Corinna Mell: Marienfelde

Berlin Anfang der Fünfziger Jahre. Die 16-jährige Sonja profitiert vom Wirtschaftswunder im Westen der Stadt und hat klare Pläne für ihre Zukunft. Sie will nicht nur Ehefrau und Mutter sein, sondern auch ihr eigenes Geschäft führen. Als die DDR ihre Grenzen schließt, gerät ihr Leben ins Wanken.

MarienfeldeSonja kommt nach ihrer Großmutter, einer starken, unabhängigen Frau. Nach ihrem Tod scheint Sonjas Plänen nichts mehr im Wege zu stehen. Die alte Dame hat ihr einen beträchtlichen Geldbetrag vermacht, den sie für ihre beruflichen Pläne nutzen soll. Eine kaufmännische Ausbildung möchte sie machen und dann ihre Eltern im heimischen Fahrbetrieb unterstützen.

Willkommen auf der Bräuteschule

Als ihr Vater seine Chance nutzt, gemeinsam mit einem renommierten Autobauer ein florierendes Autohaus aufzubauen, muss Sonja ihr Pläne vorerst aufschieben. Weil von der Tochter eines erfolgreichen Autohändlers tadellose Manieren erwartet werden, soll sie nach der mittleren Reife auf eine angesehene “Bräuteschule” wechseln. Zähneknirschend fügt sich Sonja. Sie will den Eltern keine Steine in den Weg legen. Dass sie ausgerechnet hier zwei Menschen kennenlernt, die ihr Leben wesentlich beeinflussen werden, ahnt sie noch nicht.

17. Juni 1953. Von ihrem Onkel, einem überzeugten Anhänger Walter Ulbrichts, der im Osten der geteilten Stadt lebt, hat Sonja viel über soziale Gerechtigkeit und Ausbeutung gehört. Spontan beschließt sie, sich den Demonstrationen in der DDR anzuschließen. Tausende gehen für die Rechte der Arbeiter auf die Straße und werden von der Regierung Ulbricht brutal niedergeschlagen. Er schreckt auch nicht davor zurück, mit Panzern auf das eigene Volk zu zielen. Schockiert flüchtet Sonja zurück in den Westen.

So viel und doch so wenig hat sich getan

Corinna Mells Marienfelde hat mich von der ersten Seite an begeistert. Ich bin immer wieder beeindruckt, wie wenig Möglichkeiten Frauen in den 50er Jahren noch hatten und welche Möglichkeiten uns heute offen stehen. Aber auch, wie viel noch zu tun ist. Gleicher Lohn für gleich Arbeit. Vereinbarkeit von Familie und beruflicher Entwicklung. Gute Versorgung und Ausbildung von Kindern, gerade auch für Alleinerziehende.

Mit den ersten Jahren der geteilten Stadt Berlin habe ich mich tatsächlich auch noch nie intensiver auseinander gesetzt. Als ich zur Welt kam, war die Mauer bereits der Status Quo. Klar wusste ich um die Repressalien und Bespitzelungen. Aber wie das Leben der Berliner vor dem Mauerbau aussah, war mir nicht präsent. Zum 70. Jahrestag der Bundesrepublik Deutschland die perfekte Lektüre.

Corinna Mell hat mit Marienfelde ein kluges und gleichzeitig emotionales Buch geschrieben, Das ich nur empfehlen kann.

Corinna Mell

Corinna Mell wurde Ende der fünfziger Jahre in der Nähe von Osnabrück geboren.

Ihre berufliche Laufbahn begann im Einzelhandel, und ihre ersten Versuche im kreativen Schreiben machte sie mit knapp 30 Jahren während der Schwangerschaft mit ihrer Tochter.

Corinna Mell lebt als freie Autorin in Berlin und in der Nähe von Köln. Ihre Begeisterung für Geschichte und Soziologie hat sie zu diesem Roman inspiriert.

Buchinfo: Marienfelde von Corinna Mell, erschienen bei Droemer, 27.12.2018, 480 Seiten, € 9,99, ISBN 978-3-426-30641-3. Vielen Dank für das Leseexemplar.

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Hanna Caspian: Gut Greifenau – Abendglanz

Hinterpommern im Mai 2013. Gut Greifenau steckt mitten im Umbruch. Der alte Patron ist tot, sein Sohn übernimmt formal die Verantwortung für Land und Leute. In Wahrheit verwaltet jedoch Konstantin, sein ältester Sohn, das Gut. Und Konstantin ist offen für Veränderungen. In vielerlei Hinsicht.

Gut GreifenauMai 2013. Konstantin, ältester Sohn des Grafen von Adolphis von Auwitz-Aarhayn, sieht endlich seine Chance gekommen, das Gut zu reformieren. Er will Maschinen anschaffen, um die schwere Feldarbeit zu erleichtern und vorzubeugen, sollte es wirklich zu dem viel diskutierten Krieg kommen. Denn dann würden viele der Pächter zu den Waffen gerufen und niemand könnte die Felder bewirtschaften.

Wie in adeligen Kreisen zu dieser Zeit üblich, stößt jede Änderung auf Unverständnis und Abwehr, egal ob im wirtschaftlichen oder im gesellschaftlichen Umfeld. Als sich Konstantin in die junge Lehrerin Rebecca Kurscheidt verliebt, ist ihm klar, dass er bei seiner Familie auf Widerstand stoßen wird. Seine Eltern werden der Verbindung mit einer Bürgerlichen niemals zustimmen. Zu sehr ist man dem alten Standesdünkel verhaftet. Kann Konstantin seine Liebe leben, oder machen ihm die gesellschaftlichen Regeln und der Krieg einen Strich durch die Rechnung?

Bin ich hier richtig?

Die ersten Seiten von Gut Greifenau – Abendglanz ließen mich zweifeln, ob ich mich für das richtige Buch entschieden habe. Der Auftakt der dreiteiligen Familiensaga fängt für mein Empfinden etwas behäbig an und ich war kurz davor, das Buch zur Seite zu legen.

Aber dann kam Rebecca Kurscheidt ins Spiel, eine junge, moderne Berlinerin, die hochmotiviert als Dorflehrerin ins pommersche Hinterland zieht. Rebecca ist überzeugte Sozialdemokratin und merkt sehr schnell, dass sie diese Überzeugung in der “Dorf-Idylle” nur sehr vorsichtig ausleben kann.

Es gibt immer noch viel zu tun

Immer wieder musste ich mir bewusst machen, dass das Gesellschaftsportrait eine Zeit beschreibt, die gerade mal gut 100 Jahre zurückliegt. Unvorstellbar, was Frauen vor drei bis vier Generationen noch alles verwehrt war, wie ungleich die Behandlung von Jungen und Mädchen war. Und dass immer noch viel Arbeit vor uns liegt.

Ich bin gespannt, wie es mit der Liebe der Kinder von Gut Greifenau weitergeht und freue mich auf Band zwei der Familiensaga Gut Greifenau – Nachtfeuer, der im Dezember 2018 erscheint.

Hanna Caspian

Hanna Caspian ist das Pseudonym einer erfolgreichen deutschen Autorin. Mit ihren gefühlvollen und spannungsgeladenen Familiensagas beleuchtet sie bevorzugt fast vergessene Themen deutscher Geschichte.

Hanna Caspian studierte Literaturwissenschaften, Sprachen und Politikwissenschaft in Aachen und arbeitete danach lange Jahre im PR- und Marketingbereich. Zuletzt war sie Anzeigenleiterin und Projektmanagerin in einem Fachverlag. Mit ihrem Mann lebt sie heute als freie Autorin in Köln, wenn sie nicht gerade durch die Weltgeschichte reist.

Buchinfo: Gut Greifenau – Abendglanz von Hanna Caspian, erschienen bei Knaur, 02.11.2018, 560 Seiten, € 9,99, ISBN: 978-3-426-52150-2. Danke für das Leseexemplar.

Sebastian Fitzek: Achtnacht

Stell dir vor, du kannst eine Nacht im Jahr einen Menschen völlig legal töten. Als Prämie winken dir zehn Millionen Euro. Wer das Opfer ist, entscheiden die Teilnehmer einer Online-Kampagne. Jeder kann einen Menschen zum Abschuss vorschlagen. Wen würdest du nominieren?

978-3-426-52108-3_DruckBenjamin Rühmann ist nicht gerade vom Glück verfolgt. Seine Ehe mit Jennifer ist gescheitert. An der Querschnittslähmung seiner Tochter gibt es sich die Schuld. Und gerade eben ist er aus seiner Band geflogen.

Frustriert macht er sich auf den Heimweg. Plötzlich begegnet ihm sein überlebensgroßes Porträt auf sämtlichen interaktiven Werbeflächen der Stadt. Irgendjemand hat ihn für die Aktion “Achtnacht” nominiert. Zwölf Stunden lang können ihn 80 Millionen jagen, foltern und dann töten. Wer nachweisen kann, dass er beziehungsweise sie ihn getötet hat, kann sich über zehn Millionen Euro auf einem Konto auf den Caymans freuen.

Kann Ben die Nacht überstehen? Kann er seine Verfolger abschütteln? Und wer wird ihm helfen?

Die kranke Phantasie des Sebastian F.

Sebastian Fitzek hat einfach eine kranke Phantasie! Und ich liebe diese Phantasie! Mit Achtnacht hat er mich mitgenommen in eine Welt, die ich absolut nicht unvorstellbar finde. Menschen können alle Hemmungen verlieren, wenn sie sich in Sicherheit wähnen, der Menge folgen können und außerdem noch die Aussicht auf viel Geld haben.

Wieder einmal zeigt Fitzek uns, wie sehr Traumata Menschen verletzen und nachhaltig in ihren Grundfesten erschüttern können. So sehr, dass sie unbewusst Katastrophen heraufbeschwören. Sich auf Experimente einlassen, die komplett aus dem Ruder laufen.

Gleichzeitig macht Fitzek Mut. Auch in noch so aussichtslosen Situationen kann man auf Menschen stoßen, die nicht einfach nur mit der Horde mitlaufen. Die ihre Menschlichkeit bewahrt haben und sich nicht von ihrem Weg abbringen lassen.

Die dunkle Seite der Online-Welt

Achtnacht ist brutal, schonungslos und dabei über weite Strecken nicht mal völlig unrealistisch. Der Thriller lässt uns in Abgründe schauen, die wir hoffentlich nie selbst erleben müssen.

Und typisch für Sebastian Fitzek: Immer, wenn man denkt, man weiß, wer für all das verantwortlich ist, hat er noch einen weiteren Schlenker parat, der alle Überlegungen Makulatur sein lässt.

Achtnacht ist einfach ein geiler Thriller!

Sebastian Fitzek

Sebastian Fitzek, geboren 1971, ist Deutschlands erfolgreichster Autor von Psychothrillern. Seit seinem Debüt „Die Therapie“(2006) ist er mit allen Romanen ganz oben auf den Bestsellerlisten zu finden. Mittlerweile werden seine Bücher in vierundzwanzig Sprachen übersetzt und sind Vorlage für internationale Kinoverfilmungen und Theateradaptionen. Als erster deutscher Autor wurde Sebastian Fitzek mit dem Europäischen Preis für Kriminalliteratur ausgezeichnet. Er lebt mit seiner Familie in Berlin.

Buchinfo: Achtnacht von Sebastian Fitzek, erschienen bei KNAUR, März 2017, 416 Seiten, € 12,99, ISBN: 978-3-426-52108-3

Anna Stein: Fräulein Kubitschek pfeift auf die Liebe

Die Liebe ist Kokolores, Schnickschnack und grober Unfug zugleich. So denkt Charlotte Kubitschek über die Liebe. Was nicht bedeutet, dass es in ihrem Leben keine Männer gibt. Aber eben keine, die nach einer heißen Nacht zum Frühstück bleiben dürfen. Von der 93-jährigen Nachbarin Elise erntet Charlotte für diese Haltung nur Kopfschütteln und bissige Kommentare. Bis das alte Haus, in dem sie wohnen, luxussaniert werden soll. Denn jetzt haben die Streithennen ein gemeinsames Ziel für ihre Aggressionen: Den Vermieter.

Berlin, Roman, Liebe, HumorCharlotte glaubt nicht an die Liebe. Oder vielmehr nicht mehr. Ihre Männer sucht sie sich jetzt nur noch für eine Nacht. Am Morgen werden sie dann schon mal in Unterwäsche aus dem Haus gejagt. Sehr zum Entsetzen der “fiesen Elise”, der 94-jährigen Nachbarin aus dem Erdgeschoss. Beide sind wie Feuer und Wasser. Wo sie sich treffen, fliegen die Fetzen. Frei Berliner Schnauze quasi. Schlichten kann nur Juri, der seinen Laden ebenfalls im Haus hat.

Luxussanierung ist keine Lösung

Das ändert sich dramatisch, als der Vermieter ihnen die Daumenschrauben anlegt. Er will das Haus endlich sanieren, um die Wohnungen dann zu wesentlichen höheren Preisen wieder zu vermieten. Luxussanierung also. So wie bei den Nachbarhäusern. Die Konsequenz: Die “Ur-Einwohner” werden an den Stadtrand verdrängt, wo sie noch einigermaßen bezahlbaren Wohnraum finden können. Egal, ob sie sechs oder sechzig Jahre in ihrer Wohnung gelebt haben.

Doch nicht mit Charlotte, Elise und Juri. Sie sagen dem Vermieter den Kampf an.

Fräulein Kubitschek pfeift auf die Liebe ist ein erfrischend witziges Buch, auch wenn es um sein sehr reales und wenig schönes Thema geht. Zwei Frauen, die auf den ersten Blick unterschiedlicher nicht sein könnten, aber eines gemeinsam haben: Ordentlich Feuer unterm Hintern. Ein Mann, der sich der Tatkraft der beiden Frauen nicht entziehen kann. Und dann noch ein weiterer, mit dem plötzlich doch die Liebe ins Spiel kommt.

Lesespaß im wahrsten Sinne des Wortes

Ich habe Fräulein Kubitschek pfeift auf die Liebe von Anna Stein mit Begeisterung gelesen. Die Berliner Schnauze der “fiesen” Elise hatte daran nicht wenig Anteil. Wer beim Lesen schmunzeln möchte, sollte Anna Steins Buch lesen.

Anna Stein

Anna Stein, Jahrgang 1975, ist in Hoyerswerda geboren und aufgewachsen. Sie arbeitete einige Jahre in der Werbe- und Medienbrache und ist derzeit für das Fundraising und die Öffentlichkeitsarbeit einer gemeinnützigen Organisation tätig. Immer wieder zog es Anna Stein ins Ausland. So wusch sie in London Teller, arbeitete in Kambodscha in einer Hilfsorganisation und hütete Ziegen in den Bergen Südfrankreichs. Heute lebt und arbeitet sie in Berlin. „Fräulein Kubitschek pfeift auf die Liebe“ ist ihr Debütroman.

Buchinfo: Fräulein Kubitschek pfeift auf die Liebe von Anna Stein, erschienen bei KNAUR, Juli 2015, 272 Seiten, Taschenbuch, 9,99 Euro, ISBN 978-3-426-51658-4. Danke für das Leseexemplar.

 

Carine Bernard: Der Lavendel-Coup

Getarnt als Kunststudentin Marie Bonnieux hat sich Molly Preston einen Ferienjob in der Provence ergattert. Im Auftrag eines reichen Bankiers soll sie in einer historischen Kapelle alte Fresken freilegen. Was in dem beschaulichen Dorf keiner ahnt: Maries oder besser gesagt Molly hat eine ganz andere Mission. Eine, die beinahe ihr Leben kostet.

9783426437797Molly Preston ist jung, intelligent und bildhübsch. Und sie ist Spezialermittlerin einer geheimen Sondereinheit der EU.

Perfekt getarnt in die Höhle des Löwen

Ihr neuer Auftrag führt sie in die Provence, wo sie die dubiosen Aktivitäten eines alteingesessenen Bankiers aufklären soll. Als studentische Helferin bei der Restaurierung einer alten Kapelle hat sie die perfekte Tarnung gefunden, denn niemand Geringerer als besagter Bankier ist Auftraggeber der Restaurierung.

Als Marie aka Molly unter den alten Anstrichen eine seltsame Zeichnung findet, spitzt sich die Situation zu. Was auch immer es damit auf sich hat, die Menschen, die daran interessiert sind, schrecken auch vor Mord nicht zurück.

“Der Lavendel-Coup” war kein Buch, das mich vom ersten Augenblick an gefesselt hat, aber nach kurzer Anlaufphase hatte es mich im Griff und die Fahrten in der Bahn morgens und abends vergingen wie im Flug.

Kurzweilige Krimi-Unterhaltung

Carine Bernards Buch ist kein atemlos machender Thriller und hat auch keine psychologisch ausgefeilten Gänsehautmomente. Aber es ist ein spannender und kurzweiliger Krimi, den ich sehr gerne gelesen habe und deshalb auch weiter empfehle.

Carine Bernard

Carine Bernard wurde 1964 in Niederösterreich geboren. Seit 2002 lebt sie mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Deutschland in der Nähe von Düsseldorf. Sie fotografiert gern und geht in ihrer Freizeit Geocachen. Beim Erfinden von Geocache-Rätseln entdeckte sie ihre alte Liebe zum Schreiben wieder und nach einigen Rätselgeschichten rund um Molly Preston folgte 2015 ihr erster Roman.

Buchinfo: Der Lavendel-Coup von Carine Bernard, erschienen bei Knaur, August 2015, 200 Seiten, eBook, € 4,99, ISBN 978-3-426-43779-7. Vielen Dank für das Leseexemplar.

 

Dünengrab: Serienmord an der friesischen Küste

Im idyllischen Fischerdorf Werlesiel verschwindet nachts im dichten Seenebel ein junges Mädchen. Femke Folkmer, Polizei-Chefin vor Ort, zweifelt an einem normalen Vermisstenfall. Sie bittet die Kripo um Unterstützung und steht unversehends Tjark Wolf, ihrem heimlichen Vorbild, gegenüber. Wird er ihr glauben, oder wird er ihre Ahnung als Überreaktion abtun?

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(Cover: Knaur)

Femke Folkmer hat in Werlesiel “Karriere” gemacht. Als Leiterin der örtlichen Polizeistation ist sie respektiert und angesehen. Doch sie will mehr als nur Parksünder und Taschendiebe zur Rechenschaft ziehen. Ihr großes Vorbild ist Tjark Wolf, ein Kriminalkommissar, der nicht nur ein begnadeter Ermittler ist, sondern als Autor auch seine spannendsten Fälle publiziert hat. Das Buch wurde zum Kassenschlager und zu Femkes Bibel.

Kein Wunder, dass Femke wie vom Donner gerührt ist, als genau dieser Tjark Wolf leibhaftig vor ihr steht, um mit ihr gemeinsam das mysteriöse Verschwinden der jungen Vikki Rickmers aufzuklären.

Auf der Suche nach dem Serienmörder

Was als – wenn auch mysteriöse – Vermisstenmeldung beginnt, endet in der Suche nach einem perversen und psychopathischen Serienkiller, der über Jahre hinweg Frauen auf brutalste Art und Weise gequält, getötet und dann in den Dünen verscharrt hat. Und Femke ist mittendrin in ihrem ersten großen Kriminalfall.

“Dünengrab” ist kurzweilige Krimiunterhaltung mit durchaus hohem Spannungsfaktor. Was wie ein weiterer Krimi mit Lokalkolorit beginnt – meine Meinung hierzu ist ja gespalten, wie an anderer Stelle berichtet – entpuppt sich zu einem Thriller um Leben und Tod. Auch wenn ich recht früh vermutet habe, wer der Täter sein könnte, habe ich mich von der Handlung aufs Glatteis führen lassen.

Dünengrab: Ein Krimi mit Herz, Humor und viel Spannung!

Sven Koch

Sven Koch, geboren 1969, arbeitet als Redakteur bei einer Tageszeitung. Auch als Fotograf und Rockmusiker hat er sich einen Namen gemacht. Sven Koch lebt mit seiner Familie in Detmold.
Mehr Infos über den Autor unter: http://www.sven-koch.com

Buchinfo: Dünengrab von Sven Koch, erschienen bei Knaur, August 2013, 416 Seiten, € 8,99, ISBN: 978-3-426-51322-4

Iny Lorentz: Der weiße Stern (Band 2 der Auswanderer-Saga)

Amerika im 19. Jahrhundert. Gisela und Walther Fichtner sind auf der Flucht aus ihrer preußischen Heimat in der mexikanischen Provinz Tejas gestrandet. Zwar hatten sie Glück im Unglück und kamen in den Genuss einer großzügigen Landschenkung, doch dieses Glück währt nicht lange. Denn Gisela, von der Geburt ihres ersten Kindes stark geschwächt, kann ihren kleinen Sohn nicht ernähren. Eine Amme muss her. Welche Bedeutung diese Entscheidung für das weitere Schicksal der Fichtners hat, kann zu diesem Zeitpunkt noch niemand ahnen.

(Cover: Knaur)
(Cover: Knaur)

Eigentlich könnten Gisela und Walther mit ihrem Leben zufrieden sein. Trotz der widrigen Umstände, unter denen sie in Mexiko gelandet sind – ihr Schiff war auf dem Weg in die Vereinigten Staaten von Amerika von seiner Route abgekommen und gesunken – lässt sich ihr Neustart auf dem eigenen Land gut an. Rinder und Pferde gedeihen, die ersten Halme sprießen aus dem frisch bebauten Boden und Giselas Niederkunft steht kurz bevor.

Wird Giselas Erstgeborenes überleben?

Doch Gisela spürt, dass irgend etwas nicht in Ordnung ist. Zu schnell ist sie erschöpft, zu früh kann sie ihren Haushalt nicht mehr richtig versorgen. Und tatsächlich wird die Geburt ihres ersten Kindes eine große Herausforderung, der die junge Mutter fast nicht gewachsen ist. Doch damit nicht genug: Sie hat keine Milch für ihr Baby. In der mexikanischen Prärie der sichere Tod für den kleinen Jungen, denn Kuhmilch verträgt der Neugeborene nicht.

Eine glückliche Fügung führt die junge Navajo Nizhoni in Fichtners Haus. Sie hat eben erst ihr eigenes Baby verloren und nimmt sich des kleinen Josefs an. Rasch entwickelt sich zwischen der zurückhaltenden Indianerin und der vorurteilsfreien Gisela eine herzliche Freundschaft, die auch dann nicht zerbricht, als zwischen Mexikanern und Amerikanern ein Krieg ausbricht. Nizhoni, die mutige junge Frau aus der mexikanischen Prärie, steht bis zu letzten Minute treu an der Seite ihrer Freundin.

Und was ist mit dem Krieg?

Wer “Der weiße Stern” bereits gelesen hat, wird sich jetzt wundern, wieso ich den Krieg, der den größten Teil des Buches bestimmt, nur in einem Nebensatz erwähne. Genau aus diesem Grund: weil er den meisten Raum einnimmt.

Das goldene Ufer”, Band eins der Auswanderersaga um Gisela und Walther, hat mich begeistert. Ab der letzten Seite war ich neugierig, wie es mir den beiden in Tejas weitergehen würde. Natürlich gehörte der Befreiungskrieg gegen General Santa Ana zum Leben der Auswanderer in der damaligen Zeit , aber mir waren die Schilderungen zu ausschweifend. Mehrfach war ich versucht, ein paar Seiten zu überblättern. Bei der Stange gehalten hat mich Nizhoni, die junge Indianerin. Und sie ist es auch, die mich veranlasst, für “Der weiße Stern” eine Leseempfehlung auszusprechen. Ich bin schon sehr gespannt auf Band 3, der für Frühjahr 2015 angekündigt ist.

Kaufen, lesen, auf Band drei gespannt sein

Fazit: Wer Band eins der Auswanderersaga gelesen hat und wissen möchte, wie es mit den Fichtners weitergeht, sollte “Der weiße Stern” auch lesen. Es ist übrigens kein Problem, wenn man Band eins nicht gelesen hat. Auch dann findet man sich die Story ein. Leser, die sich zudem noch für die Siedlungsgeschichte der Vereinigten Staaten interessieren, sollten eigentlich rundum zufrieden sein.

Begeisternd fand ich die Schilderung des neuen Hauptcharakters: Nizhoni. Eine junge Navajo, die von den Komantschen geraubt und von diesen an Walther Fichtner verkauft wurde. Mit ihrem Mut und ihrer Treue zu Gisela erobert sie sich schnell den Respekt und das Herz der Leser.

Iny Lorentz

Hinter dem Namen Iny Lorentz verbirgt sich ein Münchner Autorenpaar, dessen erster historischer Roman „Die Kastratin“ die Leser auf Anhieb begeisterte. Mit „Die Wanderhure“ gelang ihnen der Durchbruch; der Roman erreichte ein Millionenpublikum. Seither folgt Bestseller auf Bestseller. Die Romane von Iny Lorentz wurden in zahlreiche Länder verkauft. Die Verfilmungen ihrer „Wanderhuren“-Romane und zuletzt der „Pilgerin“ haben Millionen Fernsehzuschauer begeistert.
Besuchen Sie auch die Homepage der Autoren: http://www.inys-und-elmars-romane.de

Buchinfo: Der weiße Stern von Iny Lorentz, erschienen bei Knaur, April 2014, 592 Seiten, € 9,99, ISBN: 978-3-426-51170-1