen ihr Haus. Sie töten Melisandes Eltern und einen der ungebetenen Gäste und verschleppen ihre jüngere Schwester Alina. Nur durch einen Zufall bleibt Melisande verschont. Fortan setzt sie alles daran, ihre Schwester und damit das einzige, was von ihrer Familie geblieben ist, wiederzufinden.

Die Knopfmacherin folgt dem gewohnten Motto historischer Romane, bei denen Frauen die Hauptfiguren sind. Entgegen der Geflogenheiten ihrer Zeit erlernt ein begabtes Mädchen einen Beruf und hofft auf ein selbstbestimmtes Leben. Als seine Gönner plötzlich nicht mehr da sind, muss es lernen, auf eigenen Füßen zu stehen. Für Melisande bedeutet dies, ihre Heimat zu verlassen und sich auf die Suche nach ihrer Schwester zu machen. Sie findet sie schließlich in einem Bordell.

Historienunterhaltung für stürmische Herbsttage

Melisandes Geschichte ist solide Historienunterhaltung. Bestens geeignet für einen regnerischen Herbsttag, den man unter einer warmen Decke auf der Couch verbringen möchte. Nicht spektakulär aber wirklich unterhaltsam und stellenweise temporeich.

Corinna Neuendorf
ist das Pseudonym einer Autorin, die bereits zahlreiche historische Romane veröffentlicht hat. Sie lebt mit ihrer Familie in Mecklenburg-Vorpommern.
Buchinformationen
Die Knopfmacherin von Corinna Neuendorf, erschienen bei Ullstein, August 2011, 448 Seiten, € 8,99, ISBN  978-3-548-28172-8

Ursula Neeb: Das Geheimnis der Totenmagd

In der Nach von Allerseelen 1509 beobachtet der Frankfurter Totengräber Heinrich Sahl ein dunkles Ritual auf dem Friedhof. Am Morgen danach findet er im Beinhaus die Leiche einer jungen Frau. Doch keiner glaubt dem als Trunkenbold verrufenen Mann seine Geschichte. Er wird festgenommen und soll hingerichtet werden. Für seine Tochter Katharina beginnt der Wettlauf mit der Zeit. Sie sucht den wahren Mörder und gerät immer tiefer in den Sog einer Bruderschaft, die “Meister Tod” verehrt.

Waren Teufelsanbeter am Werk?

Was liegt näher, als einen Totengräber des Totenkults zu beschuldigen? Dieser Meinung ist zumindest der Inquisitor, der das Werk von Teufelsanbetern aufklären soll, die auf bizarre Weise eine jungen Frau getötet haben. Die Einzige, die zu dem Verurteilten hält, ist seine Tochter, die Totenmagd Katharina. Als sie die Tote wäscht, fallen ihr Verletzungen auf, die sie wenige Wochen zuvor bei einer anderen jungen Toten gesehen hat. Treibt etwas ein Serienmörder in der Stadt sein Unwesen?

Doch niemand schenkt ihr Aufmerksamkeit. Für die Obrigkeit ist längst ein Schuldiger gefunden und das ist das einzige, was zählt. Erst als Katharina Anna, die Schwester der Toten, kennenlernt, stößt sie auf offene Ohren. Über alle Standesgrenzen hinweg freunden sich die geächtete Totenmagd und die angesehene Patriziertochter an. Sie setzen alles daran, die wahren Mörder zu finden und geraten dabei selbst in große Gefahr. Denn eine tödliche Bruderschaft setzt alles daran, dass ihre dunklen Machenschaften nicht ans Licht kommen. Können Katharina und Anna verhindern, dass weitere junge Frauen in den Sog der Bruderschaft geraten?

Solide, historische Leselust

“Das Geheimnis der Totenmagd” ist solide, historische Leselust. Auch wenn das Schema vertraut ist – engagierte junge Frau nimmt allen Mut zusammen und klärt in einer Männergesellschaft ein Verbrechen auf – ist Ursula Neeb ein spannender Roman gelungen. Bis zur letzten Seite bleibt viel Zeitraum für Spekulationen, wer der wirklich Schuldige ist.

Von mir eine klare Leseempfehlung.

Ursula Neeb hat Geschichte studiert. Aus der eigentlich geplanten Doktorarbeit entstand später ihr erster Roman Die Siechenmagd. Sie arbeitete beim Deutschen Filmmuseum und bei der FAZ. Heute lebt sie als Autorin mit ihren beiden Hunden in Seelenberg im Taunus.

Buchinfo: Das Geheimnis der Totenmagd von Ursula Neeb, erschienen bei Ullstein, Juli 2011, 432 Seiten, € 8,99, ISBN 978-3-548-28281-7