Hans Scheibner: Alle Jahre Oma

In der Innenstadt duftet es schon nach Glühwein. Die ersten Fenster sind heimelig beleuchtet. Und der Briefkasten quillt über vor Werbung. Spielzeug, Kosmetik, Mode, Schnickschnack, alles was man eben so zum Verschenken braucht. Es ist einfach nicht zu leugnen: Weihnachten steht vor der Tür. Nicht für jeden das Fest der Liebe.

9783471351093_coverAusgerechnet an Weihnachten soll Helene Kreienbohm im Pflegeheim bleiben. Dabei hat sie sich doch nur den Oberschenkelhals gebrochen. Ok, vor Jahren war das noch so richtig gefährlich bei alten Menschen. Aber heute doch nicht mehr. Also kein Grund für die Familie, sie so einfach abzuschieben. Nicht mal zu Besuch wollen sie an Heiligabend kommen. Wenn doch wenigsten Mozart da wäre, ihr treuer Hund. Aber für den will die Familie ja gut sorgen, bis sie selbst wieder mobil ist und sich selbst versorgen kann. Ob sie das wohl wirklich tun? Womöglich haben sie das arme Tier ja längst ins Tierheim abgeschoben. Frau Kreienbohm braucht Klarheit und schmiedet gemeinsam mit Herrn Reimann einen kühnen Plan.

Hänsel und Gretel 2.0

Wie würde eigentlich Leon-Louis und Kaya-Mailin ähm ich meine Hänsel und Gretel heute ablaufen? Quasi Hänsel und Gretel 2.0. 2015, wo das Smartphone mit Allnet-Flat praktisch zur Säuglingsausstattung gehört. Hans Scheibner hat das so eine Idee. Übrigens auch zur Weihnachtsgeschichte an sich. Die gehört nämlich längst sozialkritisch überarbeitet. Kann man doch heute nicht mehr so stehen lassen. Vielleicht ist ja Scheibners Version die Vorlage für das diesjährige Schultheater?

Wir wurden nicht warm

Um es kurz zu machen, Hans Scheibner nimmt – wie zu erwarten – Weihnachten ordentlich auf die Schippe. Mal böse, mal ironisch, mal versaut. Im Grunde also eine Mischung, mit der ich sehr gut kann. Zu schwarz gibt es bei mir in Sachen Humor ja kaum. Trotzdem bin ich mit “Alle Jahre Oma” nicht wirklich warm geworden. Warum kann ich eigentlich nicht so genau sagen. Ich glaube, auf mich hat das Buch etwas zu angestrengt gewirkt. Zu bemüht, in jedem Kapitel einen Klopper zu landen.

Trotzdem ein nettes kleines Buch für alle, die nicht alles so bierernst sehen und auch über derbere Witze mal lachen können.

Hans Scheibner

Hans Scheibner ist Kabarettist, Liedermacher, satirischer Sänger und Poet. Mit seinen Kabarett- und Liederprogrammen begeistert der Altmeister des satirischen Humors ganz Deutschland.

Buchinfo: Alle Jahre Oma von Hans Scheibner, erschienen bei List, 09.10.2015, 256 Seiten, gebunden, 14,99 Euro, ISBN 978-3-471-35109-3. Vielen Dank für die Bereitstellung des Leseexemplares.

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Stefan Ahnhem: Herzsammler

Eigentlich wollte Kommissar Fabian Risk endlich mehr Zeit mit seiner Familie verbringen. Die Entführung des Justizministers macht einen Strich durch seine Rechnung. Risk stürzt sich in die Ermittlungen und wird in einen Sumpf aus Verschwörung und Rache hinein gezogen.

Krimi, Organspende, Mord, Herzsammler, AhnhemStockholm, kurz vor Weihnachten. Fabian Risk hat sich fest vorgenommen, seine Ehe zu retten und mehr Zeit mit seiner Familie zu verbringen. Ausgerechnet jetzt verschwindet der Justizminister. Kommissar Risk wird mit der Suche beauftragt und ist erfolgreich. Doch leider zu spät. Der Minister wurde brutal niedergemetzelt. Und er ist erst der Anfang eine Mordreihe, die auf den ersten Blick keinen Zusammenhang zu haben scheint. Bis man erkennt, dass jedem der Opfer ein Organ fehlt.

Zur gleichen Zeit in Kopenhagen. Eine junge Frau wird ermordet. Wie die Gerichtsmedizin festellt, fehlt eines ihrer Organe. Dunja Hougaard ermittelt und stößt bald auf die nächste Leiche. Die einzige Übereinstimmung mit dem ersten Fall: Wieder fehlt ein Organ.

Spannend und blutrünstig

Eines vorweg: Für sehr zart besaitete Leserinnen und Leser ist “Herzsammler” vermutlich nicht das passende Buch. Es geht schon recht derb zu.

Doch zur Story. Ein Brief, in den 90ern im Nahen Osten auf den Weg geschickt, löst in Dänemark und Schweden eine Reihe unerklärlicher Morde aus. Da die Ermittlungen unabhängig voneinander laufen, dauert es unnötig lange, bis ein gemeinsamer Nenner gefunden werden kann. Ein Versäumnis, das Risks Kollegin beinahe das Leben kostet.

Aber auch verwirrend

Ich habe “Und morgen du” von Stefan Ahnhem verschlungen. Die Story war zwar sehr speziell und voller Wendungen, aber irgendwie vorstellbar. Neugierig war ich allerdings auf die Vorgeschichte, die zu Fabian Risks Umzug geführt hat und auf die immer wieder angespielt wurde.

Diese liefert Ahnhem jetzt mit Herzsammler. Ein cleverer Schachzug von Autor und Verlag, die Bücher in dieser Reihenfolge zu verlegen. Ich weiß nämlich nicht, ob man mich mit “Und morgen du” noch so stark hätte locken können, hätte ich Herzsammler zuerst gelesen. Dazu war mir die Story etwas zu abstrus und die parallelen Handlungsstränge in Schweden und Dänemark etwas zu verwirrend. Dazu noch die Entführung von Risks schwangerer Kollegin… genug Stoff für zwei Bücher.

Komplexe Stories? Kann Ahnhem!

Was aber nicht heißen soll, dass “Herzsammler” nicht spannend war. Schließlich leben Bücher davon, dass sie nicht unseren Alltag abbilden, sondern komplexe Geschichten. Und das kann Stefan Ahnhem definitiv. Unglaublich fantasiereich konstruiert er seine Stories bis ins kleinste Detail. Dazu noch ein angenehmer Schreibstil. Eine Kombination, die Lust auf mehr macht. Ich jedenfalls freue mich auf den nächsten Ahnhem!

Deshalb: Leseempfehlung! Ob vor oder nach “Und morgen du” bleibt jedem selbst überlassen.

Stefan Ahnhem

Stefan Ahnhem, geboren 1966, ist ein bekannter schwedischer Drehbuchautor, unter anderem für die Filme der Wallander-Reihe. Er lebt mit seiner Familie in Stockholm. Mit seinem DebütUnd morgen du schaffte er auf Anhieb den Sprung auf die Bestsellerliste.

Buchinfo: Herzsammler von Stefan Ahnhem, erschienen bei List, 10.07.2015, 576 Seiten, Klappenbroschur, €14,99, ISBN 978-3-471-35111-6.

 

Stefan Ahnhem: Und morgen Du

Grausam zugerichtet und mit abgesägten Händen wird ein Lehrer tot im Werkraum aufgefunden. Wenig später taucht das nächste Opfer mit zerquetschten Füßen und von Ratten grauenhaft verstümmelt in einem Baustoffhandel auf. Beide waren in der gleichen Klasse und haben gemeinsam über Jahre hinweg einen Mitschüler aufs Übelste misshandelt. Opfer eins mit seinen Fäusten, Opfer zwei durch gezielte Fußtritte.

Krimi, Schweden, Mobbing, Schule, Mord
(Cover: ullsteinbuchverlage.de)

Gerade ist Kommissar Fabian Risk mit seiner Familie in sein idyllisches Heimatstädtchen Helsingborg in Südschweden zurückgekehrt. Es soll ein Neustart für die Liebe werden, die in der Stockholmer Zeit schwer gelitten hat. Doch noch ehe der Umzugswagen ausgeladen ist, holt die gnadenlose Realität seines Berufes Fabian Risk erneut ein. Bei den Mordopfern wird ein Klassenfoto gefunden. Ein Klassenfoto, auf dem auch Fabian Risk in die Kamera lächelt.

Von der Story „eingesaugt“

Und ebenso wie Risk aus dem Urlaub gerissen wird, wird man selbst in die Story “gesaugt”. Schnell ahnt man als Leserin, dass womöglich mehr als nur zwei Namen auf der Liste des Mörders stehen. Des Mörders, der scheinbar das Mobbingopfer aus Schultagen zu sein scheint und der nun grausam Rache übt. An denen, die ihn gequält haben und an denen, die nichts dagegen unternommen haben.

Mir ist es schwer gefallen, das Buch wieder aus der Hand zu legen und ich denke, daran hat die Erinnerung an die eigene Schulzeit ihren Anteil. Auch wenn ich mich nicht an große körperliche Gewalt erinnern kann, Ausgrenzungen und verbale Entgleisungen gehenüber Schülerinnen und Schülern, die nicht “Mainstream” waren, gab es auch in meiner Schulzeit.

Hinzu kamen die zahlreichen Richtungswechsel, die die Story nahm. Ist es Zufall, dass die Mordserie genau dann startet, als Kommissar Risk wieder nach Helsingborg zurückkehrt? Hat er womöglich selbst etwas damit zu tun? Kann die Mordserie rechtzeitig gestoppt werden oder endet sie, ehe alle Mitschüler tot sind?

Von mir bekommt “Und morgen Du” eine klare Leseempfehlung

Ich konnte mich sehr schnell mit der Story identifizieren, der spannende und völlig unvorhersehbare Wandel darin hat mich mit den Ermittlungskräften mitfiebern lassen. Und er hat mich nachdenklich werden lassen. Nachdenklich über den Umgang miteinander und die Konsequenzen, die Misshandlung aber auch Missachtung haben.

Stefan Ahnhem

Stefan Ahnhem, geboren 1966, ist ein bekannter schwedischer Drehbuchautor, unter anderem für die Filme der Wallander-Reihe. Er lebt mit seiner Familie in Stockholm. Und morgen du ist sein erster Roman und der erste Teil einer Krimiserie um den Kommissar Fabian Risk.

Buchinfo: „Und morgen Du“ von Stefan Ahnhem, erschienen bei List, September 2014, 550 Seiten, Hardcover, Klappenbroschur, ISBN 978-3-471-35105-5, € 16,99. Danke für die Bereitstellung des Leseexemplares.

Ralf Günther: Die türkische Mätresse

Dresden, um 1700. August der Starke ist nicht nur für seine Kampfkunst berühmt, sondern auch für seinen Frauenverschleiß. Als er die junge Fatima sieht, setzt er alles daran, sie für sich zu gewinnen. Doch Fatima ist nicht die erwartete leichte Beute.

historisch, Roman, Türkei, Osmanisch, Reich
(Cover: ullsteinbuchverlage.de)

Als kleines Mädchen wurde Fatima aus der Türkei verschleppt. Nach einigen Umwegen findet sie bei Aurora von Königsmarck ein neues Zuhause. Sie bringt Fatima an den Hof von August dem Starken, der der exotischen Schönheit sofort verfällt. Obwohl sich das Mädchen lange zur Wehr setzt, kann sie sich letztendlich dem Charme des Kurfürsten nicht entziehen.

Als sie seinen Sohn zur Welt bringt, glaubt sie sich Augusts Gunst sicher. Doch es ergeht ihr, wie vielen anderen zuvor: August erkennt das Kind an, wird aber Fatimas bald überdrüssig. Er verheiratet sie mit seinem Kammerherrn, den er auf eine wichtige Mission ins osmanische Reich schickt.

Fatima nimmt Rache

Doch er hat die Rechnung ohne die tief enttäuschte Fatima gemacht. Ohne das Wissen ihres Mannes folgt sie ihm nach Konstantinopel und nutzt ihre Abstammung, ihre Sprachkenntnisse und ihr strategisches Geschick, um auf eigene Faust diplomatische Beziehungen zu knüpfen. Beziehungen, die August den Starken nicht unberührt lassen.

“Die türkische Mätresse” ist solide historische Lektüre, die Einblick in die verworrenen und schnell wechselnden Machtverhältnisse des 18. Jahrhunderts bietet. Für meinen Geschmack leidet das Buch aber immer wieder unter unnötigen Längen. Manchmal ist weniger eben mehr.

Mein Fazit: Interessante Thematik, aber zu sehr in die Länge gezogen.

Ralf Günther

Ralf Günther wurde 1967 in Köln geboren. Er schrieb Krimis, Hörspiele, Sachbücher und Kinderbücher und arbeitet als Drehbuchautor. Sein erster historischer Roman Der Leibarzt wurde sofortein Bestseller. Ralf Günther lebt mit seiner Familie in Dresden.

Buchinfo: Die türkische Mätresse von Ralf Günther, erschienen bei List, Mai 2014, 560 Seiten, TB, € 9,99, ISBN 978-3-548-61211-9. Danke für die Bereitstellung des Rezensionexemplares.

Gabi Kreslehner: Rabenschwestern

Gertruds Eltern nehmen Hanna, die Tochter der Sekretärin des Vaters bei sich auf, als diese unheilbar erkrankt. Hanna, die Überfliegerin, die alles besser kann als Gertrud, die hübscher und intelligenter ist. Doch obwohl sich Gertrud ständig an Hanna messen lassen muss, fühlt sie sich auf verhängnisvolle Weise zu ihr hingezogen. Als Tonio in Hannas Leben tritt, eskaliert die Situation.

RabenschwesternKommissarin Franza Oberwieser, lebenslustig und mit einer Leidenschaft fürs Plätzchenbacken, ermittelt im Mord an Gertrud Rabinsky, der beliebten Inhaberin des Töpferladens im Ort.

Kurze Zeit später wird eine weitere Frau vermisst gemeldet. Hanna Umlauf, die erfolgreiche Fotografin, ist spurlos verschwunden. Ihr Mann verständigt die Polizei.

Anfangs scheinen beide Fälle nichts miteinander zu tun zu haben, bis sich herausstellt, dass Hanna Umlauf die adoptierte Schwester von Gertrud Rabinsky ist. Hat Hanna etwas mit dem grausamen Mord zu tun? Ist sie deshalb abgetaucht? Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.

Eigentlich ein guter Stoff für einen wirklich spannenden Krimi

Eigentlich bietet Rabenschwestern einen guten Stoff für einen wirklich spannenden Krimi. Viele potenziell Verdächtige, verworrene familiäre Abgründe, die totgeschwiegen worden sind. Sie könnten die Spannung durchaus steigern.

Wäre da nicht der Erzählstil, der mich mehr als einmal überlegen ließ, dass Buch unbeendet zur Seite zu legen. Mir war er zu theatralisch, zu sehr ablenkend als dass es einem temporeichen Krimi gut tun würde. Das Bemühen, komplex zu schreiben, hat einfach zu zu vielen Unterbrechungen – teilweise nicht mal eine Drittel Seite lang – geführt, die es weder geschafft haben, die Neugier zu steigern, noch die Story voran zu bringen. Schade eigentlich.

Gabi Kreslehner

Gabi Kreslehner wurde 1965 in Linz geboren. Sie lebt mit ihrer Familie in Oberösterreich und arbeitet als Lehrerin. Für ihr Jugendbuch Charlottes Traum erhielt sie u.a. den Österreichischen Staatspreis für Kinder- und Jugendliteratur 2010. Das Regenmädchen ist ihr erster Kriminalroman. 2013 erscheint Rabenschwestern, ihr zweiter Roman mit Kommissarin Franza Oberwieser.

Buchinfo: “Rabenschwestern” von Gabi Kreslehner, erschienen bei List, Februar 2014, 416 Seiten, € 9,99, ISBN 978-3-548-61181-5

Die Champagnerkönigin von Petra Durst-Benning

1898: Isabelle, Industriellentochter aus Berlin, verliebt sich in den attraktiven Leon Feininger und heiratet ihn gegen den Willen ihrer Eltern. Als Leon unerwartet ein Weingut in der Champagne erbt, scheinen sich Isabelles Träume zu erfüllen. Doch der schöne Schein trügt.

Durst-Benning, Champagner, Roman, historisch, Berlin
Cover: ullsteinbuchverlage.de

Isabelles Eltern haben große Pläne mit ihr. Besonders dem Vater, einem Großindustriellen, ist es wichtig, seine Tochter standesgemäß und “gewinnbringend” zu verheiraten. Doch Isabelle verliebt sich unsterblich in den gutaussehenden Leon Feininger, einen Radrennfahrer und Winzersohn. Eine Verbindung, die ihr ehrgeiziger Vater niemals tolerieren würde. Heimlich brennen beide durch, heiraten und finden auf dem Hof von Leons Eltern Unterschlupf. Für Isabelle ein neue Welt, die sie sehr schnell aus dem siebten Himmel auf den Boden der Realität zurück holt.

Verliebt in die Champagne

Erst als ihr Mann unverhofft Erbe eines Weingutes in der Champagne wird, scheint sich alles zum Guten zu wenden. Voller Energie und Hoffnung reist das junge Paar nach Frankreich und verliebt sich auf Anhieb in die einzigartige Landschaft und das Anwesen. Doch während Isabelle die Ärmel hoch krempelt, die Zähne zusammenbeißt und anpackt, wo es nötig ist, überwiegt bei Leon schnell wieder die Leidenschaft für den Radsport. Mit verhängnisvollen Konsequenzen.

Gut situierte junge Frau verliebt sich, wird von den Eltern verstoßen und muss sehen, wie sie sich durchschlägt. Wie es der Zufall so will, bekommt sie die Chance, ein Unternehmen zu leiten und zeigt nun wirklich, was in ihr steckt. Das alles klappt natürlich nicht ohne Schicksalsschläge und Widersacher. Aber am Ende sieht die Liebe dann doch.

Genussvoll schmökern

So kann man viele (historische) “Frauenschmöker” und auch “Die Champagnerkönigin” beschreiben. Doch das tut dem Buch keinen Abbruch. Isabelle ist ein sympathischer Charakter, mit dem man gerne mitfiebert. Auch wenn so manche Entwicklung vorhersehbar ist, tut dies der Leselust keinen Abbruch. Ganz nebenbei lernt man noch etwas über die Geschichte des Champagners und bekommt – natürlich – Lust auf ein Gläschen.

“Die Champagnerkönigin” ist keine große Herausforderung aber ein prima Schmöker für regnerische Wochenenden, die man mit einem guten Glas Wein lesend auf der Couch verbringt. Von mir eine klare Leseempfehlung für alle Fans historischer Romane.

Petra Durst-Benning

Petra Durst-Benning ist eine der erfolgreichsten und profiliertesten deutschen Autorinnen. Seit über 15 Jahren laden ihre historischen Romane die Leserinnen ein, mit mutigen Frauenfiguren Abenteuer und große Gefühle zu erleben. Auch im Ausland und im TV feiern ihre Romane große Erfolge. Petra Durst-Benning lebt mit ihrem Mann bei Stuttgart.

Buchinfo: Die Champagnerkönigin von Petra Durst-Benning, erschienen bei List, September 2013, 528 Seiten, gebunden, € 19,99, ISBN-13 978-3-471-35058-4

Weitere historische Romanempfehlungen von mir: Wie wäre es damit?

Matthew Reilly: Arctic Fire

Captain Shane Schofield, genannt Scarecrow, hat sich bei der CIA einen Namen gemacht. Leider nicht nur wegen seiner Erfolge. Deshalb versucht man alles, ihn los zu werden und schickt ihn mit einem Produkttestteam in die Arktis. Weit entfernt von allen Situationen, in denen er Schaden anrichten könnte – eigentlich.

CIA, Bomben, U-Boot, Kampf, Thriller, Action
Cover: ullsteinbuchverlage.de

Im Situation Room des Weißen Hauses in Washington D.C. Die Welt steht vor einer Katastrophe. Eine Horde gewissenloser Gangster hat Dragon Island, ein Relikt aus dem kalten Krieg, besetzt. Sie nennen sich “Army of Thieves” und drohen, mit einer “atmosphärischen Waffe”, die sich auf der Insel befindet, die Atmosphäre in Brand zu setzen. Denn Dragon Island war während des kalten Krieges die “Spielwiese” für die skrupelose russische Wissenschaftler. Ohne irgendwelche moralischen Auflagen ließ man sie die grausamsten Waffen entwickeln und testen, um dann, nachdem sich die Situation zwischen den Nationen entspannt hatte, festzustellen, dass eine Vernichtung der “Überreste” die Erde ernsthaft gefährden würde. Also ließ man alles, wie es war und legt die Forschungsstation still. Eine tickende Zeitbombe mitten in der Arktis.

Letzter Ausweg: Scarecrow

Natürlich versucht die Army of Thieves die Bombe zu zünden, was jedoch aufgrund der Bauweise einer gewissen Vorlaufzeit bedarf. Amerika bleiben fünf Stunden Zeit, dies zu verhindern. Die große Stunde für Captain Schofield naht. Denn praktischerweise befindet die Forschungsstation, auf die er verbannt wurde, sich unweit der Todesinsel. Mit einem kleinen Team aus Soldaten und Zivilisten macht er sich auf, eine Verschwörung aufzuklären und die Welt zu retten.

Sieben Leben hat die Katz’ – Scarecrow leider auch

Was dann folgt, liest sich wie eine Mischung aus James Bond, Alarm für Cobra 11 und Lara Croft. Da fliegen U-Boote durch die Luft, Maschinenpistolen haben nie endende Patronengurte und jeder der bedeutenden Charaktere – Scarecrow, Mother, seine beste Freundin, Captain Renard, die eigentlich nur Scarecrows Tod als Ziel hatte und Baba, ein hünenhafter französischer Soldat – hat mindestens sieben Leben. Was ihnen auch passiert, sie überleben es. Egal ob es ein Durchschuss im Bauchraum, Abstürze mit Flugzeugen, Autos, Seilbahnen oder brutalste Folter ist. Denn zur Not gibt es immer noch Bertie, einen kleinen Roboter, der schießen, beobachten, mit Essen versorgen und sogar reanimieren kann. Auch er hat übrigens mindestens sieben Leben.

Im Laufe des Schlachtgetümmels wird ganz nebenbei ein perfider Plan der CIA aufgedeckt. Stammte doch die Idee für die sogenannte Tesla Bombe, die die Atmosphäre in Brand setzen soll, von amerikanischen Spezialisten. Geschickt “organisierte” man den Diebstahl der Pläne durch die Russen und ließ sie die Waffe an einem strategisch günstig gelegenen Ort bauen. Jetzt soll sie gezündet werden um Amerika vor der aufstrebenden Wirtschaftsmacht China zu schützen.

Sterbt endlich. Sterbt! Und zwar alle

Ich gestehe: Ballerfilme, -spiele, -bücher, in denen die Protagonisten aus jedem Angriff schwer verletzt aber weiter kampffähig hervor gehen, in denen die Munition nie ausgeht und von irgendwo im letzten Augenblick immer ein Lichtlein her kommt, langweilen mich sehr schnell. Deshalb habe ich mir spätestens nach den ersten 100 Seiten gewünscht, dass endlich alle sterben. Und dass sie dann auch wirklich tot bleiben. Kein Bertie, der eben mal den zu Tode gefolterten Scarcrow reanimiert. Keine Mother, die Ratten den Kopf abbeißt, um ihren eigenen Tod vorzuspielen. Einfach alle tot und aus die Maus. Aber leider wurde mein Wunsch nicht erhört. Wie Stehaufmännchen jagten alle immer weiter und die Guten wurden natürlich am Ende gerettet.

Ich möchte nicht ungerecht sein. Matthew Reilly kann schließlich nichts dafür, dass mir sowas nicht gefällt. Hätte ich im Waschzettel gelesen, worum es wirklich geht oder hätte ich Reillys frühere Werke gekannt, hätte ich mir Arctic Fire ganz sicher gespart. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass das Buch bei den passenden Lesern sehr gut ankommt. Schließlich wird es nie “langweilig”. Von 464 Seiten geht es in mindestens 400 und Action und brutale Gewalt. Also im Prinzip prima Stoff für einen amerikanischen Action-Thriller, käme die CIA nicht so schlecht dabei weg.

Matthew Reilly

Matthew Reilly wurde 1974 in Sydney geboren, wo er heute auch lebt. Seine Bücher wurden in über 20 Sprachen übersetzt. Zuletzt erschien bei List Arctic Fire.

Weitere Informationen finden Sie unter: www.matthewreilly.com

Buchinfo: Arctic Fire von Matthew Reilly, erschienen im List Verlag, September 2013, 464 Seiten, gebunden, € 19,99, ISBN-13: 978-3-471-35090-4